Schon längst fertig sein sollte eigentlich der Neubau der Kita Kleiner Kreisel an der Rudolph-Nagell-Straße. Durch Baupannen und Schimmel wird die Fertigstellung verzögert - was auch Probleme bei der Planung von Kita-Plätzen mit sich bringt. © Goldstein
Jugendhilfeausschuss

Politik in Lünen drückt bei fehlenden Kita-Plätzen auf die Tube

In Lünen fehlen Kita-Plätze. Der Jugendhilfeausschuss brachte deshalb einen Antrag auf den Weg, der die Verwaltung zu schnellem Handeln auffordert. Dabei soll Geld nicht die Hauptrolle spielen.

Im August 2020 waren es noch mehr als 600, jetzt sind es „nur“ noch 529: Die Zahl der fehlenden Kita-Plätze ist in Lünen zwar gesunken, aber immer noch sehr hoch – zu hoch, finden nicht nur die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Sie verabschiedeten deshalb einen Antrag von SPD und CDU, der die Verwaltung beauftragt, alle fehlenden 529 Kita-Plätze einzurichten: „Die Bedarfsdeckung bei der Kindertagesbetreuung soll zeitnah erreicht werden, um eine ausreichend dauerhafte Versorgung in Lünen zu gewährleisten.“

Allerdings kosten neue Kitas Geld – selbst wenn die Stadt nicht baut, sondern auf Investoren zurückgreift, wie es zum Beispiel bei einer neuen viergruppigen Einrichtung in Horstmar geplant ist. Wie die beiden Fraktionen der Großen Kooperation erklären, habe die Fachverwaltung dafür 560.000 Euro in 2022 sowie 2,2 Millionen Euro bis 2024 geschätzt, die dann jährlich anfallen würden. Die verbindlichen Kosten müssten noch nachgearbeitet und in die Haushalte ab 2022 eingearbeitet werden.

Politik ermöglicht „Komplettfreigabe“ für Kita-Bauten

Denn auch das ist Teil des beschlossenen Antrags: Die notwendigen finanziellen Mittel werden der Verwaltung zur Verfügung gestellt. Damit steht unterm Strich nun eine „Komplettfreigabe“, wie es Ausschussvorsitzender Detlef Seiler in der Sitzung am Dienstagabend (2. März) formulierte: „Kitas können gebaut werden, ohne dass man auf den Haushalt achten muss.“ Gleichwohl sei es selbstverständlich, dass man den Bau so günstig wie möglich gestalte. „Aber wir haben erstmal keine Beschränkungen.“

Dass die Kitas nötig sind, verdeutlichte ein Blick auf die Fortschreibung der Bedarfsplanung. Tatsächlich wären Stand jetzt im kommenden Kita-Jahr 41,9 Prozent der Kinder unter drei Jahren mit einem Kita-Platz versorgt, was zwar mehr ist als die vom Rat eigentlich festgelegte Quote von 40 Prozent. Die Auswertung der Warteliste habe jedoch gezeigt, dass der Bedarf deutlich über 40 Prozent liegt. Gemessen am Bedarf des Kitajahrs 2020/21 fehlen für das kommende Kita-Jahr 109 Plätze im U3-Bereich sowie 105 Plätze im Ü3-Bereich, um die jeweiligen Betreuungsquoten von 46,6 (U3) beziehungsweise 98 (Ü3) Prozent zu erreichen.

Bleibt der Bedarf gleich, müssten auch im Kitajahr 2022/23 elf weitere Plätze im U3-Bereich geschaffen werden, um die aktuelle Betreuungsquote zu erreichen.

Auch hier geht die Verwaltung jedoch davon aus, dass die Nachfrage eher weiter steigen wird.

Immerhin: 2022/23 sollen alle Lüner Kinder über drei Jahre einen Kita-Platz bekommen können – hier rechnet die Verwaltung sogar mit Überkapazitäten in den Versorgungsbereichen Nord und Süd, die dann für fehlende Plätze in den Bereichen Mitte und Brambauer genutzt werden könnten.

Alternativ sollte die Nutzung der Übergangslösungen, wie Container oder Altbauten, entsprechend angepasst werden: „So könnten Container

oder Zusatzgruppen aufgegeben werden oder Gruppenstrukturen so verändert werden, dass mehr U3-anstatt Ü3-Plätze zur Verfügung stehen könnten.“

Sechs Neubauten noch nicht berücksichtigt

Fest steht schon jetzt, dass ein Teil der Kita-Plätze, die bis 2023 zur Verfügung stehen, nur durch solche Übergangslösungen zu erreichen sein wird, die allerdings zeitlich befristet wären. Somit sind Erweiterungen und Neubauten zwingend erforderlich. Bereits im Haushalt ab 2021 berücksichtigt sind die Kita-Neubauten Dammwiese, Schulstraße und Alter Kirchweg. Die letzten beiden nutzen nach dem Umzug in den Neubau die alten Gebäude weiter, außerdem wird die DRK-Kita am Otto-Klug-Weg erweitert. Ebenfalls bereits berücksichtigt ist der Neubau der Kita im Geistviertel ab 2022. Hinzu kommen die bisher finanziell nicht berücksichtigten Neubauten Sedanstraße, Brambauer (Neubau sowie neue Nebengruppe), Lünen-Nord, Preußenstraße, Dorfstraße.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen
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