Der Angeklagte aus Lünen verfolgte die Zeugenaussage regungslos. © Martin von Braunschweig
Landgericht

Missbrauch auf Parkplatz: Vater des Jungen erzürnt den Richter

Im Prozess gegen einen Mann aus Lünen, der auf einem Autobahnparkplatz in Castrop-Rauxel ein Kind missbraucht haben soll, sagt der Vater des Jungen aus. Der Richter findet deutliche Worte.

Im März 2019 soll der Angeklagte aus Lünen mit seinem Auto über die A42 nach Castrop-Rauxel gefahren sein. Auf dem Parkplatz „Holthauser Bruch“ hielt er schließlich an. Sein Ziel war es, homosexuelle Kontakte zu knüpfen.

Im Toilettenhäuschen traf er schließlich auf einen Vater und seinen elfjährigen Jungen. Zu Prozessbeginn schilderte der Angeklagte die anschließende Szene so: Er habe eigentlich nicht gewollt, dass das Kind dabei war, sich aber letztendlich überreden lassen. Es sei aber klar abgesprochen gewesen, dass sich der Junge umdrehen und nicht aktiv werden sollte.

Angeklagter: „War entsetzt“

Schließlich sei der Junge dann aber doch von sich aus auf ihn zugegangen, so der Lüner. „Ich war entsetzt und bin dann sofort rausgelaufen“, sagte er den Richtern.

Am Donnerstag fragten diese nun den Vater des Jungen nach seiner Version der Geschichte. Und tatsächlich schilderte auch der Zeuge den Vorfall so, als wäre der Elfjährige die treibende Kraft hinter dem Missbrauch gewesen.

„Als wir noch zu Hause waren, hat er mir gesagt, dass er gerne einmal homosexuelle Erfahrungen machen würde“, sagte der Zeuge. Daraufhin sei er mit dem Kind auf den Parkplatz gefahren, weil er wusste, dass sich dort leicht einschlägige Kontakte knüpfen ließen.

Idee kam angeblich vom Kind

„Ich bin dann zunächst alleine in die Toilette gegangen und habe dort den Angeklagten getroffen“, so der Zeuge weiter. Den habe er dann gefragt, ob er vielleicht den Jungen dazu holen solle. „Und weil er weder ja noch nein gesagt hat, bin ich raus zu meinem Sohn gegangen“, so der Zeuge.

Dann will er das Kind gefragt haben: „Möchtest du jetzt das ausprobieren, von dem du mir erzählt hast?“ Der Junge habe genickt, sei mit in die Toilettenkabine gegangen und habe dann sofort sexuelle Handlungen an dem noch immer mit heruntergelassener Hose wartenden Lüner vorgenommen.

Richter unterbricht den Zeugen

Der Vorsitzende Richter Ulf Pennig musste den Redeschwall des Zeugen immer wieder unterbrechen, weil er offensichtlich fast nicht glauben konnte, was er da hörte. „Können sie mir einen Grund sagen, warum ein Elfjähriger solche Wünsche äußern sollte“, sagte er unwirsch. Eine Antwort bekam er nicht.

Schließlich machte der Richter dem Vater des Kindes eine klare Ansage. „Im Moment spricht viel dafür, dass wir ihren Sohn in diesem Prozess als Zeugen hören müssen“, so Pennig. „Wir werden ihn fragen, wie alles abgelaufen ist. Und wenn er sagt, dass es nicht so war, wie sie es uns hier schildern, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass gegen sie ein Verfahren wegen Falschaussage eingeleitet wird.“

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