In NRW sollen die Schulen geöffnet bleiben. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Lüner Schulleiter vor Schulstart: „Genauso schlau wie vor einem Jahr“

Das zweite Corona-Schuljahr steht an. Reinhold Bauhus, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen, vermisst vor dem Start detaillierte Regeln. Er sieht zu viele Fragen unbeantwortet.

Bereits vor dem Beginn der Sommerferien stellte Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) klar: „Wir starten ins Schuljahr 2021/22 grundsätzlich so, wie wir das aktuelle Schuljahr nächste Woche verabschieden werden: mit voller Präsenz unter Beibehaltung der strengen Vorgaben für die Hygiene und den Infektionsschutz.“

Mehr als sechs Wochen sind seitdem vergangen. Während dieser Zeit hat sich viel verändert – zumindest in Bezug auf den Verlauf der Corona-Pandemie. Waren die Infektionszahlen am letzten Schultag noch niedrig, ist vor Beginn des neuen Schuljahres eine deutlicher Anstieg zu beobachten. Am 2. Juli lag die landesweite Inzidenz bei 5,6. Bis Mittwoch (11.8.) stieg die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen auf 37.

Ungewissheit startet mit ins neue Schuljahr

Damit wächst die Sorge vor einer vierten Corona-Welle. Gleichzeitig kehrt die Ungewissheit zurück, ob Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonal und Eltern erneut ein Schuljahr erleben, das vom Wechsel zwischen Distanz-, Welchsel- und Präsenzunterricht geprägt war.

Die Schulen in Lünen versuchen sich derweil in der letzten Ferienwoche auf das Kommende vorzubereiten – soweit das möglich ist. Einen öffentlich einsehbaren Leitfaden erhielten die Schulleiterinnen und -Schulleiter zwei Wochen vor Schulstart vom Bildungsministerium des Landes.

Die wichtigsten Regeln daraus in Kürze:

  • Der Unterricht findet in Präsenz statt. Das Tragen einer medizinischen Maske ist Pflicht. Es gelten weiterhin Hygienemaßnahmen.
  • Die wöchentlichen Corona-Tests werden fortgeführt (Lolli-Tests bei Grund- und Förderschulen, Antigen-Selbsttests bei weiterführenden Schulen). Der Testzyklus bleibt erhalten (erster Test am ersten Schultag). Ausgenommen sind vollständig geimpfte und genesene Personen.
  • Erstklässler werden in der ersten vollständigen Schulwoche in den Testrhythmus eingebunden. Das Bildungsministerium empfiehlt Eltern vor der Einschulungsfeier, ihre Kinder in einem Testzentrum testen zu lassen, oder an ihnen einen Selbsttest durchzuführen.
  • Der Schulbesuch hängt nicht vom Impfstatus der Kinder und Jugendlichen ab. Das Bildungsministerium weist auf die Impfempfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren mit den Vakzinen von Biontech und Moderna hin.
  • Es gilt eine Quarantänepflicht für Einreisende aus Hochrisiko- (zehn Tage) und Virusvariantengebieten (14 Tage). Mit einem Impf- oder Genesenennachweis kann die Quarantäne vorzeitig beendet werden. Das gilt ab Zeitpunkt der Übermittlung an das Einreiseportal der Bundesrepublik. Nach Einreise aus einem Hochrisikogebiet endet die Quarantäne für Kinder bis zwölf Jahre nach fünf Tagen. Daraus folgt, dass Kinder und Jugendliche während ihrer Einreisequarantäne nicht am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen.

Für Reinhold Bauhus, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, sind diese Regelungen zu ungenau. „Ich bin genervt. Es bleiben viele offene Fragen. Für mich steht in der Mail des Bildungsministeriums an die Schulen nichts neues. Wirklich vorbereiten können wir uns damit nicht“, sagt er gegenüber dieser Redaktion.

Reinhold Bauhus, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, wünscht sich klare Richtlinien im Umgang mit Quarantänefällen.
Reinhold Bauhus, Leiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, wünscht sich klare Richtlinien im Umgang mit Quarantänefällen. © Storks (A) © Storks (A)

Besonders die Frage nach dem Umgang mit Quarantänefällen beschäftigt den Schulleiter. Beispielsweise wisse er nicht, ob das Fehlen wegen einer Quarantäne nach einer Reiserückkehr schulische Konsequenzen haben soll. Bauhus fragt sich außerdem: „Müssen geimpfte Kinder und Jugendliche auch in Quarantäne, wenn in der Klasse oder der Lerngruppe Corona-Infektionen aufgetreten sind? Da wünsche ich mir eine einheitliche Regelung von den Gesundheitsämtern.“

Schulleiter sieht Lernnachteil für Ungeimpfte

Denn sollten Geimpfte oder Genesene trotz Kontakt zu Infizierten am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, sieht Bauhus einen Lernnachteil für Ungeimpfte, die in Quarantäne müssen. Gleichzeitig sagt er: „Ich hätte mir bis dato mehr Impfbereitschaft von den Jugendlichen über 16 gewünscht.“ Aussprechen dürfe er eine Impfempfehlung aber nicht.

Auf eine hohe Impfquote ihrer Schülerinnen und Schüler braucht Iris Lüken indes nicht hoffen. Die Leiterin der Osterfeldschule und Sprecherin der Lüner Grundschulleiter sieht ihre Schule dennoch gut auf den Start vorbereitet.

Iris Lüken ist Schulleiterin an der Osterfeldschule und Sprecherin der Lüner Grundschullehrer. Aus ihrer Sicht ist die Schulöffnung gerade jetzt der richtige Weg. © Schulz-Gahmen © Schulz-Gahmen

Durch die Stadt und eine Spendenaktion sei es möglich gewesen, das Lehrpersonal und fast alle Schülerinnen und Schüler mit Technik zum digitalen Lernen auszustatten. Außerdem hätte sie mit ihre Kolleginnen und Kollegen Stundenpläne erstellt, die Wechselunterricht zulassen.

Quarantänefälle: „Hoffen, dass es nicht soweit kommt“

„Wir haben vor den Sommerferien die Eltern gebeten, bei der Urlaubsplanung eine eventuelle Einreisequarantäne zu beachten“, sagt Lüken und ergänzt: „Daher hoffen wir, dass es nicht soweit kommt.“

Besorgt blicken Lücken und Bauhus allerdings auf den Herbst und Winter. Da die Stadt Lünen auf das Anschaffen von mobilen Luftfilteranlagen verzichtet hat, muss auch bei niedrigen Temperaturen mit offenem Fenster gelüftet werden. Lüken sagt: „Die Kinder hatten dicke Jacken und Handschuhe an. Das war einer Schule nicht würdig.“ Der Verzicht auf die Luftfilter sei ebenfalls nicht in Bauhus‘ Sinne gewesen. Er meint: „Wir sind genauso schlau, wie vor einem Jahr.“

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