Lokführer David Ströcker an seinem Arbeitsplatz. Seine Lieblingsstrecke ist die RB50. © Eurobahn
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RB50-Lokführer: „Ich fühle bei Verspätungen mit den Fahrgästen“

David Ströcker (35) ist Lokführer bei Keolis. Seine Lieblingsstrecke ist die RB50 - auch, wenn er sich über Wartezeiten am Werner Bahnhof ärgert. Uns erzählte er, warum er seinen Job liebt.

Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich zwischen den Bäumen hindurch, die Vögel zwitschern. Die Schienen winden sich durch die verschlafene Landschaft – ein Anblick, an dem sich David Ströcker nicht sattsehen kann, obwohl er die Strecke kennt wie seine Westentasche. Der Lokführer hat sich in die Strecke der RB 50 verliebt – idyllischer könnte sein Arbeitsplatz kaum sein. „In den Sonnenaufgang zu fahren ist der Traum eines jeden Lokführers“, findet Ströcker.

Wenn der Lokführer seinen Dienst antritt, gehen Nachtschwärmer gerade ins Bett: Um 3.45 Uhr beginnt die Frühschicht. Bevor Ströcker losfahren und die ersten Berufspendler transportieren darf, muss er einen ausgiebigen Sicherheitscheck an seinem Fahrzeug durchführen, im Fachjargon die V1. Sind Bremsen, Türen, Sicherheitsfahrschaltung, Makrofon und co. kontrolliert, meldet Ströcker sich beim Weichenwärter und kann los zum Bahnsteig fahren.

Im Fernverkehr blieb das Privatleben auf der Strecke

„Ich fühle mit den Fahrgästen, wenn wir uns verspäten. Ich tue mein Möglichstes, um die Anschlusszüge zu erreichen. Auf der Linie kommt es regelmäßig zu Verspätungen, weil wir den Fernverkehr vorbei lassen müssen“, sagt Ströcker und fügt hinzu: „Ein zweites Gleis in Werne würde die Situation entspannen, dann könnten wir auch pünktlicher ankommen. Bis Werne sind wir immer gut im Zeitplan, aber wenn der Fernverkehr verspätet ist, müssen wir auch warten, bis der vorbei ist.“

Keine Buckelpiste mehr zwischen Lünen und Davensberg

Die monatelangen Bauarbeiten am Bahndamm haben sich indes gelohnt, findet der Lokführer: „Vorher war es eine richtige Buckelpiste. Da wurde man ordentlich durchgeschüttelt. Jetzt kann man ganz entspannt fahren.“ Während die Strecke saniert wurde, waren die Lokführer trotzdem im Dienst – dann eben auf den Teilstücken. „Die Dortmunder Kollegen mussten dann zur Schicht im Münsteraner Teil mit dem Schienenersatzverkehr fahren. Aber das klappte ganz gut“, berichtet Ströcker. Für die Lokführer bedeutete das, auf den Teilstrecken pro Schicht zehnmal hin und her zu fahren. Im Normalbetrieb dauert eine Fahrt von Dortmund nach Münster 47 Minuten.

An seinem Job schätzt Ströcker vor allem den Kundenkontakt: „Die Berufspendler kenne ich morgens inzwischen persönlich. Am Bahnhof kann man etwas plauschen und den Fahrgästen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Güterverkehr wäre für mich deshalb gar nichts – da ist man ganz alleine.“ Aufgrund der Corona-Situation sind die Züge etwas leerer als gewohnt. „Das ist einerseits gut so, aber ich vermisse die Fahrgäste auch. Für die mache ich den Job ja. Dann ist es schade, wenn sie nicht da sind“, sagt Ströcker.

Lokführer muss alle 30 Sekunden bestätigen, dass er noch da ist

Es sind die kleinen Dinge im Arbeitsalltag, die dem Lokführer den Tag versüßen: „Neulich kam ein kleiner Junge vorne zu mir ans Fenster, der hatte Geburtstag und war überglücklich darüber, mal hereinschauen zu dürfen. Da freut man sich richtig mit.“ Das Geburtstagskind war ganz erstaunt, dass es im Zug gar kein Lenkrad mehr gibt.

Stattdessen bedient Ströcker einen Fahr- und einen Bremsschalter und ganz wichtig, die Sicherheitsfahrschaltung (kurz Sifa). Alle 30 Sekunden muss der Lokführer einen Knopf drücken um zu melden, dass er noch da und zurechnungsfähig ist. Vergisst er das, wird er nach zwei Sekunden per Sprachausgabe aufgefordert, die Sifa zu betätigen. Reagiert er dann nicht innerhalb von zwei Sekunden, wird der Zug notgebremst. „Wenn der Lokführer beispielsweise ohnmächtig wird, kann der Zug nicht kilometerweit führerlos durch die Landschaft fahren“, erklärt Ströcker.

Keine Toilettenpausen während der Fahrt

Die Pflicht, die Sifa zu betätigen, bedeutet also auch: Während der Fahrt darf der Lokführer nicht auf die Toilette. Auch essen und trinken sorgt für Ablenkung. „Im Nahverkehr gibt es aber viele Zwischenhalte, da ist das kein Problem. Im Fernverkehr ist das schwieriger, da hat man nicht so viele Pausen.“ Die längste Strecke, die Ströcker aktuell fährt, ist eine Stunde und 45 Minuten lang. „Da kann man in Ruhe durchschnaufen“, sagt er.

„Als ich die Ausbildung begonnen habe, habe ich auch noch unterschätzt, was man alles wissen muss. Da gehört auch viel technisches Wissen dazu“, sagt Ströcker. Als kleiner Junge hat sich David Ströcker noch gar nicht für Züge interessiert – nun jedoch kann er sich nichts Schöneres vorstellen, als mit seinen Fahrgästen in den Sonnenaufgang zu fahren.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig
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