„Fretful Father“ Daniel Claeßen freut sich auf ein Stück Normalität - oder versucht es zumindest. © Kristina Schröder Photography
The Fretful Father

Familien kehren endlich zurück zur Normalität – oder lieber doch nicht?

Hurra, der Alltag kehrt in die Schulen und Kitas zurück. Und damit auch in die Familie unseres Fretful Fathers. Wobei: So ganz zum Feiern ist ihm dann doch nicht zumute. Verrückt, oder?

Es ist zum Verrücktwerden: Nun passiert endlich das, was ich und wahrscheinlich auch viele andere Eltern herbeigesehnt haben. Die Kinder dürfen wieder normal zur Schule, und auch die Kitas schalten ab dem 7. Juni wieder auf Regelbetrieb. Ob man das angesichts der täglichen Testungen trotzdem schon Normalität nennen will, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist: In die Familien kehrt eine dringend benötigte, weil verlässliche Struktur zurück.

Also, warum tanze ich nicht ausgelassen auf den Tischen und habe eine Flasche Wein in der Hand? Zum einen, weil kein Tisch in unserem Haus mein Gewicht halten könnte und es außerdem erst Mittag ist. Zum anderen, und da wäre ich dann beim Verrücktwerden, weil ich nicht weiß, ob ich diesen einen, sehnlichen Wunsch wirklich jetzt schon erfüllt haben will.

Hier ist noch gar nichts vorbei, auch nicht im Sommer

Ein Grund für diesen Zweifel ist die Quarantäne, die wir gerade wegen eines Falls in der Kita-Gruppe unserer Mittleren hinter uns haben. Die Sache traf uns völlig unvorbereitet, weil wir im Grunde schon sicher waren: Die Pandemie ist durch, da kommt nicht mehr viel. Der gelbe Brief des Ordnungsamtes hat uns dann ziemlich schnell und unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hier ist noch gar nichts vorbei, nicht jetzt und auch nicht im Sommer.

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Doch genau dann wollen wir endlich wieder in den Urlaub. Ein paar Wochen raus, was anderes sehen und fühlen, die Seele baumeln lassen, Kraft tanken. Nachdem das an Ostern ja nicht geklappt hat, braucht unsere Familie diese Auszeit nötiger denn je. Und auch da sind wir sicherlich nicht allein.

Was aber nun, wenn zum Beispiel in der Klasse unseres Ältesten nächste Woche ein Corona-Fall auftritt? Oder in der Kita-Gruppe unserer Jüngsten in der letzten Woche vor den Ferien? Dann wären erst einmal wieder zwei Wochen Quarantäne angesagt – und der Urlaub dahin. Das wiederum würde angesichts der nach wie vor angespannten Situation in unserer gesellschaftlichen Kleinstgruppe unausweichlich zum Super-GAU führen, zumindest emotional. Nein, dieses Risiko möchte ich eigentlich auf gar keinen Fall eingehen, der Preis wäre zu hoch.

Aber der Umkehrschluss würde bedeuten, unsere Kinder weiterhin zu isolieren, zumindest so gut es geht. Ihnen also weitere anstrengende Woche aufzubürden, nachdem sie bereits seit mehr als einem Jahr auf so ziemlich alles verzichten mussten, was das Kindsein ausmacht. Ist das ein adäquater Preis für unbeschwerte Wochen im Sommer (die einem zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht einmal jemand garantieren kann)?

Jetzt müssen sich die anderen am Riemen reißen

Ich gebe zu: Ich bin unentschieden, aber ich habe eine Tendenz. Und die geht ganz klar in die Richtung, das Risiko in Kita und Schule einzugehen. Grund dafür ist die Beobachtung, die ich seit dem Start des eigeschränkten Pandemiebetriebs gemacht habe: Seit die Kinder zumindest wechselnd oder mit weniger Stunden die Chance haben, Gleichaltrige zu treffen, mit Freunden zu spielen und einfach mal was anderes als die eigenen vier Wände oder den Garten zu sehen, sind sie fröhlicher, ausgeglichener, und sie reduzieren ihre Wutanfälle auf die vor dem Lockdown üblichen Anlässe, wie ein falsch geschnittenes Brot oder die falsche Farbe der Frühstückstasse.

Außerdem, wenn es eine Gruppe verdient hat, dass man nun auf sie Rücksicht nimmt, dann sind es Kinder und Jugendliche. Sie haben mit Beginn der Pandemie zurückstecken müssen, um die gefährdeten Gruppen zu schützen. Jetzt, wo diese Gruppen dank Impfung und eben auch dank der Rücksicht der Jüngeren weitestgehend außer Gefahr sind, darf man wohl erwarten, dass sich nun alle am Riemen reißen und das Infektionsrisiko so gering wie möglich halten. Für die Kinder. Und ja, auch für die Familien.

ZWISCHEN BESORGT UND VERÄRGERT

In seiner Kolumne „The Fretful Father“ schreibt Reporter Daniel Claeßen über Dinge, die ihn als Familienvater bewegen. Und auch wenn er die Probleme seiner Kinder stets ernst nimmt, ist hier nicht immer alles ernst gemeint. Der Titel der Kolumne ist angelehnt an das „Fretful Mother Magazine“ aus der Serie „Die Simpsons“. Womit auch klar ist, dass hier immer mal wieder das Kind im Manne durchkommt. Außerdem kann „fretful“ nicht nur „besorgt“, sondern auch „quengelig“, „weinerlich“ und „verärgert“ bedeuten – womit die Gefühlsspanne unseres Autors ziemlich gut abgebildet wird.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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