Ein Bild aus längst vergessenen Tagen? Ein Mitarbeiter demonstriert im Verkaufsraum eines Autohauses ein Auto. © dpa (A)
Automobilbranche

Kfz-Innung fordert Ausnahmeregelung für Autohäuser: Verkaufsräume öffnen

Mit drastischen Worten appelliert die Kfz-Branche an die Landesregierung, den Autohäusern die Öffnung der Verkaufsräume trotz verlängerten Lockdowns doch noch zu erlauben.

Das Kraftfahrzeuggewerbe in der Region Dortmund und Lünen schlägt wegen der Verlängerung des Lockdowns Alarm: „Wir dürfen derzeit nur Reparaturen durchführen, die Verkaufsräume sind überall geschlossen.“ Das sagte Christoph Haumann, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen und Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen in Brambauer) Anfang Januar laut Pressemitteilung der Kfz-Innung:

„Allein mit dem Service oder dem Online-Verkauf von Fahrzeugen können aber die meisten Autohäuser nicht überleben. Der Fahrzeughandel vor Ort muss dringend aufrechterhalten werden, sonst stehen gerade kleine und mittlere Betriebe vor existentiellen Schwierigkeiten. Der Lockdown kostet Arbeitsplätze.“

Ähnlich hatte sich Haumann schon Mitte November im Gespräch mit unserer Redaktion geäußert.

Christoph Haumann ist Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen und Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen in Brambauer)
Christoph Haumann ist Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen und Geschäftsführer des Autohauses Trompeter (Volkswagen in Brambauer) © KFZ-Innung © KFZ-Innung

Besonders schwierig sei die Situation, weil die Autohäuser über vorfinanzierte Fahrzeuge verfügten, die nicht abgesetzt werden könnten, sagte der Obermeister der Kfz-Innung jüngst weiter. Selbst bereits auslieferungsfertige Fahrzeuge hätten zum Teil nicht an die Kunden übergeben und von ihnen bezahlt werden können, weil es nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten gab, die Fahrzeuge für den Straßenverkehr zuzulassen. „Unsere Betriebe haben dazu Verwahrungsverträge abgeschlossen, bei denen die Fahrzeuge in der Halle des Händlers verbleiben und wenigstens ein Teil der Kaufsumme überwiesen wird“, sagte Christoph Haumann. „Das ist aber nur eine Notlösung. Wir müssen die Verkaufsräume wieder öffnen können, um die Erlöse der Betriebe auf ein existenzsicherndes Niveau heben zu können.“ Ein gangbarer Weg ist dabei nach Ansicht von Haumann das „Thüringer Modell“. Laut der dortigen Corona-Verordnung ist der Kfz-Handel vom Verkaufsverbot des Einzelhandels explizit ausgenommen.

„Wir können die weitere Schließung der Verkaufsräume nur sehr schwer nachvollziehen“, sagte Christoph Haumann: „Die Betriebe haben vergleichsweise große Verkaufsflächen. Dank der geringen Anzahl gleichzeitig anwesender Kunden können Mindestabstände problemlos eingehalten und Hygieneregeln korrekt befolgt werden. Bei uns sind Kunden und Mitarbeiter deutlich sicherer als an der Kasse des Lebensmittel-Discounters. Oder haben Sie schon einmal eine Menschenschlange im Autohaus gesehen?“

Letztendlich sei die Situation für viele Autohäuser regelrecht paradox. „Kunden, die Wartung oder Reparaturen beauftragen, betreten die Geschäftsräume oft durch den gleichen Eingang wie es potenzielle Autokäufer tun würden“, umschrieb Haumann die Situation gerade in mittleren und kleinen Kfz-Betrieben:

„Da macht es doch keinen Unterschied, ob ich am Serviceberater-Schreibtisch einen Serviceauftrag bespreche oder ob ich mich hinsichtlich eines Neuwagens beraten lasse.“ Dasselbe gelte darüber hinaus auch für den Thekenverkauf von Ersatzteilen an Endverbraucher.

Appell an Landesregierung

Das Kraftfahrzeuggewerbe in Dortmund und Lünen wehre sich keinesfalls gegen die korrekte Einhaltung aller Hygienemaßnahmen und gesetzlichen Vorgaben, sondern unterstütze die Kontaktreduzierung ausdrücklich. „Aber nur dort, wo sie auch wirklich wirkungsvoll und damit nachvollziehbar sinnvoll sind“, betonte der Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Dortmund/Lünen:

„Wir appellieren daher an die Landesregierung, noch einmal gründlich zu prüfen, ob nicht doch im Sinne der Gleichbehandlung mit anderen Bundesländern eine Ausnahmeregelung für das Kraftfahrzeuggewerbe gefunden werden kann.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Zur Autorenseite
Torsten Storks
Lesen Sie jetzt