Nach 17 Uhr ist in der Lüner Innenstadt nicht mehr viel los. Viele Geschäfte haben schon geschlosssen. © Julian Preuß
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Corona-Regeln sorgen für unterschiedliche Öffnungszeiten in Lüner City

Der Lüner Einzelhandel leidet unter den Corona-Regeln. Die Testpflicht verunsichere die Kundschaft, die Geschäfte können ihre regulären Öffnungszeiten nicht halten. Ein Teufelskreis.

Kurz nach 17 Uhr: Normalerweise starten viele Arbeitende in den Feierabend und möchten ihre Einkäufe in der Lüner Innenstadt erledigen. Nicht so während der Corona-Pandemie. Um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, gelten strenge Regeln, damit die Geschäfte überhaupt öffnen dürfen: Maskenpflicht, Terminvergabe und negativer Corona-Schnelltest. Viele Kunden scheint das abzuschrecken. Das beobachtet Tanja Rambasky, Inhaberin von „Der Brillenladen“ an der Langen Straße 24.

„Viele Inhaberinnen und Inhaber wünschen sich mehr Ruhe. Die Pflicht, bei Besuchen in Geschäften einen negativen Corona-Schnelltest vorzuweisen, sorgt bei der Kundschaft für Unsicherheit“, sagt sie. Die Testpflicht senke die Motivation der Kunden, einkaufen zu gehen, meint sie.

„Das Testen ist für die Kundschaft umständlich“

Das liege vor allem an dem Zeitaufwand, den man für einen Test einplanen müsse. „Das Testen ist für die Kundschaft umständlich. Man kann sich nicht spontan entscheiden und muss oft erst einen Termin für den Schnelltest machen“, sagt Rambasky. Einige Testzentren hätten nur bis zum frühen Nachmittag auf. Für Arbeitnehmende sei es daher schwierig, einen negativen Test zu bekommen. Das führe dazu, dass viele Menschen lieber den Onlinehandel nutzen würden, als die lokalen Geschäfte zu unterstützen.

Rambasky spricht daher eine weitere Testmöglichkeit in der Nähe des Zentrums an. „Ein zusätzliches Testzentrum in der Innenstadt wäre vorteilhaft. Genauso wie die Möglichkeit, dass auch Geschäfte ihrer Kundschaft direkt vor Ort einen Test anbieten können.“

Viele Geschäfte schließen um 15 Uhr

Die unterschiedlichen Öffnungszeiten der Läden in der Lüner Innenstadt führt sie auf diese Verunsicherung in der Bevölkerung zurück. Und in der Tat: Nach Feierabend die wichtigsten Erledigungen in der Innenstadt zu tätigen, scheint auch mit einem negativen Corona-Schnelltest nahezu unmöglich.

Die Corona-Einschränkungen führen zu verkürzten Öffnungszeiten.
Die Corona-Einschränkungen führen zu verkürzten Öffnungszeiten. © Julian Preuß © Julian Preuß

So öffnet beispielsweise Gerry Weber an der Lange Straße seine Türen nur noch zwischen 10 und 14 Uhr. Einige Schritte weiter ist das Ladenlokal von Schuh Okay am späten Nachmittag ebenfalls dunkel. Das Geschäft änderte die Öffnungszeiten auf 10 bis 15 Uhr. Ähnlich agiert das SchuhHouse. Montags bis freitags können Kunden von 12 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr einkaufen. Das Deko-Geschäft ist vorübergehend gar ganz geschlossen.

Große Teile der Kundschaft bleiben aus

Dementsprechend bleibe die Masse der Kundschaft aus. „Für viele Geschäfte ist sie zu gering, sodass es sich für sie nicht lohnt zu öffnen. Schließlich laufen die Miet-, Neben- und teilweise auch die Personalkosten weiter. Die Folge sind verkürzte Öffnungszeiten“, erklärt Rambasky. Auch sie habe die Öffnungszeiten des Brillengeschäftes angepasst: Sie öffnet werktags eine halbe Stunde später und schließt eine halbe Stunde früher. Damit öffnet sie von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr.

Beim „SchuhHouse“ sind nachmittags ebenfalls schon die Lichter aus.
Beim „Schuh House“ sind nachmittags ebenfalls schon die Lichter aus. © Julian Preuß © Julian Preuß

Hinzu kommen weitere Faktoren, warum Öffnungszeiten verkürzt werden. „Beispielsweise muss geschaut werden, wie die Präsenz der Mitarbeiter aufrechterhalten werden kann, wenn sie sich in Kurzarbeit befinden“, beschreibt Rambasky. Absprachen zwischen den Inhaberinnen und Inhabern der Geschäfte habe es nicht gegeben. „Die Zeiten sind branchen- und inhaberabhängig“, so Rambasky.

Den Menschen in der Fußgängerzone bleibt somit oftmals nichts anders übrig, als die Schaufenster zu betrachten. „Es ist schade, dass die Geschäfte keine einheitlichen Zeiten haben“, findet ein Passant. „Trotzdem können wir froh sein, dass wir diese eingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten haben“, ergänzt er. Denn angesichts der weiterhin steigenden Corona-Fallzahlen können sich die Öffnungsbedingungen schnell wieder ändern.

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