Nicht nur Fachkräfte für Lagerlogistik, sondern auch Fachlageristen sollen ab dem kommenden Ausbildungsjahr in Lünen am Lippe-Berufskolleg beschult werden können. © picture alliance/dpa/Dachser
Lippe-Berufs-Kolleg

Der Traum vieler Azubis und Wirtschaftsbetriebe wird nun wahr

Es war der Wunsch vieler Betriebe aus Lünen, und der wird sich nun aller Voraussicht nach erfüllen: Am Lippe-Berufskolleg wird es nach den Sommerferien zwei weitere Ausbildungsgänge geben.

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres im Sommer soll es am Lippe-Berufskolleg

im dualen System zwei weitere Bildungsgänge geben: Zum einen den zweijährigen Bildungsgang „Fachlageristin/Fachlagerist“, zum anderen den kaufmännischen Bildungsgang „Automobilkauffrau / Automobilkaufmann“. Der Kreistag beauftragte den Landrat, die erforderlichen Genehmigungen bei der Bezirksregierung in Arnsberg einzuholen. Aber das dürfte reine Formsache sein.

Zum Beruf

Der Fachlagerist

Die Berufsbezeichnung Fachlagerist hat den Handelsfachpacker abgelöst. Zu den vorwiegenden Aufgaben gehören Warenein- und -ausgang, die Kontrolle von Lagerbeständen sowie der Warenumschlag innerhalb großer Industrie- und Handelsbetriebe. Auch der speditionelle Umschlag in Logistikbetrieben gehört zum Aufgabenfeld.

Schulleiterin Rita Vonnahme jedenfalls freute sich am Freitag sehr über die guten Nachrichten aus dem Kreistag. „Das ist wunderbar“, sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hatte das Verfahren auf Wunsch der Lüner Wirtschaft angestoßen. „Viele Lüner Unternehmen sind auf uns zugekommen, und haben gefragt, ob wir das nicht auch anbieten könnten“, verriet Rita Vonnahme. Weil die angehenden Bankkaufleute seit diesem Jahr nicht mehr in Lünen, sondern am Hansa-Berufskolleg in Unna unterrichtet würden, hätte man auch die Kapazitäten. „Wir haben die Räume und auch das Personal, warum also nicht?“, freut sich Rita Vonnahme, künftig 36 verschiedene Bildungsgänge an der Schule anbieten zu können.

Unterschiedliche Wege führen am LBK zum Abschluss

„Wir unterrichten in Vollzeit und Teilzeit, bilden Berufsanfänger aus, führen aber auch zu allgemeinen Schulabschlüssen“, erklärt die Schulleiterin. Gerade für die eigenen Schülerinnen und Schüler sei es toll, zwei weitere Berufsfelder zur Auswahl zu haben. „Viele möchten gerne hierbleiben, wo sie alles kennen. So können wir auch diese Schüler noch besser beraten und vermitteln und es gibt die Chance, sie dann direkt mit Betrieben zusammenzubringen. Das ist eine Win-Win-Situation für alle.“

Der Autohandel läuft noch immer gut. Automobilkaufleute sind daher gefragt. Am Lüner Lippe-Berufskolleg sollen sie künftig im dualen System ausgebildet werden können.
Der Autohandel läuft noch immer gut. Automobilkaufleute sind daher gefragt. Am Lüner Lippe-Berufskolleg sollen sie künftig im dualen System ausgebildet werden können. © Dieter Menne © Dieter Menne

Denn nicht nur die Auszubildenden profitieren von der Berufsschule in Wohnortnähe, sondern auch die Betriebe. „Grundsätzlich gilt die freie Berufsschulwahl für die Ausbildungsbetriebe“, erklärt Tobias Schucht von der IHK zu Dortmund. „Das heißt, die Betriebe können bestimmen, auf welche Berufsschule der Auszubildende gehen soll. Und natürlich wählen die lieber eine Berufsschule in der Nähe. Daher ist das aus unserer Sicht und aus Sicht der Betriebe begrüßenswert, wenn eine weitere Berufsschule oder ein Berufskolleg diese Ausbildungsklassen anbietet.“

Weite Wege zur Berufsschule sind künftig passé

Denn bislang mussten die angehenden Fachlageristen nach Hamm, Dortmund oder Unna, die Automobilkaufleute nach Dortmund oder Hamm. Vor allem Hamm und Unna waren für die Lüner Azubis, die nicht mobil sind, schwer zu erreichen. Oder der Kampf um Parkplätze begann schon um 6.30 Uhr. „Die haben dann auf dem Parkplatz gefrühstückt“, kennt Rita Vonnahme die Probleme. Der weite Weg war aber auch für die Betriebe problematisch: Denn um die Stundenzahl hinzubekommen, gehen die Auszubildenden einmal ganztags zum Berufskolleg, einmal halbtags – und müssen danach zur Arbeit in den Betrieb. Je länger die Anfahrt dann dauert, desto weniger Zeit bleibt für den Tag für die Praxis.

Zum Beruf

Fachkraft für Lagerlogistik

Dieser Beruf ist im Bereich der logistischen Planung, Steuerung und Organisation des Warenflusses zu finden. Fachkräfte für Lagerlogistik gestalten Teilprozesse der Warenbewegungen bzw. des Warenumschlags in großen Lagern oder Industriebetrieben. Im Bereich Transportlogistik übernehmen sie auch die Tourenplanung bzw. die Lkw-Disposition oder auch die Zollabwicklung. Hinzu kommen die Aufgaben der Fachlageristen.

Im Bereich der Lagerlogistik bringt der neue Ausbildungszweig am Berufskolleg noch einen Vorteil mit sich: „Die Betriebe unterscheiden oft nicht scharf zwischen Fachlagerist und Fachkraft für Lagerlogistik.“ Doch erstere absolvieren eine zweijährige Ausbildung, letztere eine dreijährige. Weil das eine auf dem anderen aufbaut, bietet es sich an, beide Berufsbilder zusammen zu unterrichten. „Bislang hatten wir aber nur die dreijährige Ausbildung bei uns“, sagt Rita Vonnahme.

„Nun gibt es in Lünen ein niederschwelligeres Angebot und wir können dort auch die abholen, die schulisch erst einmal schwächer sind“, sagt Schucht. Am Ende nochmals eineinhalb Jahre für die Ausbildung zur Fachkraft dranzuhängen, sei an der gleichen Schule viel leichter. Deshalb unterstützt auch die Agentur für Arbeit die Pläne, für zwei neue Ausbildungsgänge am Lippe-Berufskolleg.

Mindestschülerzahl ist in Corona-Zeiten noch ein Knackpunkt

Ein Knackpunkt ist allerdings die Schülerzahl. Die Klassenstärke muss mindestens bei 22 liegen. Ob die Betriebe in und um Lünen so viele Azubis während der Corona-Krise einstellen werden, ist fraglich, auch wenn die Prognosen gut aussehen. „Ich hoffe, dass die Bezirksregierung dann ein Auge zudrückt“, sagt Rita Vonnahme. Denn sonst wäre der Traum vorbei, bevor er begonnen hat. „Wenn der erste Anlauf nämlich nicht klappt, dann war’s das“, erklärt Rita Vonnahme, dass es unter normalen Umständen im Ausbildungsjahr 2022/23 keine zweite Chance mehr gäbe.

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