Sind glücklich, dass die Risikoschwangerschaft in Corona-Zeiten ein gutes Ende genommen hat: Lisa und Christian Debernitz mit Oscar (r.) und Leano (l.). © Quiring-Lategahn
St.-Marien-Hospital

Schwanger mit Risiko: Wie eine Mutter in Lünen bange Wochen erlebte

Ein kurzer Moment, und die Schwangerschaft von Lisa Debernitz wurde zum Risiko. Ein Blasensprung in der 14. Woche ließ sie um ihr Baby bangen. Die Corona-Krise machte alles doppelt schwer.

Der Schock traf Lisa Debernitz am 4. Juli. Morgens um 5 Uhr merkte sie, dass etwas nicht stimmte. Die 30-Jährige war in der 14. Woche schwanger. Die Situation ließ sie das Schlimmste befürchten. Noch während sie ins St.-Marien-Hospital kam, hatte sie nur eine Sorge: „Ich dachte, ich werde das Kind verlieren.“ Ein vorzeitiger Blasensprung hatte aus der bis dahin normalen Schwangerschaft ein Risiko werden lassen.

Die Ärzte behielten sie gleich da und gaben ihr Medikamente. Darunter auch Antibiotikum gegen eine Infektion. „Das ist die Hauptgefahr“, erklärt Chefarzt Dr. Donat Romann. Fünf Wochen musste die junge Mutter in der Klinik sein und nur liegen. Ihr Mann konnte wegen des Besuchsverbots in der Corona-Krise erst nach zwei Wochen für zwei Stunden kommen, Sohn Oscar (5) gar nicht. Noch nie sei so lange von ihm getrennt gewesen. Lisa Debernitz war viel allein mit ihren Ängsten und Gedanken. Zum Glück gab es Video-Chats und damit die so wichtige Verbindung nach Hause.

Erste Bewegungen gespürt

Große Hoffnung konnten ihr die Ärzte nicht machen. „Ein Test hatte ergeben, dass Fruchtwasser abging“, erinnert sie sich an die erste Diagnose. Zusätzlich hatte sich an der Fruchtblase ein Hämatom gebildet, das größer wurde. Die Gefahr bestand, dass es sich um die Fruchtblase legen könnte. Keine gute Prognose.

Doch Lisa Debernitz ließ sich nicht unterkriegen. Als wollte sie sich und ihrem Baby Mut machen, habe sie ihren Bauch gestreichelt und sich immer wieder gesagt: „Wir schaffen das.“ An jenem 4. Juli konnte sie zum ersten Mal Leanos Bewegungen spüren. Für sie ein Zeichen der Hoffnung.

Heute spricht sie von einem Wunder. Auch der Chefarzt sagt, es sei selten, dass nach einem Blasensprung in der frühen Phase alles gut ausgehe. Lisa Debernitz ist fünf Wochen im St.-Marien-Hospital betreut worden, anschließend noch eine in Datteln, „weil es dort spezielle Untersuchungsgeräte gab“. Zuhause musste sie bis zur 35. Woche weiter liegen und jede Woche zur Kontrolluntersuchung. Doch mit jedem Tag, der verging, wuchs ihre Gewissheit, dass sich alles zum Guten wendet.

Der Arbeitgeber ihres Mannes hat die Familie unterstützt und ihn kurzzeitig freigestellt. So konnte er sich um Oscar kümmern. Der sollte in der Corona-Zeit nicht mehr in den Kindergarten. Die Familie wollte kein Risiko eingehen.

Kaiserschnitt zum Zuschauen

Das kleine Wunder kam am 6. Januar per Kaiserschnitt zur Welt. Leano bringt 4210 Gramm auf die Waage und ist 53 Zentimeter groß – genauso ein strammes Kerlchen wie sein Bruder damals. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen. Eigentlich war Leanos berechneter Geburtstermin der 9. Januar, bei einem Kaiserschnitt wird der Termin in der Regel einige Tage früher gewählt.

Dass die Schwangerschaft fast noch termingerecht verlief, hätte sie nicht zu träumen gewagt. In der Geburtsklinik des St.-Marien-Hospitals entschied sie sich für die so genannte „first look sectio“, den Kaiserschnitt zum Zuschauen, ohne Blut sehen zu müssen, aber doch aktiv unterstützen zu können. „Das war einfach einmalig, eine richtig schöne Erfahrung“, schildert Lisa Debernitz. Auch Oscar sei im St.-Marien-Hospital geboren worden, schon damals habe sie sich wohl gefühlt. Väter dürfen übrigens im Kreißsaal bei der Geburt auch weiterhin dabei sein, trotz der Corona-Krise.

Jetzt genießt die junge Familie das Zusammensein zu viert. Christian Debernitz (33) konnte sich nochmals vier Wochen frei nehmen. Oscar kümmert sich fürsorglich darum, dass Leano den Schnuller hat, wenn er ihn braucht. Für Familie Debernitz hat das Jahr mit einem besonderen Geschenk begonnen: „Ich bin einfach nur glücklich“, sagt die junge Mutter.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn
Lesen Sie jetzt