Angehörige äußern Kritik an dem Betreiber der Seniorenresidenz Osterfeld. © Böhlke (A)
Senioren in Lünen

Seniorenresidenz Osterfeld: Angehörige erheben Vorwürfe gegen Betreiber

Seit drei Jahren gehört die Residenz Osterfeld zu den Alloheim Senioren-Residenzen SE. Angehörige von Bewohnern erheben nun Vorwürfe gegen den Betreiber. Der weist die Kritik zurück.

Mehrere Jahre lang bis zu ihrem Tod im Oktober lebte die Mutter von Daniela Blome in der Residenz Osterfeld. Zunächst war die Pflegeeinrichtung von der Firma Senator geführt worden, zwei Jahre nach dem Einzug der alten Dame übernahm die Alloheim Senioren-Residenzen SE mit Sitz in Düsseldorf die Residenz. Seitdem, so Daniela Blome, gebe es mittlerweile die sechste Einrichtungsleitung plus einer längeren Vakanz. Immer wieder hat sie versucht, sich schriftlich an Alloheim zu wenden. „Ich habe zig Briefe geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen.“

Wir konfrontierten Alloheim mit mehreren Kritikpunkten der Lünerin und bekamen nach mehr als einer Woche Antwort von einer Sprecherin der Alloheim Senioren Residenzen SE. Darin heißt es zunächst u.a. „Ihren Aussagen ist zu entnehmen, dass Ihnen unzutreffende Behauptungen zugetragen worden sind. Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass eine Verbreitung falscher Tatsachenbehauptung von Dritten in Ihrer geplanten Berichterstattung nicht dadurch zulässig würde, dass Sie lediglich eine pauschale Zurückweisung durch Alloheim zitieren.“

Kritik an „wechselndem Personal“

Die Kritik von Daniela Blome und einem weiteren Angehörigen, der seinen Namen nicht hier lesen möchte, weil eine Angehörige in der Residenz lebt, richtet sich u.a. gegen die ihrer Meinung nach starke Fluktuation des Personals.

„Dieses ständig wechselnde Personal (mehrheitlich Hilfspflegekräfte) ist eine Zumutung für demente Menschen, die feste Bezugspersonen brauchen“, sagt Daniela Bome. Dazu sagt die Sprecherin von Alloheim: „Wir stellen fest: Häufige Wechsel in der Einrichtungsleitung gab es in der jüngeren Vergangenheit nicht. Unsere Einrichtungsleiterin in Lünen-Osterfeld ist bereits seit dem 01.01.2020 in der Einrichtung, also seit fast einem Jahr, im Amt. Etwaige gegenteilige Behauptungen sind falsch.“

Weiter schreibt die Sprecherin in ihrer Mail: Richtig sei, dass vereinzelt Mitarbeiter aufgrund der Neueröffnung einer weiteren örtlichen Pflegeeinrichtung eines anderen Anbieters im Frühjahr gewechselt hätten. Umso mehr freue es Alloheim aber, dass in der Zwischenzeit einige dieser Mitarbeiter ihr Interesse an einer Rückkehr bekundet hätten bzw. schon wieder zu uns zurückgekehrt seien. Kurzfristige Engpässe, z.B. durch Krankheit, würden durch interne Vertretungen zwischen den Wohnbereichen ausgeglichen oder man greife – falls das nicht ausreicht – auf qualifizierte Zeitarbeitskräfte zurück. Damit stelle Alloheim „zu jeder Zeit eine hochwertige Pflege- und Betreuungsqualität sicher.“

Dem anderen Lüner Angehörigen (Name der Red. bekannt) ist nicht bekannt, dass beispielsweise im Wohnbereich I Pflegekräfte zurückgekommen seien, er beobachte bei seinen Besuchen immer nur neue Pflegekräfte dort.

„Kekse aus der Billigpackung“

Ein weiterer Kritikpunkt von Angehörigen ist die Verpflegung der Bewohner. So sagt Daniela Blome: „Zum Nachmittagskaffee gab es sehr häufig abgezählte Kekse aus einer dieser Billigpackungen auf jeden Teller – oder trockenen Kuchen aus ebensolcher Billigfertigung.“ Die Sprecherin von Alloheim weist „die in Ihrer Frage enthaltene pauschale Unterstellung, dass an der Verpflegung „häufig“ „sehr gespart“ würde sowie die Verpflegung „absolut eintönig und einfallslos“ sei, entschieden zurück.“

Weiter heißt es in ihrer Antwort: „In unserer Einrichtung wird jeden Tag frisch und vitaminreich für unsere Bewohner gekocht. Unser qualifiziertes Küchenpersonal hat die Möglichkeit aus über 1300 Rezepten auszuwählen. Die gesunden und leckeren Gerichte des Wochenplans stimmt der Küchenchef zudem mit dem Heimbeirat ab, so dass auch immer individuelle Wünsche der Bewohner berücksichtigt werden. Entsprechend werden also die Angebote zu allen Mahlzeiten im Vorfeld mit dem Beirat abgesprochen und das abwechslungsreiche Angebot ist über die Speisepläne nachvollziehbar. Sollte einmal etwas nicht in Ordnung sein, spricht der Heimbeirat dies offen an, und gemeinsam wird mit dem Küchenteam eine Lösung gefunden. Hinzu kommt, dass eine Mitarbeiterin unseres Küchenteams regelmäßig den Kuchen für die Einrichtung selbst backt.“

„Schatzilein oder meine Prinzessin genannt“

Empört hat Daniela Blome auch, dass ihre Mutter, die in ihrem Leben nie jemanden außerhalb der eigenen Familie geduzt habe, von Mitarbeitern mit Du, „Schatzilein“ oder „meine Prinzessin“ angesprochen worden sei. „Meine Mutter war Opernsängerin, ihr waren respektvolle Umgangsformen immer sehr wichtig. Der Umgang mit meiner Mutter ließ weder Respekt noch Würde erkennen.“ Dazu die Sprecherin von Alloheim: „Die Vorwürfe erfüllen nicht die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Konfrontation. Sie sind zu pauschal, um sie konkret überprüfen und beantworten zu können. “

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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