AfD-Spitzenkandidat in Tarnkleidung auf Spuren der Wehrmacht unterwegs

dzKommunalwahl in Schwerte

Wer sind die AfD-Kandidaten, die bei der Wahl 2020 in Schwerte antreten? Ganz oben auf der Liste steht ein junger Mann, der sich auf Facebook provokant und in Tarnkleidung präsentiert.

Schwerte

, 28.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An einen Baum gelehnt, sich eine Zigarette anzündend, in Tarnkleidung im Wald, auf dem Kopf eine Mütze, die mindestens große Ähnlichkeit hat mit der Gebirgsjäger-Mütze der Wehrmacht – so präsentiert er sich auf dem Facebook-Profilfoto.

Stefan Fiene ist der Mann, der ganz oben auf der Reserveliste der AfD für die Kommunalwahl steht. Anders gesagt: Wenn die Partei am 13. September genügend Stimmen bekommt, ist er der Erste, der für die Partei in den Stadtrat einzieht.

Noch deutlicher wird es bei einem Beitrag aus dem September 2019. Da grüßt er „alle Kameraden“ von der „Eismeerfront“. Auf knapp 30 Fotos sieht man Fiene und eine Handvoll anderer Männer durch eisbedeckte Berge ziehen, offenbar durch den Norden Norwegens, im Polarkreis. Martialisch posieren sie an abgestürzten Flugzeugen, auch hier immer unterwegs in Tarnkleidung.

„Operation Weserübung“ – der Angriff auf Norwegen

Versehen ist das mit dem Hinweis „Operation Weserübung“. Das war 1940 der Deckname für den Angriff der Wehrmacht nach Dänemark und Norwegen.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, schrieb Fiene dazu.

Zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens 1945 heißt es: „Vergesst nicht den Massenmord an der deutschen Zivilbevölkerung durch anglo-amerikanischen Bombenterror!“ Dass er innerhalb der AfD mit dem „Flügel“ rund um Björn Höcke sympathisiert, daran lässt Fiene keinen Zweifel. Er teilt Inhalte, in denen es heißt: „Lieber Björn, bleib gesund, wir brauchen dich!“

Immerhin: Ein Foto, auf dem er sein Profilbild hämisch unterlegt hatte mit dem Banner „gegen rechte Hetze“, hat Schwertes AfD-Spitzenkandidat in den vergangenen Tagen gelöscht. Oder teilt es zumindest nicht mehr öffentlich, so wie all die anderen aufgeführten Posts und Bilder.

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AfD-Bezirk hat klare Richtlinien für Kandidaten

Für 12 der 19 Schwerter Wahlkreise hat die AfD Direktkandidaten aufgestellt. Auf der Reserveliste stehen fünf Namen: Auf Fiene folgen in dieser Reihenfolge Sebastian Rühling, Maximilian Klinger, Gerd Sauer und Christian Neupert.

Unumstritten ist das offenbar nicht. Zumal es rund um die Kandidatenfrage für den Kreistag Streit gibt zwischen Kreisvorstand und Bezirk.

Letzterer will keine Kandidaten, die auf Facebook „eine freundschaftliche Nähe zu Kandidaten der Parteien Die Rechte oder zur NPD pflegen“ oder die man „ausschließlich als straßenkämpferische Unterstützer des ‚Konservativen Kreises‘ wahrnehme“.

Das wiederum nahm die Nummer zwei der Liste, Sebastian Rühling, zum Anlass, dem bekannten Schwerter AfD-Streiter Hans-Otto Dinse einen Vorwurf zu machen: Ausgerechnet so einen Kandidaten habe man doch auf Position eins der Schwerter Liste postiert.

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„Die AfD macht einen Wandel durch, weg von Personen wie Kalbitz“

Rühling, der früher Mitglied der SPD war, sagt im Gespräch mit unserer Redaktion deutliche Sätze: Ja, er sei „patriotisch, konservativ und kritisch“. Aber wer für die AfD kandidiere, müsse auf jeden Fall demokratisch handeln und denken. „Wer das nicht tut, muss sich fragen, ob er in der richtigen Partei ist.“

Vor einigen Jahren, nach dem Abschied Bernd Luckes, habe die AfD ihre Richtung geändert. „Jetzt gerade macht die AfD einen weiteren Wandel durch“, findet Rühling. Seine Hoffnung: Dieser Wandel geschehe „weg von Personen wie Andreas Kalbitz“.

Der war Mitglied im Bundesvorstand, ist seit Mai aber aus der AfD ausgeschlossen, darf als „rechtsextrem“ bezeichnet werden.

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Mehrere andere Kandidaten habe er mitgebracht, unterstreicht Rühling. Er sei neu in die AfD eingetreten. Vier Wochen auf Probe müsse man da absolvieren.

Einen eigenen Ortsverein habe die AfD in Schwerte noch nicht. Aber er wolle sich sehr gerne einbringen und engagieren.

Genau das werfen Hans-Otto Dinse und seine Frau Brigitte ihm vor: „Vermessen und überheblich“ sei er, direkt vordere Plätze einzufordern, zudem mit seinen „Sozi-Themen“ wie bedingungsloses Grundeinkommen sei er anderswo besser aufgehoben.

Auch all das ist öffentlich auf Facebook nachzulesen.

In eigener Sache

Text an einer Stelle geändert

In der ersten Version dieses Textes hatten wir geschrieben, dass Stefan Fiene auf seinem Facebook-Profilbild eine „Waffe mit Zielfernrohr“ in der Hand hält. Der Gegenstand lässt sich allerdings nicht eindeutig zuordnen. Stattdessen haben wir weitere Angaben zur Mütze auf seinem Kopf ergänzt.
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