Heimarbeit statt Schulbesuch. Für viele Schülerinnen und Schüler fand der Schulunterricht schon vor Weihnachten auf Distanz statt. © Oliver Volmerich
Coronavirus

Eltern aus Lünen zur Verlängerung des Lockdowns für Schulen und Kitas

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Dienstag harte Maßnahmen verkündet - auch Schulen und Kitas sind davon betroffen. Unter Lüner Eltern gibt es dazu ganz verschiedene Meinungen.

Bund und Länder haben sich am Dienstag (5. 1.) auf weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie geeinigt, und die haben es in sich. Die Kontaktbeschränkungen werden verschärft, es gibt Einschränkungen der Mobilität, und Schulen und Kitas bleiben geschlossen – bis Ende Januar. Wir haben uns unter Lüner Eltern umgehört.

Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien war in NRW die Präsenzplicht aufgehoben worden. Eltern konnten individuell entscheiden, ob sie Erst- bis Siebtklässler vom Präsenzunterricht befreien und per Distanzunterricht zu Hause lernen lassen wollten. Ab der achten Klasse galt die Distanz-Unterricht-Regelung für alle. Diese Regelung greift seit dem 14. Dezember. Und würde auch jetzt gelten – wenn die Kanzlerin nicht am frühen Abend die Verlängerung des Lockdowns bekanntgegeben hätte.

Für Kitas gibt es seit dem 14. Dezember einen Appell an alle Eltern, ihre Kinder nur dann in die Einrichtung zu geben, wenn sie dringend darauf angewiesen sind. Nicht-berufstätige Eltern sollen ihre Kinder unbedingt zu Hause lassen. Am 18. Dezember begannen dann die vorgezogenen Weihnachtsferien, die bis zum 9. Januar ausgedehnt wurden – nicht lange genug, um die Infektionszahlen einzudämmen. Jetzt haben Kanzlerin und Länderchefs eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 31. Januar beschlossen – für Restaurants und Geschäfte, Kultur- und Sportstätten und eben auch für Schulen und Kindergärten.

Geteilte Meinungen unter Eltern

Hört man sich unter Eltern um, gibt es dort sehr geteilte Meinungen. Christiane Petzold, Mutter von fünf Kindern zwischen 4 und 16 Jahren und stellvertretende Elternsprecherin, findet sehr klare Worte: „Ich empfinde zur Zeit eine große Hilflosigkeit“, sagt sie, die zwei ihrer Kinder auf der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG) hat und große Befürworterin des versuchten Wechselmodells war. Und eines harten Lockdowns.

„Diese Wischiwaschi-Entscheidungen bislang gehen mir als Mutter ziemlich auf den Keks.“ In der Innenstadt hätten sich vor Weihnachten wegen der Click-und-Collect-Konzepte die Menschen gedrängt.

Und bei einem freiwilligen Kitabesuch müsse man sich nicht wundern, wenn die Gruppen voll seien. Über Weihnachten und Silvester hätten sich auch die wenigsten an die Vorgaben gehalten, was sich um den 10. Januar herum bestimmt noch bemerkbar machen werde.

„Nur ein richtig harter Lockdown hilft“

„Das medizinische Personal geht doch auf dem Zahnfleisch“, sagt die 40-Jährige, deren Mann im Krankenhaus Herdecke arbeitet. Sie begrüßt einen klaren und harten Lockdown. Mit Distanzunterricht für alle Jahrgangsstufen und Kitaschließung.

„Andernfalls wäre das eine Gefährdung der Gesundheit der Kinder, deren Familien und der Lehrer. So halbherzig wie bisher werden wir das Virus nicht in den Griff bekommen.“ Dann müssten die Eltern aber auch freigestellt werden, fordert sie. „Bisher sind die Schulen doch nur offen geblieben, damit die Kinder verwahrt sind und die Eltern arbeiten können.“

Nadine Kuchinke, Mutter von vier schulpflichtigen Kindern zwischen 6 und 16 Jahren, ist zwiegespalten: „Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn der Distanzunterricht aufrecht erhalten bliebe, weil so der Schutz der Kinder gewährleistet ist. Auf der anderen Seite geht meine Tochter in die zehnte Klasse und diese Abschlussklassen sind die Verlierer schlechthin.“

Die 38-Jährige wird auch mit einer Schulschließung als Bäckereifachverkäuferin weiter arbeiten müssen. Ihr Mann ist Berufskraftfahrer und oft mal eine ganze Woche unterwegs. Schwierig findet sie deswegen auch die Beschulung ihres Erstklässlers. „Bei den ganz Kleinen ist es eine echte Herausforderung, ihnen den Stoff zu vermitteln. Da werden wir Eltern im Stich gelassen.“

Bei den Älteren müsse der Online-Unterricht auf Vertrauensbasis laufen. „Es ist schwierig, die Motivation oben zu halten, aber man kämpft sich durch und bisher hat das auch ganz gut funktioniert.“

Situation ist sehr belastend

Jessica Nymeyer hingegen, deren Tochter in die erste Klasse geht, spricht sich deutlich dafür aus, die Schulen zu öffnen. „Ich erlebe viele Kinder, die sich von ihren Eltern viel schlechter etwas beibringen lassen, als von den Lehrern, die ja dafür ausgebildet sind, gerade am Anfang.“

Außerdem hat sie Angst, dass ihr Kind, als Einzelkind, Defizite erleiden muss. „Die Situation ist sehr belastend. Wir haben keine Kinderkontakte und ohne Schule fehlt der gewohnte Tagesablauf.“

Und auch dafür sei Schule ja da: Für Strukturen, Regeln, Förderung und eben auch die sozialen Kontakte. „Meine Tochter weint jetzt schon viel, weil sie gerne in die Schule und ich bin auch mit den Nerven am Ende.“

„Ich war die letzten Wochen sowieso aus privaten Gründen Zuhause so dass die Betreuung zuhause kein Problem darstellte“, erzählt Melissa Groballi. „Seit heute geht mein zweijähriger Sohn aber wieder in die Kita, da ich meine Ausbildung weiter mache.“ Wenn die Kita jetzt wieder, wie schon im April, auf Notbetrieb umstellt, fühle sie sich im Stich gelassen.

Am Donnerstag (7.01.) wollen die Schulgremien tagen, um Strategien zur Umsetzung der Vorgaben des Schulministeriums zu entwickeln, die bis dahin vorliegen sollen.

*Anmerkung: Wir haben den Teaser überarbeitet. Kitas sind natürlich nicht geschlossen, aber dennoch betroffen von den verlängerten Coronamaßnahmen.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier
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