Agravis rechnet in der Corona-Krise mit höheren Kosten

Erst zwei Dürre-Jahre, jetzt macht die Corona-Krise dem Agrarhändler Agravis zu schaffen. Noch ist genug zu tun. Das Unternehmen ist ein Baustein in der Lebensmittelproduktion - und stolz darauf, dass alles läuft.

26.03.2020, 02:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutschlands zweitgrößter Agrarhändler Agravis rechnet im Zuge der Corona-Krise mit deutlich höheren Kosten im Bereich der Logistik. Um Lieferketten aufrechterhalten zu können, müsse das Unternehmen wegen Personalausfalls, zusätzlicher Logistikkapazitäten, Leiharbeitern und Sonn- und Feiertagszuschlägen höhere Ausgaben für das laufende Jahr einplanen, sagte der Vorstandsvorsitzende Dirk Köckler am Donnerstag bei der Vorstellungen der Bilanz für das Jahr 2019.

„Wir erleben so eine Situation als Grundversorger zum ersten Mal. Es ist ein starkes Gefühl für die ganze Organisation, dass wir dazu beitragen, dass Produkte auch beim Kunden ankommen“, sagte Köckler. Welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Krise auf das Unternehmen haben werde, könne Agravis wohl erst im zweiten Quartal sagen. Das Unternehmen betreibt auch Tankstellen und verkauft und repariert Landmaschinen. „Wenn die großen Hersteller keine Ersatzteile mehr liefern, stehen wir vor großen Herausforderungen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Auch sei derzeit noch nicht abzusehen, welche Folgen unterbrochene Lieferketten auf die Zulieferung von Rohstoffen aus Fernost für die Futtermittel haben.

Beim Personal sieht Agravis noch kein Problem. „Wir haben hier hochgefahren auch mit Hilfe von Leiharbeitern, um das Stammpersonal zu schützen. Kurzarbeit ist derzeit noch kein Thema“, sagte Köckler in einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen hatte die übliche Pressekonferenz wegen der Corona-Krise abgesagt, nachdem bereits die für den 7. Mai geplante Hauptversammlung der AG wegen der Corona-Krise auf ein unbestimmtes Datum verschoben wurde.

Im vergangenen Jahr spielte die Corona-Krise noch keine Rolle. Dennoch sank der Umsatz des Unternehmens mit 6500 Mitarbeitern mit Sitz in Münster und Hannover auch wegen des Dürrejahres geringfügig von 6,6 auf 6,5 Milliarden Euro. Wegen einer Kartellstrafe von 43,7 Millionen Euro muss Agravis beim Ergebnis vor Steuern einen Verlust von 20,5 Millionen Euro verbuchen. Das Bundeskartellamt hatte mehreren Unternehmen wegen Preisabsprachen im Pflanzenschutz Bußgelder auferlegt. Ein Nettoergebnis nennt Agravis nicht.

Für 2020 plant Köckler mit einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro und einem Gewinn vor Steuern von 30,2 Millionen Euro.

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