Das berühmte Eingangsschild von Las Vegas könnte - nach Meinung der Burghofbühne Dinslaken - auch in Lünen stehen. Mit der Montage wirbt das Ensemble für sein Stück "Berlin kann jeder. Lünen muss man wollen!" © Burghofbühne Dinslaken
Meinung

Kommentar zu Facebook-Reaktionen: Lächerlich, armselig, schlecht für Lünen

Der Aufruf der Burghofbühne Dinslaken hat vor Augen geführt, was eigentlich falsch läuft: Einige Schreihälse geben eine völlig falsche Richtung vor, ein gesellschaftliches Korrektiv bleibt aus.

Ein Theaterensemble will ein interaktives Theaterstück mit Augenzwinkern und viel Lokalkolorit auf die Bühne bringen. In Zeiten, wo die Kultur nach jedem Strohhalm greifen muss, gleich in mehrerlei Hinsicht eine gute und erfrischende Idee. Leider Gottes haben einige wenige sie nicht verstanden.

Die Bitte war recht simpel: Die Burghofbühne Dinslaken möchte Geschichten aus und über Lünen sammeln. Diese Geschichten, die möglicherweise auch in Form von Audiointerviews erzählt werden können, sollten dann Teil des Theaterstücks „Berlin kann jeder. Lünen muss man wollen!“ im Frühjahr 2022 werden.

Schon dieser Titel, den Kabarattist Frank Goosen abgewandelt für das Ruhrgebiet angewandt hat, macht deutlich, worum es hier auch geht: Ein augenzwinkerndes, nicht ganz ernst gemeintes Streiflicht auf Lünen, das gerade deshalb auch als Hommage verstanden werden kann. Denn, auch das hat Goosen gezeigt: Wer sich und seine Heimat nicht immer ganz so ernst nimmt, dem kauft man auch ab, dass er sich wirklich wohl und zuhause fühlt.

Respekt ist eine Selbstverständlichkeit

Wer sich jedoch die „Kommentare“ unter dem Facebook-Post in zwei Lüner Gruppen durchgelesen hat, der bekam das ganze Gegenteil serviert: Männer (ja, es waren ausschließlich männliche „Kommentatoren“), die sich ziemlich mies fühlen und die ihre Heimat so sehr hassen, dass sie teilweise sogar auf deutsche Rechtschreibung verzichteten. Und dabei ging es ihnen ja ausgerechnet um den Genderstern, den das Ensemble verwendet hatte.

Zugegeben, auch ich finde das Ding nicht schön – aber ich respektiere seine Botschaft und den Willen der Bühne, alle Menschen gleichberechtigt anzusprechen. Dieser Anspruch ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, genauso wie der Respekt dafür.

Aber, und das ist der springende Punkt: Darum ging und geht es überhaupt nicht. Die Bühne wollte Geschichten aus Lünen, liebevoll, lustig, leidenschaftlich – Möglichkeiten gab (und gibt es zum Glück) genug. Stattdessen schrien sich einige Wenige den Frust von der Seele, weil irgendwas nicht so war, wie sie es für richtig hielten. Das ist lächerlich, armselig – und schlecht für Lünen.

Hoffnung aus bessere Geschichten

Leider schienen das viele anders zu sehen, denn die Gegenrede, die hier zwingend erforderlich gewesen wäre, blieb weitestgehend aus. So ist in kürzester Zeit ein ziemlich verstörender Eindruck von Lünen entstanden.

Man kann nur hoffen, dass die Burghofbühne noch andere Geschichten findet, die Lünen in einem etwas besseren Licht dastehen lassen. Verdient hätte die Stadt es auf jeden Fall.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen
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