Patricia und Mark Steiner auf ihrem kleinen Balkon in Lünen. Sie würden gerne ein eigenes Haus mit Garten haben, aber dafür finden sie kein Grundstück. © Sylvia vom Hofe
Hausbau

Paar aus Lünen sucht Baugrundstück: „Das ist zum Verzweifeln“

Verlieben, zusammenziehen, Zukunft planen. Dazu gehört für Mark und Patricia Steiner auch der Hausbau. Doch die Lüner finden seit eineinhalb Jahren kein Grundstück - trotz einer findigen Idee.

Das Foto im Briefkasten zeigt ein verliebtes junges Paar vor einer rot geklinkerten Hauswand. Beide lächeln. Sie lehnt sich an seine Schulter. Ein schönes Bild. Aber es hat einen Fehler: Das Haus ist nur Kulisse. Patricia Steiner (26) und ihr Mann Mark wohnen nach wie vor in einer knapp 60 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung an der B 54 kurz vorm Lüner Ortsausgang in Richtung Werne. Dabei wollten sie längst Ihren Traum von den eigenen vier Wänden verwirklicht haben – in Lünen oder anderswo. Doch das ist ein echtes Problem. Deshalb auch der Brief.

„Wir sind die Familie Steiner – noch ohne Kinder. Aber das soll sich bald ändern. So sind wir auf der Suche nach einem Grundstück – mit oder ohne Haus“, beginnt das Schreiben, das sie Menschen in den Briefkasten gesteckt haben, die sie persönlich gar nicht kennen. Aber sie wissen, wo sie wohnen. Und dass es ihnen da auch gefallen könnte. „Wenn Sie ein Grundstück oder eine Immobilie besitzen und vorhaben, es zu verkaufen“, heißt es weiter, „wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie sich bei uns melden würden.“ Im Fall, dass der unbekannte Adressat jemanden kennt, der verkaufen will, ebenfalls. Mund-zu-Mund-Propaganda per Brief – eine Verzweiflungstat. Die Steiners wollen nichts unversucht lassen.

Neubaugebiete in Lünen sind erst noch in Planung

Dabei haben sie neben dem täglichen Studium von Immo-Anzeigen und Kaufofferten schon viel gemacht: „Ich habe alle Städte im Umkreis angeschrieben und nach Bauland gefragt.“ Nur wenige haben geantwortet. Dass in Lünen Bauland Mangelware ist, braucht Mark Steiner auch nicht schriftlich zu bekommen. Das weiß der gebürtige Brambaueraner längst. Erst vor zwei Monaten hatte die Stadt angekündigt, nach einem zusammenhängenden Neubaugebiet in Brambauer suchen zu wollen, damit junge Leute nicht wegziehen müssten. So wie die Steiners. Bis diese Suche abgeschlossen und die Fläche – wo auch immer – erschlossen sein wird, wollen die Zwei nicht warten. Das wird noch Jahre dauern: Zeit, die die beiden nicht haben.

Diesen Brief haben die Steiners Menschen in Briefkästen geworfen, von denen sie sich Hinweise auf Grundstücke erhoffen. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

„Wir suchen schon seit eineinhalb Jahren“, sagt Mark Steiner, der als Key-Account-Manager arbeitet. Patricia (26) ist Stationsleiterin im Marien-Krankenhaus. Mit Menschen kommen beide viel zusammen, beruflich wie privat. Daher wissen sie. Ihnen geht es nicht schlechter als anderen.

Die durchschnittlichen Preise für Bauland klettern landesweit seit Jahren. Wenn sich dann noch das Angebot verknappt wie derzeit in Lünen und Umgebung, umso mehr. Der Durchschnittspreis für eine Wohnbaufläche im Kreis Unna (die Städte Lünen und Unna werden da nicht mitgezählt) hat laut aktuellem Grundstücksmarktbericht im Jahr 2020 254 Euro pro Quadratmeter betragen. Ein Jahr zuvor waren es noch 184 Euro: ein Anstieg von fast einem Drittel.

In Schwerte sind die Grundstücke am teuersten

Spitzenreiter unter den Kommunen ist Schwerte (2020: 350 Euro pro Quadratmeter, 2019: 240 Euro). Am günstigsten ist es in Fröndenberg (174 Euro/134 Euro). In Lünen werden laut städtischem Grundstücksmarktbericht 2021 je nach Lage zwischen 185 und 300 Euro für baureife Grundstücke aufgerufen, auf denen freistehende Häuser errichtet werden können: der Traum der Steiners. Am liebsten hätten sie 500 Quadratmeter mit viel Grün. Gärtnern ist ihre Leidenschaft. Bislang sprießt und blüht es aber nur auf dem winzigen Balkon im dritten Stock.

Freunde des Paars sind ebenfalls seit geraumer Zeit erfolglos auf der Suche nach einem Bauplatz. Sie haben inzwischen einen Makler beauftragt. „Aber das hat auch noch nicht geholfen.“ Am Ende gebe es meistens Bieterverfahren. Wie bei einer Auktion sind dabei Gebote abzugeben, in der Regel ohne einen im Vorfeld festgelegten Mindestpreis. Durch die fast immer große Anzahl an Bietern entsteht eine Wettbewerbssituation, die zu einem rasanten Anstieg des Kaufpreises weit über den ohnehin schon hohen Richtwert führt. „Einfach exorbitant“, sagt Patricia Steiner aus eigener leidvoller Erfahrung.

Fertiger Architektenentwurf liegt schon auf dem Tisch

In der kleinen Mietwohnung bleiben oder in eine größere Wohnung ziehen? Vor dieser Frage stehen Patricia und Mark Steiner gerade. Ein Umzug würde bedeuten, dass sie von ihren beiden Einkommen weniger auf die hohe Kante legen könnten. Vielleicht also eine Eigentumswohnung kaufen? Die ließe sich später, wenn endlich ein Baugrundstück da wäre für sie, vielleicht mit Gewinn wieder verkaufen. Das Problem: „Die Wohnungen, die gerade gebaut werden, kosten um die 400.000 Euro“ - fast so viel wie ein Haus. Die beiden warten lieber weiter - mit der bösen Ahnung, dass die Baupreise derweil weiter steigen, genauso wie ihr Frust, dem eigenen Lebensentwurf gerade hinterher zu jagen.

Bei der Verlosung von Baugrundstücken in Castrop-Rauxel, nahe der Autobahn, wurde ihr Los nicht gezogen. Bei der Vergabe von Bauplätzen in Nordkirchen standen sie viel zu weit hinten auf der Warteliste. Und auch aus der Eigeninitiative mit dem freundlichen Brief mitsamt Foto gibt es bislang keine Resonanz. „Wir würden wirklich gerne hier in der Region bleiben“, im Umkreis von einer halben Stunde Autofahrt. Doch langsam wird es eng. Dabei haben die Zwei schon vorgearbeitet. Gemeinsam mit einem Architekten haben sie bereits ihr Traumhaus entworfen. Die Pläne liegen auf dem Tisch - in der kleinen Wohnung im dritten Stock.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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