Im Rat der Stadt Lünen werden künftig 56 statt wie bisher 54 Abgeordnete sitzen. © Fröhling (A)
Mit Fotostrecke

Mehr Frauen, mehr Abgeordnete, neue Partei: Das ist der neue Stadtrat in Lünen

Der neue Lüner Stadtrat ist gewachsen: Statt 54 sitzen künftig 56 Abgeordnete im Saal. Eine Partei ist dazu gekommen, außerdem gibt es mehr Frauen. Wir stellen den neuen Rat vor.

Das Wahlsystem ist kompliziert – so kompliziert, dass der Lüner Stadtrat mit zehn Abgeordneten mehr als geplant in die neue Legislaturperiode geht. Nach dem Ende der Auszählung war klar, dass die SPD durch Direktmandate mehr Sitze im Rat bekommt, als ihr normalerweise aufgrund des Wahlergebnisses zustehen.

Die Direktmandate behalten die Sozialdemokraten natürlich – die anderen Parteien bekommen im Gegenzug sogenannte Ausgleichsmandate zugesprochen, damit das Verhältnis dem Wahlergebnis angepasst bleibt. Somit wächst der Lüner Stadtrat von 46 auf 56 Mandate.

Von den 56 Sitzen belegt die SPD 19. Zweitstärkste Fraktion wird die CDU mit zwölf Sitzen sein. Die Wählergemeinschaft GFL und die Grünen bekommen je acht Sitze, die FDP und die Linke jeweils zwei. Neu dabei ist die AfD, die mit vier Sitzen vertreten sein wird. Verschwunden ist die UWG, die 2014 offiziell noch im damals neuen Rat vertreten war, sich im Sommer gleichen Jahres aber schon in Freie Wähler umbenannte und eine Fraktionsgemeinschaft mit den Piraten einging. Letztere sind nun nicht mehr vertreten, folglich sitzt Gabriele zum Buttel „nur“ noch alleine für die Freien Wähler im neuen Rat.

Eine Stimme im obersten Gremium fehlt noch – nämlich die des Bürgermeisters. Der muss bekanntlich in zwei Wochen erst noch gewählt werden. Die Lüner Wählerinnen und Wähler entscheiden am 27. September, ob Rainer Schmeltzer (SPD) oder Jürgen Kleine-Frauns, der als parteiloser Kandidat antritt, aber GfL-Mitglied ist, künftig die Lüner Verwaltung leiten.

Fotostrecke

Der neue Lüner Stadtrat 2020

Mehr weibliche Abgeordnete

Von den 56 Abgeordneten sind 16 weiblich – fünf mehr als noch im alten ursprünglich gewählten Rat. Das neue Gremium ist zwar nach wie vor von Männern dominiert. Jedoch konnten die Frauen ihren Anteil gegenüber dem Ergebnis von 2014 von 20,4 auf 28,6 Prozent erhöhen.

Absolut gesehen stellt die SPD mit fünf weiblichen Abgeordneten die meisten Frauen in einer Fraktion. Im Verhältnis zur Gesamtgröße liegen die Sozialdemokraten mit einem Frauenanteil von 26,3 Prozent allerdings auf Rang 3, hinter den Linken und den Grünen, deren Fraktionen beide je zur Hälfte aus Männern und Frauen bestehen. Bei den Grünen sind es vier weibliche Abgeordnete, bei den Linken ist es eine.

Schon 2014 konnten sowohl Linke als auch Grüne einen Frauenanteil von 50 Prozent vorweisen, die SPD lag damals noch bei „nur“ 22,7 Prozent. Das war immer noch deutlich mehr als bei der GfL, wo keine einzige Frau in der Fraktion vertreten war. Deshalb hatte die Wählergemeinschaft für die neue Legislaturperiode unter anderem das Ziel ausgegeben, weiblicher zu werden. Mit Erfolg: Sechs Männer und zwei Frauen bedeuten nun 25 Prozent Frauenanteil. Dafür verzichtet nun die FDP auf weibliche Abgeordnete, sie schickt zwei Männer in den Rat – 2014 waren es noch ein Mann und eine Frau gewesen.

Die CDU hat ihren Frauenanteil verdoppelt – von 8,3 auf 16,7 Prozent. In absoluten Zahlen sieht das nicht ganz so optimistisch aus: Statt einer sitzen nun zwei Frauen in der Fraktion. Die AfD stellt ein weibliches Ratsmitglied, was einen Frauenanteil von 25 Prozent bedeutet.

Neue Wahlperiode beginnt am 1. November

Die konstituierende Sitzung des neuen Rates ist für den 5. November geplant. Wo sich das Gremium dann trifft, ist aufgrund der Corona-Pandemie noch unklar. „Die Verwaltung prüft derzeit mögliche alternative Standorte“, teilt das Pressebüro der Stadt Lünen mit.

Die neue Legislaturperiode – und damit auch die Amtszeit des neuen (oder alten) Bürgermeisters – beginnt übrigens am 1. November. Zuvor trifft sich am 8. Oktober noch einmal der alte Rat. Auch die Ausschüsse kommen noch einmal in der laufenden Legislaturperiode zusammen.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass sich die UWG 2014 aufgelöst hatte. Das ist nicht korrekt: Die UWG in Lünen hat sich damals in Freie Wähler umbenannt.

Thomas Latussek übernimmt Mandat

Im Wahlbezirk 604 stand mit Uwe Walter ein SPD-Kandidat auf dem Wahlzettel, der am 6. August gestorben ist. Rein rechtlich war eine Änderung des Zettels nicht mehr möglich. Folglich taucht Uwe Walter nun auch in den offiziellen Ergebnislisten als Mandatsträger auf, denn er hat die meisten Stimmen in diesem Wahlbezirk erhalten.

Die SPD hatte bereits nach Uwe Walters Tod erklärt, dass sein Stellvertreter Thomas Latussek das Mandat übernehmen wird.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
Zur Autorenseite
Daniel Claeßen

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.