Auch an der Cappenberger Straße stehen unzählige neue Tempo-30-Schilder teils in kurzen Abständen (siehe Hintergrund). © Landsiedel
Verkehr

Tempo 30 sorgt für Schilderwald: Was hat das die Stadt Lünen gekostet?

Auf sechs wichtigen Lüner Straßen gilt seit Kurzem streckenweise Tempo 30. Manche Autofahrer wundern sich über die Flut an neuen Schildern. Warum sind es so viele - und was hat das gekostet?

Der Unmut ist groß: Die neuen Tempo-30-Regelungen, die in Lünen seit dem 4. Oktober auf Teilabschnitten der Borker Straße, der Münsterstraße, der Bebelstraße, der Cappenberger Straße, der Viktoriastraße und der Königsheide gelten und dem Lärmschutz dienen sollen, nerven und frustrieren viele Autofahrer im ohnehin langsamen Berufsverkehr. Zudem fragt sich so mancher Bürger, warum gleich so viele Schilder aufgestellt wurden. Wie viele Schilder es sind, wie teuer die Maßnahme war und ab wann die Stadt gedenkt, auf den betroffenen Streckenabschnitten Tempokontrollen durchzuführen, verraten wir in unserem Fragen und Antworten.

Wie viele neue Tempo-30-Schilder wurden insgesamt aufgestellt?

130 neue Schilder hat die Stadt Lünen am 4. Oktober enthüllt. Die betroffenen Streckenabschnitte auf den sechs Straßen haben zusammengenommen eine Länge von zwölf Kilometern. Da logischerweise beide Fahrtrichtungen von den Tempo-30-Beschränkungen betroffen sind, mussten also insgesamt 24 Kilometer Wegstrecke beschildert werden. Das bedeutet: Bei 130 Schildern für 24 Kilometer steht im Durchschnitt rund alle 185 Meter ein neues Tempo-30-Schild.

Was hat die Installation der neuen Schilder insgesamt gekostet?

Die Kosten belaufen sich nach Angabe der Stadt Lünen auf insgesamt 34.094,14 Euro. Diese Summe umfasst sowohl die Anschaffung der Tempo-30-Schilder, der Schilder mit dem Hinweis „Lärmschutz“ sowie der Metall-Pfosten für die Schilder als auch die fachgerechte Installation an den betroffenen Straßenabschnitten. Somit ergeben sich umgerechnet pro Schild Kosten in Höhe von ungefähr 262 Euro.

Unter dem Tempo-30-Schild ist ein weiteres Schild mit dem Hinweis
Unter dem Tempo-30-Schild ist ein weiteres Schild mit dem Hinweis „Lärmschutz“ angebracht. © Landsiedel © Landsiedel

Wer trägt die Kosten für die 130 neuen Verkehrsschilder?

Die Kosten für die Anschaffung und Aufstellung der Verkehrszeichen trägt vollkommen die Stadt. Subventionen seitens der Europäischen Union gibt es nicht – wenngleich es die EU ist, die von jeder Kommune einen sogenannten Lärmaktionsplan fordert, in dessen Zuge nun auch die Verkehrsschilder in Lünen aufgestellt wurden.

Warum wurden die betroffenen Straßenabschnitte mit so zahlreichen Tempo-30-Schildern ausgestattet?

Steht an einer Straße – wie im vorliegenden Fall in Lünen – ein Schild, welches die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduziert, gilt diese Vorgabe ausschließlich für diese Strecke. Entsprechend gilt die Beschränkung meistens nur bis zur nächsten Kreuzung. Steht hier kein weiteres Tempo 30 Schild, gilt automatisch wieder die Regelgeschwindigkeit von 50 km/h.

Anders ist es in Tempo-30-Zonen. Hier beginnt der Bereich durch das Schild „30-Zone“ und endet erst dann, wenn an einem Schild vorbeigefahren wird, die das Ende der 30er-Zone markiert, unabhängig von Kreuzungen oder Ähnlichem.

Warum hat die Stadt Lünen dann nicht einfach Tempo-30-Zonen eingerichtet? Man hätte weniger Schilder und geringere Kosten gehabt…

Das hat rechtliche Gründe, wie die Stadt Lünen auf Nachfrage erläutert. Dass keine 30er-Begrenzung in diesen Bereichen eingerichtet wurde, hat rechtliche Gründe. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt, dass Hauptverkehrsstraßen keine 30er-Zonen sein können. Bei ihnen handelt es sich nämlich um ein leistungsfähiges übergeordnetes Verkehrsnetz, welches zu erhalten ist.

Dadurch ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen bei bestimmten Gründen angeordnet werden können. Diese bestimmten Gründe dienen unter anderem der Verkehrssicherheit (wenn z.B. Schulen oder Kindertagesstätten ansässig sind) oder eben – wie in diesem Fall – dem Lärmschutz.

Stimmt es, dass bestimmte Straßenabschnitte nun mit neuen Tempo-30-Schildern ausgestattet wurden, obwohl hier bereits vorher Tempo 30 galt?

Ja. In einigen Abschnitten waren bereits Tempo-30-Schilder angebracht – auf der Münsterstraße zum Beispiel ab dem Bahnhof bis zur Einmündung Barbarastraße oder im Bereich des Stadtgebiets Wethmar. Diese standen allerdings zum Teil mittig von zwei Straßenabschnitten und damit zu weit von den Straßeneinmündungen entfernt. Zudem waren einige Schilder altersbedingt zu ersetzen, teilte die Stadt Lünen mit.

Ab wann führt die Stadt Geschwindigkeitskontrollen auf den betroffenen Straßenabschnitten durch? Und werden dafür feste „Blitzer“ aufgestellt?

Nein, stationäre „Blitzer“ seien derzeit nicht vorgesehen, heißt es vonseiten der Verwaltung. Allerdings werde es bald Tempomessungen durch den mobilen Messwagen der Stadt Lünen geben. Die Stadt werde aber eine „Karenzzeit“ einhalten, damit die Verkehrsteilnehmer sich an die neue Regelung gewöhnen können. Derzeit geht die Fachabteilung davon aus, dass die Stadt Lünen nicht vor Ende der folgenden Woche (11. – 17. Oktober) „blitzen“ wird.

Doch Vorsicht: Das bedeute nicht, dass es bis dahin überhaupt keine Kontrollen gebe könne, betont die Stadt. Schließlich könne auch die Polizei Tempokontrollen durchführen. Und die hatte gegenüber dieser Redaktion schon zu Beginn der Woche erklärt, dass man generell keine Schonfrist für die Autofahrer einplane.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel

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