Auf diesem Grundstück soll die neue Vier-Gruppen-Kita gebaut werden: zwischen Röntgenstraße und Am Pier in Lünen. © Sylvia vom Hofe
Neubau

Kindergarten im Geistviertel: Idealer Standort mit einem Geburtsfehler

Das Geistviertel in Lünen-Mitte bekommt eine neue Kita. Die Suche nach dem geeigneten Standort war schnell beendet. Denn es gibt nur eine wirklich geeignete Freifläche - aber auch ein Problem.

Aus der Vogelperspektive ist das künftige Kita-Grundstück schnell ausgemacht: ein grünes Rechteck zwischen der Röntgenstraße und der Straße Auf der Kiepe. Es liegt im Südosten des Geistviertels, nur eine Häuserzeile von der Dortmunder Straße entfernt. Wer nicht den luftigen Blickwinkel von oben hat, sondern unten sucht, hat mehr Schwierigkeiten, die etwa 1500 Quadratmeter große Freifläche zu finden.

Verkehrschaos droht, wenn Eltern mit dem Auto kommen

Wer sich mit dem Auto auf die Suche macht, hat es besonders schwer. Denn das Grundstück ist nur über einen Fußweg angebunden: ein drei Meter breiter Weg, der die Röntgenstraße mit der Straße Auf der Kiepe verbindet.

Die gute Nachricht: „Eine direkte fuß- und radläufige Erreichbarkeit von zwei Seiten ist somit möglich.“ So ist es in der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung nachzulesen.

Was dieser Satz auch bedeutet, war Thema in der jüngsten Ratssitzung: Eltern, die ihre Söhne und Töchter in die Kita bringen, müssen zu Fuß kommen. Sonst wird es vor der Betreuungseinrichtung für 80 Kinder ein Verkehrschaos geben.

Was dieses Chaos bedeuten könnte, erahnt jeder, der sich an Tagen mit Müllabfuhr ins Quartier begibt. Am Mittwochmittag (29. 9.) regnet es in Strömen. Durch den nassen Schleier tastet sich ein weißer Müllwagen die Sackgasse Röntgenstraße hinauf, um zwischen den parkenden Autos Mülltonnen aufzunehmen.

In die gleiche Richtung geht es wieder zurück. Denn eine Möglichkeit zum Wenden gibt es nicht. Wenn jetzt noch Eltern abbiegen würden, um ihre Kinder abzuholen, würde es nicht vor und zurück gehen.

Verzicht auf öffentlich geschaffenen Parkraum

So herum solle es auf keinen Fall gehen, steht für die Planer der Stadtverwaltung fest. „Eine verkehrliche Erschließung des Bauvorhabens durch Kfz soll ausschließlich von der Straße Auf der Kiepe aus erfolgen“, schreiben sie.

Dazu müsse die Zufahrt verbreitert werden. Der Baum in der Zufahrt bleibe aber erhalten. Doch trotz Verbreiterung: Wirklich nutzen sollen Eltern künftig auch diese Zufahrt nicht. Denn es wird kaum Parkplätze geben.

Drei bis fünf Parkplätze muss der private Investor, der die Kita bauen will, auf dem Grundstück nachweisen. Mehr nicht. Die ursprüngliche Idee, öffentliche Parkplätze zu schaffen, war im Stadtrat nicht auf ausreichend große Gegenliebe gestoßen. CDU und SPD hatten sich in einem gemeinsamen Antrag gegen die Schaffung von öffentlichen Parkplätzen ausgesprochen.

Nur ein Fußweg führt zum Grundstück der künftigen Kita im Lüner Geistviertel (rechts geht es in die Röntgenstraße, einer Sackgasse).
Nur ein Fußweg führt zum Grundstück der künftigen Kita im Lüner Geistviertel (rechts geht es in die Röntgenstraße, einer Sackgasse). © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Eine Mögliche Fläche dafür wäre die kleine grüne Insel gewesen, um die sich die Straße Auf der Kiepe zieht. Die gelte es aus Rücksicht auf die Menschen im Quartier zu erhalten. Der zweite Teil des Änderungsantrags der Groko, dem die Mehrheit folgte: Der Investor solle nur zweigeschossig bauen und nicht dreigeschossig. Das würde sich besser ins Viertel integrieren.

Nur zweigeschossig: Großtagespflege wird gestrichen

Kunibert Kampmann (GFL) sprach sich klar gegen diese Änderungsanträge aus. Wenn nur zweigeschossig gebaut werde, gehe das zu Lasten der Großtagsespflege: einem Betreuungsangebot für acht Kinder durch mindestens zwei Tagespflegepersonen – ganz unabhängig vom Kita-Betrieb. Auch den Parkplatzverzicht stieß bei Kampmann auf herbe Kritik: „Dadurch macht man es den Eltern unnötig schwer.“ Kampmann ist sicher, „dass man die Eltern nicht wird zwingen können, zu Fuß zu gehen.“

Genau das muss aber passieren. „Das ist heute ein mutiger Beschluss“, befand Arno Feller (CDU). In gewisser Weise handele es sich auch um einen „Versuchsballon“. Denn tatsächlich müssten Eltern umdenken, wenn sie ihre Kinder bringen. Ein solcher Fußweg, befanden andere Ratsmitglieder, würde aber nicht schaden: weder den Kindern, noch den Eltern.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe

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