Zwei Tierärzte aus Schwerte wollen Bäume pflanzen gegen den Klimawandel. Ihr Unternehmen Waldkonzept kann jeder unterstützen. Doch nicht auf jeder Fläche sind Bäume sinnvoll.

Schwerte

, 08.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Tierärzte aus Ergste bewegen sich Heilwig Donner und Oliver Herrmann ständig zwischen zwei „Welten“: Sie sind viel im ländlichen Raum unterwegs, aber auch im städtischen. Die Veränderungen durch den Klimawandel sind für sie nicht zu übersehen. Dagegen wollten sie etwas tun.

Privatleute und Unternehmen können Bäume pflanzen lassen

„Überall sieht man Wälder, die kaputt gehen. Dann haben wir uns damit beschäftigt, was man tun kann“, sagt Oliver Herrmann. Zusammen mit Heilwig Donner recherchierte er, welche Möglichkeiten es gibt, einen Beitrag zu leisten.

„Wir haben überlegt: Was könnte man hier in Deutschland tun und eine sichtbare Veränderung schaffen, die bleibend ist?“, berichtet Donner.

Die beiden gründeten Ende 2019 das Unternehmen Waldkonzept. Ziel der Firma: Privatleute und Unternehmen können Baumpflanzungen in Auftrag geben, um ihren CO2-Ausstoß – beispielsweise durch Flugreisen – zu kompensieren. Diese Idee ist zwar nicht neu, aber: „Was uns daran stört ist, dass das größtenteils im Ausland stattfindet, da fehlt uns die Transparenz“, so Herrmann.

Neue Wälder sollen in Deutschland entstehen

Die Bäume von Waldkonzept sollen deshalb in Deutschland gepflanzt werden. Hierzu werden im gesamten Bundesgebiet Ackerflächen gesucht, die dann zu einem Wald werden. „Wir machen was vor Ort, jeder kann vorbei kommen und es sich angucken. Dadurch ist es extrem transparent“, findet Donner.

Zwei Äcker sind bereits im Besitz des Schwerter Unternehmens – 2,5 Hektar in Brandenburg und 1,5 Hektar in Sachsen-Anhalt. Dort können Interessierte dann Bäume pflanzen lassen. Auf der Internetseite von Waldkonzept wird eine Pflanzung für 10 Euro angeboten.

„Der Landkauf, das Bäumchen erwerben, die Pflanzung durchführen, der Schutz der Fläche und die Nachpflanzung: Das ist ein Inklusivpreis“, erklärt Heilwig Donner die Kosten. Der Baumspender werde über jeden Schritt informiert.

Er erhält zudem eine Urkunde, auf der die Spende bestätigt wird und die GPS-Koordinaten des Waldstücks. So soll aus den Äckern bald ein naturnaher Mischwald aus regional vorkommenden Baumarten werden, der der Atmosphäre CO2 entzieht.

Auf diesem Acker südlich der Stadt Brandenburg sollen bald Bäume wachsen; auf Dauer soll ein ganzer Wald entstehen.

Auf diesem Acker südlich der Stadt Brandenburg sollen bald Bäume wachsen; auf Dauer soll ein ganzer Wald entstehen. © Oliver Herrmann

Nur unfruchtbare Äcker werden zu Wald

Neben der Reduktion des CO2 wollen die Gründer mit ihrem Konzept auch dafür sorgen, dass weniger Dünger auf den Äckern landet. „Nicht jede Fläche eignet sich, zum Beispiel Moore oder besonders fruchtbare Böden“, teilt Herrmann mit.

Für die Wälder wird gezielt unfruchtbarer Boden erworben, der dann nicht der industriellen Landwirtschaft zur Verfügung steht. „Die Flächen, wo extrem viel Dünger drauf gefahren werden muss, damit da überhaupt etwas wächst, solche Flächen suchen wir“, so Herrmann weiter. Die erworbenen Äcker in Brandenburg und Sachsen-Anhalt fallen in diese Kategorie.

Boden in Schwerte ist zu fruchtbar

Ein Projekt in Schwerte wird es vorerst vermutlich nicht geben. „Wir haben hier ziemlich fruchtbaren Boden. Auch in der Soester Börde werden wir niemals pflanzen, weil da nicht gedüngt werden muss, damit da was wächst.“

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Die Pflanzung der Bäume soll in Zusammenarbeit mit den Forstämtern, Landschaftsbehörden und Naturschutzverbänden abgestimmt und von lokalen Unternehmen durchgeführt werden. Aber auch eine Umsetzung mit ehrenamtlichen Initiativen ist für die beiden Ärzte vorstellbar.

Pflanzungen finden im Herbst statt

In Brandenburg sollen bald Eiche, Ahorn, Birke, Kiefer und Akazie wachsen. Durch die verschiedenen Baumarten sind die Wälder weniger anfällig gegen Schädlinge und ermöglichen eine größere Artenvielfalt. Zudem sollen am Waldrand Hecken und Büsche gepflanzt werden.

Donner vertraut bei der Auswahl den Behörden: „Die dortigen Forstämter sind dann als Partner gefragt. Die wissen, was da wachsen kann.“

Der Kontakt zu den Behörden verlief laut Oliver Herrmann bisher äußerst gut: „Wir haben bei den Umwelt- und Forstämtern offene Türen eingerannt. Die haben alle getan, was sie können.“

Die Pflanzungen finden jährlich im Herbst statt und werden in den ersten Jahren bei Ausfall einzelner Setzlinge einmalig nachgepflanzt sowie gegen Wildverbiss geschützt. In Sachsen-Anhalt starten die Pflanzungen im kommenden Herbst, in Brandenburg voraussichtlich im Herbst 2021.

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Der Wald verbessert die Luft und das Grundwasser

Die neuen Wälder erfüllen neben der CO2-Absorption noch weitere Zwecke. „Die Temperatursenkungskapazität eines Waldes kennt jeder von uns. Wir gehen im Sommer in den Wald und stellen fest: Hier ist es kühl. Das ist das, was wir brauchen.“ Bei dem erworbenen Acker in Brandenburg bietet das einen besonderen Reiz: „Man hat stadtnah einen temperatursenkenden Wald.“

Laut Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) können die Temperaturen im Wald um bis zu 8 Grad niedriger sein, als in der Stadt. Dies sorge für einen ständigen Luftaustausch und bessere Luft in den Siedlungsgebieten.

Zudem bilden und binden Wälder Grundwasser – ein Quadratmeter Boden bis zu 200 Liter.

Werbung am Dortmunder Flughafen

Mittlerweile ist Waldkonzept auch dort präsent, wo viele der CO2-Emissionen entstehen. Am Dortmunder Flughafen wirbt das Unternehmen auf Plakaten für einen Ausgleich des CO2-Ausstoßes.

Monatlich laufen über 200.000 potentielle Baumspender an der Plakatwerbung vorbei. Darauf ist zu lesen: „nachhaltig, transparent, regional“.

Ob das Geschäft mit den Bäumen irgendwann Gewinn einbringt, wissen Heilwig Donner und Oliver Herrmann nicht. Herrmann gibt zu: „Es ist sehr viel Idealismus dabei.“

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