ADFC Selm fordert: Mehr Radwege und die im besseren Zustand

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Der ADFC in Selm wünscht sich bessere Radwege in Selm - und am besten auch noch mehr davon. Wieso das nötig wäre? Dafür hat der ADFC gleich mehrere Gründe.

Selm

, 23.02.2020, 10:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gerd Paduch und Petra Medzech kennen die Selmer Straßen aus beiden Perspektiven: mit dem Auto oder als Radfahrer. Als Sprecher und Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC Selm) geht es ihnen aber vor allen Dingen darum, die Situation für Radfahrer in Selm zu verbessern.

„Dazu gab es gerade auch Gespräche mit Bürgermeister Mario Löhr“, sagt ADFC-Selm Pressewart Wilhelm Gryczan-Wiese. Der Selmer ADFC wolle auf eine verstärkte Kooperation mit der Verwaltung setzen.

Klimaschutzkonzept nimmt auch Radverkehr in den Fokus

Die Sachen, die von der Stadt aktuell angegangen werden, beobachten die ADFC-Mitglieder mit großem Interesse. Eine Radstation und ein Fahrradparkhaus sollen in diesem Jahr am Bahnhof in Beifang entstehen - außerdem sollen am Sandforter Weg und in der Lange Straße Selm zwei Fahrradstraßen entstehen, die Fahrradstraße in Bork gibt es bereits.

In dem Klimaschutzkonzept, das die Stadt im vergangenen Jahr verabschiedet hat, ist die „Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur und Erhöhung der Nutzung des Fahrrads im Alltagsverkehr“, als eines der Ziele festgeschrieben. Alles Dinge, die im Interesse des ADFC sind. Der Verein will aber auch kritisch hinschauen, was passiert: „Die Stadt Selm hat ein Signal gegeben und wir werden schauen, dass es umgesetzt wird“, sagt Wilhelm Gryczan-Wiese.

Gute Radwege sollen Schüler zum Radfahren zur Schule animieren

Es gibt aber auch noch mehr Dinge, die dem Verein auf dem Herzen liegen. „Die Radwege müssen so gut werden, dass auch viele Schüler mit dem Rad zur Schule fahren wollen“, sagt Petra Medzech. So, dass Eltern keine Sicherheitsbedenken hätten, wenn ihre Kinder mit dem Rad den Weg zur Schule zurücklegen und damit ein Phänomen wie die Elterntaxis wieder verschwinden kann. Dafür, so meinen die ADFC-Vorstandsmitglieder müsste es aber noch mehr Radwege geben und die bestehenden müssten besser in Schuss sein.

Als Beispiel nennt Gerd Paduch den Radweg An der alten Zechenbahn Richtung Bork. Ein anderes Beispiel, wo der Radweg in Ordnung ist, es aber für Radfahrer riskant werden könnte: der Radweg an der Ludgeristraße, der plötzlich endet und den Radfahrer so auf die Straße führt.

Dieser Radweg an der Alten Zechenbahn Richtung Bork könnte mal eine Auffrischung vertragen, findet der ADFC.

Dieser Radweg an der Alten Zechenbahn Richtung Bork könnte mal eine Auffrischung vertragen, findet der ADFC. © Sabine Geschwinder

Markierungen an Radwegen werden erneuert

Laut Petra Medzech hätten Radwege, die gut in Schuss sind, noch einen weiteren Vorteil: Konflikte zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern fallen weg. „Das ist etwas, was uns am Herzen liegt, das rücksichtslose Verhalten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern“, sagt Medzech. „Und solange die Radwege für die Menschen nicht gut funktionieren, wird sich das auch nicht ändern.“

Wie viele Radwege es in Selm gibt, kann die Stadt gar nicht sagen, „da nicht alle Radwege in der Straßenbaulast der Stadt Selm sind“, wie Stadtsprecher Malte Woesmann sagt. Das gilt zum Beispiel für die Kreisstraße. Außerdem sei nicht klar, „was als Radweg im eigentlichen Sinne gewertet wird: reine Radwege, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Wirtschaftswege, die auch von Radfahrern häufig genutzt werden?“

Gibt es denn aktuell Sanierungen von Radwegen in Selm, die geplant sind? „Sanierungen an Radwegen der Stadt Selm stehen nicht an“, sagt Malte Woesmann. „Jedoch werden die Markierungen der Fahrradstraße in Bork erneuert. Ebenfalls stehen Sanierungen von Wirtschaftswegen an, die verstärkt von Radfahrern genutzt werden: Am Schnippenbach und an der Luisenstraße zwischen Bork und Selm“, so der Stadtsprecher.

Parken auf Radwegen: ADFC-Mitglieder hoffen auf verstärkte Kontrollen

Ein positives Zeichen für Radfahrer sehen Gerd Paduch, Petra Mezdech und Wilhelm Gryczan-Wiese auch in der Reform der Straßenverkehrsordnung, die Umweltminister Andreas Scheuer auf den Weg gebracht hatte und die der Bundesrat am Freitag zustimmte. Sie sieht zum Beispiel vor, dass Autofahrer einen Abstand von 1,50 Meter innerorts und 2 Metern außerorts zu Radfahrern halten müssen. Lkw über 3,5 Tonnen dürfen zudem beim Rechtsabbiegen im Ort nur noch Schritttempo fahren, wenn mit Rad- oder Fußverkehr zu rechnen ist.

„Das ist gut“, sagt Petra Medzech, „aber das muss auch kontrolliert werden.“ Apropos Kontrolle: Die wünschen sich die Mitglieder des Selmer ADFC auch bei einem anderen Ärgernis: beim Parken auf Radwegen. „Leute, die auf Radwegen parken, das finde ich unanständig“, sagt Gerd Paduch. Er hofft, dass bei der Stadt auch dahingehend mehr Kontrollen geplant sind.

Das wird wohl auch geschehen: Die Stadt hatte im Januar angekündigt, dass sie eine weitere Vollzeitstelle sowie drei Mitarbeiter in Teilzeit für die Verkehrsüberwachung einzustellen. Der Prozess ist im Gange: „In Kürze werden dazu Bewerbungsgespräche geführt“, so Malte Woesmann.

Wechsel an der Spitze: Die Selmer Abteilung des ADFC existiert seit 10 Jahren, vorher hatte er sich dem Fahrradclub in Lünen angeschlossen. Im gesamten Kreis Unna verfügt der ADFC über mehr als 1300 Teilnehmer, der ADFC in Selm hat insgesamt 80 Mitglieder. An der Spitze gab es jüngst einen Wechsel: Petra Medzech und Gerd Paduch lösen Christian Jänsch als langjährigen Sprecher des ADFC Selm ab. Jänsch wird aber weiterhin als Kassierer und Tourenleiter zur Verfügung stehen. „Wir wollen die Verantwortung auf mehr Schultern verteilen“, sagt Pressesprecher Wilhelm Gryczcan-Wiese.
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