373 Punkte in Flensburg: Dauer-Verkehrssünder soll ins Gefängnis

Prozess

Einem Urteil folgte stets der nächste Verstoß: Seit 2015 war ein Mann in Rheinland-Pfalz wiederholt wegen Verkehrsdelikten aufgefallen. Sein Punktekonto in Flensburg ist prall gefüllt.

Frankenthal

29.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Handout-Foto der Polizei zeigt einen Sportgeländewagen auf der Ladefläche eines Abschleppwagens. Dem Fahrer des Autos werden mehr als 150 rechtswidrige Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung vorgeworfen, er hat bereits 373 Punkte in Flensburg.

Das Handout-Foto der Polizei zeigt einen Sportgeländewagen auf der Ladefläche eines Abschleppwagens. Dem Fahrer des Autos werden mehr als 150 rechtswidrige Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung vorgeworfen, er hat bereits 373 Punkte in Flensburg. © picture alliance/dpa

Er hat 373 Punkte in Flensburg - zwei seiner Verstöße könnten ihm nun zum Verhängnis werden: Nach zahlreichen Fahrten ohne gültigen Führerschein soll ein Verkehrssünder in Rheinland-Pfalz für neun Monate ins Gefängnis. Bewährungsstrafen und Geldbußen hätten den 38-jährigen Mann nicht davon abgehalten, sich immer wieder ans Steuer zu setzen, entschied das Landgericht in Frankenthal am Dienstag in einer Berufungsverhandlung. Es wandelte auf Antrag der Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe in Haft um. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Der Mann war jahrelang mit einem ungültigen italienischen Führerschein unterwegs.

In dem Prozess ging es konkret um zwei Fahrten im vergangenen Jahr, bei denen der Mann unbefugt am Steuer erwischt worden war. Allerdings hatte der Fall für Aufsehen gesorgt, weil der Beschuldigte der Polizei zufolge schon früher 373 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei gesammelt hat. Die Zahl setzt sich zusammen aus mehr als 150 Fahrten ohne gültigen Führerschein, die der Mann als Berufsfahrer absolviert hatte. Die Behörden kontrollierten im Nachhinein die Tachoscheiben und verhängten pro Fahrt zwei Punkte. Vor Gericht spielte der Punktestand am Dienstag keine direkte Rolle.

„Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen lässt“

Der Beschuldigte sprach in der Verhandlung von „großen Fehlern“, die er gemacht habe. Sein Führerschein sei bei früheren Verkehrskontrollen von der Polizei nicht beanstandet worden. Er habe aber aus den „Fehltritten“ gelernt. „Ich werde bis zum Schluss kämpfen, dass alles gut wird“, sagte er nach Angaben einer Übersetzerin auf Rumänisch. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den Mann hingegen als uneinsichtig und bestand auf eine Gefängnisstrafe.

Das sah auch das Gericht so. Der Beschuldigte habe dreist gehandelt, als er sich kurz nach einer Bewährungsstrafe ein neues Auto gekauft habe. „Diese Rückfallgeschwindigkeit ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen lässt“, sagte Richter Andreas Tangl. „Wir können nicht von einer positiven Prognose ausgehen.“

Für den Beschuldigten geht es um viel: Er war wegen früherer Fahrten bereits zu einer weiteren, achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Diese Bewährung könnte ebenfalls in Haft umgewandelt werden, falls die jetzige Entscheidung rechtskräftig wird. Sein Verteidiger behielt sich am Dienstag das Recht vor, in Revision zu gehen. Er sehe eine günstige Sozialprognose für seinen Mandanten, der in einer festen Partnerschaft lebe und ein geregeltes Arbeitsleben führe, sagte der Anwalt.

RND

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