„Fretful Father“ Daniel Claeßen freut sich auf ein Stück Normalität - oder versucht es zumindest. © Kristina Schröder Photography
The Fretful Father

Haus brennt, Kinder spielen: Eltern müssen die Prioritäten ändern – leider

Eigentlich hat unser Fretful Father ja nur einen Wunsch: Eine sichere Zukunft für seine Kinder. Doch es gibt einige Menschen, die verfolgen offenbar andere Ziele. Meistens in dicken Autos.

Es war ein Fehler, das wusste ich schon, als ich den Computer eingeschaltet habe. Aber für meine Arbeit brauche ich einen eingeschalteten Computer, und leider muss ich auch in die sogenannten Sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter schauen – einerseits, um zu sehen, ob sich auf unseren eigenen Auftritten auch alle brav benehmen (was meistens der Fall ist), andererseits, um zu erkennen, welche Themen in der „Community“ gerade diskutiert werden.

Corona ist dort natürlich allgegenwärtig, aber eben nicht mehr allein dominierend. Das liegt unter anderem an einem neuen Bericht zum Weltklima, der ziemlich deutlich darauf hinweist, dass jetzt aber wirklich bald Feierabend ist. Mit allem, also auch mit der Menschheit. Die Sache hat einen Haken: „Ziemlich bald“ heißt nicht „morgen früh um 8“, sondern vermutlich irgendwas zwischen 10 und 20 Jahren.

Und diese Zeitspanne interessiert bestimmte Bevölkerungsgruppen einfach nicht. Vermutlich weil sie wissen, dass sie das sowieso nicht mehr erleben und sich deshalb auch einen Dreck darum scheren, wie es ihrer Umwelt oder ihren Mitmenschen jetzt und in Zukunft geht. Ich hatte es an dieser und an anderen Stellen ja schon mehrmals skizziert: Es handelt sich verstärkt um Menschen, die gerne große Autos in kleinen Straßen fahren, Familienparkplätze vor dem Supermarkt blockieren und die AfD toll finden, weil diese Partei erkannt hat, dass ihre Halbwertszeit in etwa den gleichen Wert aufweist wie verbleidende Zeit bis zur endgültigen Klimakatastrophe – und sich entsprechend benimmt.

Ich bin ziemlich sauer auf die Mitmenschen

Am vergangenen Wochenende habe ich ganze Horden solcher Menschen bei einem Ausflug nach Aachen erleben können. In breiter Reihe geschlossen durch die Fußgängerzone, und bloß keinem ausweichen. Wenn es dann zum Zusammenstoß kommt, ist natürlich der andere Schuld, erst recht, wenn es ich dabei um Kinder handelt. Ich habe mich deshalb entschieden, es jetzt sein zu lassen mit der Rücksicht: Wer sich einen Dreck um seine Mitmenschen schert, verdient auch keinen Respekt von ihnen. Punkt.

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Warum ich gerade so gute Laune habe? Weil ich ehrlich gesagt sauer auf meine Mitmenschen bin. Also jene, die im gleichen Boot sitzen und deren Wunsch es ist, ihren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Folglich bin ich auch sauer auf mich selbst. Kollege Christian Stöcker hat es in seiner Kolumne auf Spiegel Online schon recht treffend formuliert: „Die Eltern sind noch längst nicht wütend genug.“ Wobei ich meine, dass er noch zu brav geblieben ist. Bilder einer Bundesregierung, die noch ein bisschen Sprit in den brennenden Flur (als Symbol für unseren Planeten) kippt, sind fast schon zu abstrus, um den Ernst der Lage wirklich deutlich zu machen.

Egoistisch, verblendet, verblödet

Wenn irgendwelche egoistischen, verblendeten oder verblödeten Kreaturen auf Facebook die Welle machen, weil die Gasrechnung teurer wird, was natürlich der Klimahysterie geschuldet ist, die Waldbrände in der Welt allein mit Brandstiftung erklären oder einen höheren Spritpreis als Argument gegen Nachhaltigkeit anführen, dann zeigt das doch, dass wir hier neben einem Intelligenz- vor allem ein Prioritätenproblem haben. Und da sollten Eltern eigentlich in der Lage sein, die Liste richtig anzuordnen und diese Prioritäten dann auch entsprechend zu verteidigen.

Tun sie aber nicht. Beziehungsweise: Sie tun es, ohne dass es jemand mitbekommt (es sei denn, Kollegen wie Christian Stöcker setzen sich hin und schreiben es auf). Denn ihre Prioritäten sind die eigenen Kinder, und da hat man einfach keine Zeit, sich mit Idioten auseinander zu setzen. Ich fürchte aber, wenn wir Eltern die Prioritäten wirklich richtig setzen wollen, müssen wir genau das tun. Sonst ist es wirklich zu spät. Leider.

ZWISCHEN BESORGT UND VERÄRGERT

In seiner Kolumne „The Fretful Father“ schreibt Reporter Daniel Claeßen über Dinge, die ihn als Familienvater bewegen. Und auch wenn er die Probleme seiner Kinder stets ernst nimmt, ist hier nicht immer alles ernst gemeint. Der Titel der Kolumne ist angelehnt an das „Fretful Mother Magazine“ aus der Serie „Die Simpsons“. Womit auch klar ist, dass hier immer mal wieder das Kind im Manne durchkommt. Außerdem kann „fretful“ nicht nur „besorgt“, sondern auch „quengelig“, „weinerlich“ und „verärgert“ bedeuten – womit die Gefühlsspanne unseres Autors ziemlich gut abgebildet wird.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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