In Höhe des Theaters kontrollierte die Polizei Autofahrer. Ab 21 Uhr galt am Montagabend die Ausgangssperre in Lünen. © Günther Goldstein
Coronavirus

Ausgangssperre in Lünen: Ordnungsamt und Polizei noch spät im Einsatz

„Warum sind Sie noch unterwegs?“ Auf diese Frage brauchen Menschen zwischen 21 und 5 Uhr seit Montag eine triftige Antwort. Nicht alle in Lünen hatten eine am Tag eins der Ausgangssperre.

Kurz nach Mitternacht am Montag (19. 4.) mussten die ersten 50 mit ihrem Auto rechts ranfahren auf der Höhe des Heinz-Hilpert-Theaters. Am Montagabend nach 21 Uhr folgten weitere.

Polizeibeamte haben die Verkehrsteilnehmer auf der Kurt-Schumacher-Straße zusammen mit Kräften des Lüner Ordnungsamtes kontrolliert – nicht weil sie zu schnell unterwegs gewesen wären, oder weil der Verdacht auf Alkohol am Steuer bestanden hätte. Ihr mutmaßliches Vergehen: Dass sie überhaupt fuhren – und nicht zuhause waren.


„Es muss ein triftiger Grund für das Unterwegssein vorliegen“, sagt Dr. Benedikt Spangardt, der Sprecher der Stadt Lünen, am Montagabend. Der Weg zur Arbeit, zum Notarzt, zu einem Sterbenden oder auch zum Lebenspartner – das sind solche Gründe. Spaziergänge zum Stressabbau oder zum Zigarettenholen gehören nicht dazu. So sieht es die aktuelle Allgemeinverfügung vor. Sie war nötig geworden, nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Unna – also die Zahl der Neuinfizierten je 100.000 Einwohner – hartnäckig über 200 lag. Nicht jedem, der am Montag in seinem Auto auf der Kurt-Schumacher-Straße oder anderswo angehalten wurde, war das klar. Auch nicht den vereinzelten Fußgängern. Das hätte teuer kommen können.

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So leer war es in Lünen am Tag 1 der Ausgangssperre

Teurer Spaziergang: 250 Euro können fällig werden – mindestens

Bis Montagabend gegen 21.30 Uhr beließen es die Ordnungskräfte aber noch bei Verwarnungen. Dabei ist der Verstoß gegen die Ausgangsbeschränkung keine Kleinigkeit, sondern eine Ordnungswidrigkeit – und kann mit 250 Euro geahndet werden. In anderen NRW-Kommunen – etwa im Rheinland, wo die Ausgangsbeschränkung schon länger gilt, – werden Corona-Sünder schon zur Kasse gebeten. Wer dabei auch noch gegen das Kontaktverbot verstößt und mit mehr als fünf Personen aus zwei Haushalten angetroffen wird, muss noch tiefer in die Tasche greifen: noch einmal 250 Euro. Solche Strafen kommen auch auf unbelehrbare Lünerinnen und Lüner zu.

Nicht erst seit Montag ist das Ordnungsamt in großer Teamstärke insbesondere in den Abend- und Nachtstunden unterwegs. „Schon das ganze Wochenende über hatte die Stadt Lünen ihre Streifen verstärkt“, sagt Benedikt Spangardt. Dazu seien Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen im Einsatz. Auch ein privater Sicherheitsdienst sei engagiert. Vor allem am Sonntag hätten die Ordnungskräfte im Stadtgebiet Präsenz gezeigt und viele Fragen zu den Ausgangsbeschränkungen beantwortet, sagt der Stadtsprecher.

Ausgangsverbot gilt erst einmal bis zum 26. April

„Wir werden auch weiterhin die Stadt Lünen im Zuge der Ordnungspartnerschaft bei den Kontrollen zwischen 21 und 5 Uhr unterstützen“, sagte eine Sprecherin der Dortmunder Polizei am Montagabend. Die Allgemeinverfügung – und damit das Ausgangsverbot – gilt vorerst bis zum 26. April.

„Wir müssen reden“: Einen Live-Talk zur nächtlichen Ausgangssperre im Kreis Unna gibt es bei uns am Dienstag, 20. April, ab 19 Uhr unter www.rn.de/wirmuessenreden

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe
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