Holger Hoven ist Stationsleiter und Pilot bei der Luftrettung Christoph 8. Jetzt erlebte er einen besonderen Einsatz. © Günter Blaszczyk (Archiv)
Hilfe für Patienten

Lüner Rettungshubschrauber hält Rettungswagen auf der Landstraße an

Das war ein eher ungewöhnlicher Einsatz für Rettungshubschrauber Christoph 8. Im Gespräch berichtet Pilot Holger Hoven, wie er auf einer Landstraße landete und einen Rettungswagen anhielt.

Dass es kein normaler Transportflug werden würde, ahnte Stationsleiter und Pilot Holger Hoven nicht, als er mit dem Team von Rettungshubschrauber Christoph 8 am Mittwoch (20.1.) in Dortmund einen Patienten abholte.

Der Patient sollte zur Weiterbehandlung nach Aachen in eine Spezialklinik geflogen werden. „In den Kliniken im Ruhrgebiet gab es keine freien Betten, deshalb sollte der Mann nach Aachen“, so Hoven im Gespräch mit unserer Redaktion. Normalerweise dauert der Flug von Dortmund ins Dreiländereck etwa 35 Minuten.

Etwa zehn Minuten nach Abflug aus Dortmund gab es an Bord Probleme, denn der Patient wurde instabil, sein Zustand verschlechterte sich. Er musste intubiert werden. „Das ist aber im Hubschrauber nicht möglich,“ so der erfahrene Pilot in Diensten des ADAC.

Bauernhof war erstes Ziel

Dazu kam, dass es auch noch relativ windig und kalt war, sich außerdem eine Regenfront näherte. Hoven: „Wir hatten überlegt, an einem Bauernhof runter zu gehen und da vielleicht den Patienten in einer geschützten Scheune zu intubieren.“

Dann kam dem Team aber ein glücklicher Zufall zu Hilfe. „Beim Runtergehen haben wir einen Rettungswagen entdeckt.“ Kurzerhand überflog Hoven das Fahrzeug der Feuerwehr Velbert und setzte Christoph 8 auf der Windrather Straße, einer Landstraße, vor dem Rettungswagen in gebührender Entfernung auf.

Glücklicher Umstand

Der Rettungswagen kam gerade von einem Einsatz bei einem Unfall mit einem Motorradfahrer, musste dabei aber keinen Patienten aufnehmen. Ein weiterer glücklicher Umstand für den Patienten im Hubschrauber. „Die Kollegen ahnten schon, dass wir ihre Hilfe benötigen“, so Hoven.

Kurzerhand wurde der Patient vom Hubschrauber in den Rettungswagen verfrachtet. Dort konnte er intubiert werden und war dann wieder transportfähig. Er wurde wieder in den Hubschrauber gebracht und Christoph 8 konnte wieder abheben. Nach 25 weiteren Flugminuten landete das Team mit dem Patienten an der Klinik in Aachen – trotz ziemlichen Gegenwindes auf dem Flug.

Der Patient aus dem Rettungshubschrauber wurde im Nevigeser Rettungswagen für den weiteren Flug nach Aachen stabilisiert.
Der Patient aus dem Rettungshubschrauber wurde im Nevigeser Rettungswagen für den weiteren Flug nach Aachen stabilisiert. © Feuerwehr Velbert © Feuerwehr Velbert

Holger Hoven hat in seiner langjährigen Tätigkeit als Hubschrauber-Pilot schon einiges erlebt. Beispielsweise eine Landung im Lüner Tobiaspark. Aber eine solche Landung auf einer Landstraße, um einen Rettungswagen anzuhalten und um schnelle Hilfe zu bitten, war auch für ihn neu. „Zum Glück hat alles gepasst“, freute er sich.

Seit 2005 fliegt er Christoph 8 im Auftrag des ADAC und ist Stationsleiter auf dem Gelände des St.-Marien-Hospitals, wo der Rettungshubschrauber stationiert ist.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt
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