Als echter Lüner Dinge verändern: Rainer Schmeltzer (SPD) tritt an

dzBürgermeisterwahl

Er redet gerne. Doch zuhören und das auch ernst nehmen, findet Rainer Schmeltzer genauso wichtig. Der SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige NRW-Arbeitsminister will Bürgermeister werden.

Lünen

, 30.07.2020, 10:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dreimal schon hat das Telefon geklingelt. Rainer Schmeltzer muss los. Mit Menschen sprechen, zuhören, sich für andere stark machen. Das tut der 59-jährige SPD-Mann seit Schülerzeiten. In der Realschule Brambauer war er Klassen- und Schülersprecher. Das Reden liegt ihm. Sich zu behaupten, hat er damals gelernt. Inzwischen ist der Wohnungsfachwirt 20 Jahre SPD-Landtagsabgeordneter. Bis Juni 2017 gehörte er 18 Monate als NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales ins Kabinett der einstigen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Jetzt will der Mann, der in Niederaden zuhause ist, Lünens Bürgermeister werden.

Für Schmeltzer geht es auch um die Wurst. Mit seiner Ape, einem Mini-Fahrzeug samt kompletter Grillvorrichtung an Bord, rollt er durch Lünen und die Stadtteile. „Ich grill die Wurst, geben Sie Ihren Senf dazu“, ermuntert er die Bürger, das Gespräch mit ihm zu suchen. Schmeltzer kommt in Schürze. Er will wissen, was die Leute bewegt.

Die Stadt im Blick

Vieles weiß er längst. Als gebürtiger Lüner hat Schmeltzer auch von Düsseldorf aus die Stadt im Blick. Vier Jahre war er in Lünen SPD-Parteichef und zwei Jahre bis November 2019 Stellvertreter. Ein breites Spektrum sei mit der Arbeit des jetzigen Bürgermeisters nicht einverstanden, habe er nicht nur aus SPD-Kreisen gehört. Es tue weh, wenn Dinge nicht funktionierten oder verschleppt würden.

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Schmeltzer nennt den Bau der Feuerwehrgerätehäuser, Kita-Neubauten oder den der Realschule Altlünen. Er kann sich darüber ereifern, wie auch über das Thema Waltroper Straße. Den Schwerlastverkehr zu verbannen, ohne ein Gesamtkonzept zu haben, funktioniere nicht. Was die Kritik der Anwohner der Achenbachstraße zeige. Städte beklagten die geringe finanzielle Ausstattung, eine Lüner Schule hätte Desinfektionsmittel in der Corona-Krise selber gekauft. Da müsse man auch mal mehr Unterstützung vom Land einfordern.

„Nicht-Verhältnis“ zum Kontrahenten

Schmeltzer zielt damit auf seinen Kontrahenten Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. Es gab mal gemeinsame Zeiten. Beide waren in der SPD aktiv. Kleine-Frauns folgte Schmeltzer als Parteivorsitzender 2005. Bis er nach einer gescheiterten Bewerbung als Beigeordneter 2008 zurücktrat und 2013 die SPD Richtung GfL (Wählergemeinschaft „Gemeinsam für Lünen“) verließ. Zur Bürgermeisterwahl tritt Kleine-Frauns nicht mit GfL-Ticket an, sondern kandidiert aus dem Amt heraus. Als „Nicht-Verhältnis“ bezeichnet Schmeltzer die Beziehung zu ihm.

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Im September nun soll Rainer Schmeltzer das höchste Amt im Rathaus für die SPD zurückerobern. Manche werten seine Kandidatur als Knick in der Karriere. Er selbst sagt, das mit der Karriere habe doch gut geklappt. Viermal hat er bei Landtagswahlen seinen Wahlkreis direkt gewonnen. Klar hätte er sich gewünscht, dass es als Minister weitergehe. Aber so sei eben die Demokratie. „Das ist keine Frustkandidatur, absolut nicht“, betont Schmeltzer. Er habe die Kontakte nach Düsseldorf und auch Berlin, die man für den Bürgermeisterposten brauche. Von draußen sei er darauf angesprochen worden. Auch die Partei sei der Meinung, dass er der Richtige ist. „Die Kandidatur ist kein Abstieg, sondern nur eine Änderung in der politischen Vita von der Landes- in die Kommunalpolitik“, so Schmeltzer.

