Die Entscheidungen des Ministeriums bedeuten viel Aufwand und Stress - für Kitaträger, die Kitas selbst und die Eltern. © picture alliance / dpa
Kitas und Corona

Pandemiebetrieb in Kitas: „Für die Eltern ist das Druck von zwei Seiten“

Kindertagesstätten bleiben weiterhin geöffnet. Dazu hat das Land NRW am Donnerstagnachmittag (7.1.) Beschlüsse an die Einrichtungen weitergegeben. Das sorgt bei den Kita-Trägern für Verdruss.

Der Entscheid, den Lockdown bis zum 31. Januar zu verlängern, fiel am Dienstag (05.01.). Das hat auch Auswirkungen auf die Kindertagesstätten. Doch konkrete Informationen lieferte das Ministerium erst am Donnerstagnachmittag (7.1.).

Nun ist es an den Kita-Trägern, sich in kürzester Zeit neu zu organisieren – was zwangsläufig auch Auswirkungen auf Eltern und deren Arbeitgeber hat.

Laut aktueller Corona-Betreuungsverordnung werden die Betreuungszeiten um zehn Stunden eingeschränkt, die Kinder bleiben in festen Gruppen. Allerdings können die Einrichtungen frei entscheiden, ob sie die Stunden reduzieren wollen oder nicht.

Zudem sollen Geschwisterkinder in eine Gruppe kommen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Es gilt zudem der Appell: Wer die Möglichkeit hat, sollte seine Kinder zuhause betreuen. Eltern können sich jedoch Betreuungsbedarf vom Arbeitgeber bescheinigen zu lassen.

Hoher organisatorischer Aufwand für die Trägerschaften und Kitas

Für die Trägerschaften der Kitas bedeutet das einen hohen organisatorischen Aufwand. „Wir haben jetzt erst einmal die Bedarfsabfrage unter den Eltern gestartet“, sagt Jutta Beese, Verbundleitung der Kindertageseinrichtungen in der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Lünen.

Den Eltern biete man drei Zeit-Blöcke, aus denen sie buchen können, wann die Betreuung benötigt wird. Vereinzelt gebe es bereits Rückmeldungen, doch Beese rechnet mit weiteren Informationen erst in der kommenden Woche.

Auch die Stadt Lünen muss die Beschlüsse als Kita-Träger umsetzen. „Die Eltern werden derzeit über die neuen Regelungen von den städtischen Kitas informiert. Rückmeldungen haben wir daher noch nicht“, sagt Pressesprecher Alexander Dziedeck am Freitag (08.01.).

Anders sieht es bei der AWO als weiteren Kita-Träger aus: „Es gibt schon hin und wieder Unsicherheiten und teilweise auch Unzufriedenheit, weil die Situation insbesondere für berufstätige Eltern doch eine große Herausforderung ist“, sagt Pressebeauftragter Stefan Kuster. Es werde bei einigen Eltern aufgrund des andauernden Pandemie-Zustandes Engpässe in der Betreuung geben.

Ähnliches berichtet auch Jochen Schade-Homann, Fachbereichsleiter für die Kindertageseinrichtungen der Evangelischen Kirche in Dortmund, die Träger mehrerer Kitas in Lünen ist. „Wir haben drei große Fragen, die uns beschäftigen: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen von ihrer eigenen Elternschaft Gebrauch und möchten zuhause bleiben. Wie reagieren die Eltern auf die Bitte, ihre Kinder zuhause zu betreuen? Und was ist mit dem Kinderkrankenschein?“

Ärger über mangelnde Kommunikation mit den Trägern

Schade-Homann ist zudem verärgert über die mangelnde Kommunikation mit den Einrichtungsträgern. „Belastbare Äußerungen des Ministeriums kamen erst am Donnerstag gegen 17 Uhr.“ Die Organisation müsse noch am Freitag (08.01.) geschehen und sei eine enorme Herausforderung – „aber man kennt es ja schon. Das setzt sich dann weiter fort – auch für die Eltern ist das stressig, man lässt sie und die Einrichtungen im Regen stehen.“

Noch gebe es keine klaren Regelungen, wie die Eltern über die zehn zusätzlichen Tage, die der Kinderkrankenschein ihnen gewährt, verfügen können. „Eigentlich kann man das auch auf einen Elternteil übertragen, aber wie sieht es in dieser Situation aus? Die Bundesverordnung dazu wird sicher erst zu spät kommen“, so Schade-Homann. Zumal die Frage nach dem Kinderkrankenschein auch ein Gespräch mit dem Arbeitgeber nach sich ziehe, die davon nicht zwingend begeistert seien.

„Für die Eltern ist das Druck von zwei Seiten: Einmal von den Arbeitgebern, aber auch vom Ministerium, die Kinder möglichst zuhause zu betreuen.“ Darauf erlebe Schade-Homann sehr unterschiedliche Eltern-Reaktionen. Belastbare Erfahrungen werde man aber wohl erst in der kommenden Woche haben.

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Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
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