Marcel Piaszyk (mit Ball) war zuletzt bereits Co-Trainer von Axel Schmeing (zweiter von links) und hat als Spieler sogar noch unter ihm trainiert. © Art
Fußball-Westfalenliga

Vom Lehrling zum Boss: Marcel Piaszyk wird beim LSV der Chef seines einstigen Trainers

Der LSV bekommt nicht nur ein neues Trainer-Duo, sondern in Marcel Piaszyk auch einen neuen Sportlichen Leiter. Kurios: Vor einigen Jahren wurde er selbst noch vom neuen LSV-Trainer trainiert.

Im Sommer steht beim Lüner SV ein umfangreicher Kurswechsel auf dem Programm. Mit Axel Schmeing hat der Verein einen neuen Trainer installiert, der zuletzt erfolgreich beim Oberligisten Holzwickeder SC an der Seitenlinie stand. Sein bisheriger Co- und Torwarttrainer ist in Marcel Piaszyk jemand, der zu seiner aktiven Zeit selbst von Schmeing trainiert wurde. Beim LSV wird Piaszyk nun allerdings sogar der neue Chef seines einstigen Coaches.

Andere Rollenverteilung beim LSV

Es ist eine durchaus ungewöhnliche Konstellation, die da ab dem kommenden Sommer das sportliche Zepter beim Lüner SV in der Hand hält. Neben dem neuen Trainer Axel Schmeing wird Marcel Piaszyk als Sportlicher Leiter der neue starke Mann. Vor allem Piaszyk, der die letzten fünf Jahre in Holzwickede für Schmeing als Co- und Torwarttrainer tätig war, steht dabei vor einer neuen Herausforderung.

„Den Posten als Sportlichen Leiter des LSV zu übernehmen ist für mich eine wirklich besondere Aufgabe auf die ich einfach Mega-Bock habe“, betont Piaszyk. Der 36-Jährige kennt Axel Schmeing noch aus gemeinsamen Zeiten beim SV Brackel. Damals war Piaszyk noch Spieler und Schmeing sein Trainer. Diese Rollen werden sich in Zukunft gänzlich verändern.

Axel Schmeing ist noch bis zum Sommer Trainer beim Holzwickeder SC.
Axel Schmeing ist noch bis zum Sommer Trainer beim Holzwickeder SC. © Ophaus © Ophaus

„Es war schon in Holzwickede eine besondere Situation. Ich war zwar offiziell der Torwarttrainer, aber habe auch schon bei der Kaderzusammenstellung, personellen Entscheidungen und dem Scouting mitgewirkt. Ich habe immer schon ein bisschen mehr gemacht, als nur die reine Trainingsarbeit“, erklärt der ehemalige Torwart.

„Entscheidung ist gemeinsam gereift“

Die Entscheidung, die Zelte in Holzwickede abzubrechen und stattdessen in Lünen neu anzufangen, sei ihm dabei keinesfalls leicht gefallen. Gerade, weil Piaszyk nur knapp 50 Meter vom HSC-Stadion entfernt wohnt. „Die Verbindung zu Holzwickede ist natürlich groß und ich kenne viele Menschen im Verein wirklich lange“, so Piaszyk, „aber das Konzept, die Möglichkeiten und auch die neue Position beim LSV haben mich einfach davon überzeugt, dass dieser Wechsel richtig ist.“

Schlussendlich habe insbesondere das enge Verhältnis zu Axel Schmeing laut Piaszyk dazu geführt, dass man sich dazu entschloss, gemeinsam den Weg zum LSV zu gehen. Dennoch sei es eine Entscheidung gewesen, die sowohl Schmeing als auch der neue Sportliche Leiter individuell entschieden.

„Letztlich muss es jeder für sich selber klar haben. Aber Axel und ich haben uns natürlich unterhalten und die Entscheidung ist am Ende dann auch gemeinsam gereift“, betont der 36-Jährige. Ein Weg, der vor allem für Piaszyk neue Aufgaben bereithält, die ihm aber auch in beruflicher Hinsicht entgegenkommen.

Der einstige Spieler wird zum neuen Chef

Als Gebietsleiter bei einem Energiedienstleisters ist der Familienvater im Normalfall häufig unterwegs, weshalb sich eine regelmäßige Teilnahme am Training auch schon in Holzwickede zuletzt zunehmend schwer gestaltete. Diese Verpflichtungen fallen in der neuen Position weg. Ein Vorteil.

„Natürlich werde ich auch mal beim Training vorbeischauen, aber ich muss nicht zwangsweise immer präsent sein. Das war auch ein wichtiger Grund für mich, diesen Wechsel zu vollziehen“, so Piaszyk. Der einstige Lehrling wird beim Lüner SV somit zum Chef seines ehemaligen Trainers. Strukturen, die möglicherweise Probleme mit sich bringen?

Daran verschwendet der Noch-Co-Trainer keine Gedanken: „Ich bin jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Axel und ich kennen uns schon lange. Wir wissen beide wie der andere tickt und hatten auch in der Vergangenheit schon Auseinandersetzungen. Trotzdem ist mir da überhaupt nicht bange.“

Kaderzusammenstellung eine Menge Arbeit

Auch der Wechsel von der Trainerbank in die sportliche Führungsetage bereitet dem 36-Jährige keine Kopfschmerzen. „Wir haben unterschiedliche Aufgabenbereiche und die können wir trennen. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass ich mich bei einem Spiel auch mal auf die Bank setze, aber die Entscheidungen trifft natürlich Axel“, betont Piaszyk.

Derweil tüftelt die neue Sportliche Leitung um Schmeing und Piaszyk bereits am Kader für die neue Spielzeit. Angesichts der aktuellen Ausnahmesituation kein leichtes Unterfangen. Man habe Piaszyk zufolge zwar schon einige Gespräche mit den aktuellen Spielern geführt, dennoch sei es schwierig, eine endgültige Beurteilung abzugeben.

„Wir wollen uns gegenseitig erst einmal richtig kennenlernen und überlegen natürlich auch schon, wie wir den Kader für die Zeit nach dem Sommer zusammenstellen können. Das ist eine Menge Arbeit, aber wir denken da einfach positiv“, so Piaszyk, der zu konkreten Personalentscheidungen unterdessen noch keine Aussage treffen konnte.

Über den Autor
Volontär
Aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz.
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Marius Paul
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