Willy Brandt in Essen erlebt

Er will, dass sich etwas ändert, und das auch in die Hand nehmen. Schmeltzer, der Macher. Das war schon früher so. Der Schülersprecher trat an seinem 16. Geburtstag im ehemaligen Bebelhaus an der Viktoriastraße, der „Roten Mühle“, in die SPD ein. In Essen hatte er Willy Brandt zugehört, ein nachhaltiges Erlebnis. Der junge Schmeltzer machte bei den Jusos mit und im Ortsverein Lünen-Stadt. Die übliche Ochsentour. Er kämpfte für Arbeitnehmerinteressen und ging nach Jahren in der Wohnungswirtschaft als Gewerkschaftssekretär der ÖTV (heute Verdi) in das Büro des Hauptvorstandes nach Berlin und später in die ÖTV-Kreisverwaltung nach Unna.

Als echten Lüner bezeichnet er sich. Über die Stadt kann Schmeltzer eine Menge erzählen. Er tut es auch in Videos, mit denen er in allen Stadtteilen präsent ist. Auf Kommentare geht Schmeltzer ein. Aus Brambauer meldete sich eine Frau, er sollte lieber mal spätabends kommen und sich die Situation im Ortsteil anschauen. Schmeltzer hat`s gemacht. „Ich kann nichts versprechen, aber die Sorgen der Bürger ernst nehmen und hinwirken, dass sich etwas ändert“, erklärt er.

Vision für Lünen

Für Lünen hat er eine Vision. „Dass das, was gehen könnte, auch weitergeht.“ Ein Beispiel: Das stillgelegte Steag-Kratftwerk. Große Gewerbeflächen werden frei. „Das muss Chefsache sein“, erklärt Schmeltzer, da müsse man sich kümmern und Netzwerke nutzen. Thema Wohnungsbau: Um geförderten Wohnraum zu ermöglichen, müsse die Stadt beim Grundstücksverkauf auch mal auf Geld verzichten. Schmeltzer ist für einen Masterplan E-Mobilität, für die Digitalisierung der Schulen mit Unterstützung bei der Wartung aus dem Rathaus und für eine Vernetzung mit Nachbarstädten, um Verbindungen beim Thema Smart-City zu schaffen. Als ehemaliger Arbeitsminister richtet er den Fokus zudem auf Arbeitsplätze, duale Ausbildung und den sozialen Arbeitsmarkt.

Was wäre seine erste Amtshandlung nach einer möglichen gewonnenen Wahl? Schmeltzer überlegt nicht lange. Es wäre das Gespräch mit dem Personalrat. „Ich bin nicht überall Fachmann, aber das Know-how ist da. Dazu will ich alle an einen Tisch holen.“

Information

Fragen stellen an den Kandidaten

  • Rainer Schmeltzer ist verheiratet, Vater eines Sohnes und lebt in Niederaden. In seiner Freizeit liebt er Spaziergänge und Arbeit im Garten. 2019 war er mit seiner Frau Renate Schmeltzer-Urban Stadtprinzenpaar von Werne.
  • Am Montag, 10. August, treffen wir uns mit Bürgermeisterkandidat Rainer Schmeltzer zum Videogespräch. Wenn Sie Fragen an ihn haben, schicken Sie diese uns gerne bis zum 9. August per Mail an luenen@ruhrnachrichten.de zu. Wir werden sie dann Rainer Schmeltzer im Gespräch stellen.
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