Amateurfußball

Schiedsrichter muss für zu lauten Pfiff Geldstrafe zahlen – Legende bietet Hilfe an

Weil er zu laut pfiff, musste sich ein Schiedsrichter bereits zum zweiten Mal vor Gericht verantworten. Der Unparteiische muss dem klagenden Fußballer nun eine vierstellige Geldstrafe zahlen.
Für einen zu lauten Pfiff musste sich ein Schiedsrichter nun vor dem Zivilgericht verteidigen. © dpa

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass sich auf einem Fußballplatz in Wiesbaden etwas ereignete, das neulich ein Gericht beschäftigte. Im damaligen Spiel der Kreisliga B zwischen der SpVgg Sonnenberg II und dem SC Klarenthal pfiff der Unparteiische Pierre Hachkler in seine Pfeife – das hat nun Folgen für den Schiedsrichter.

Mit seinem Pfiff wollte Hackler im Oktober 2018 eine Rudelbildung unterbinden. Dabei kam er einem der Amateurfußballer auf dem Platz offenbar zu nah. Denn der Kicker verklagte den Schiedsrichter aufgrund des zu lauten Pfiffs wegen Körperverletzung.

Schiedsrichter steht vor dem Zivilgericht

Was irre klingt, hat sich so tatsächlich zugetragen. Der Fußballer gab an, seit dem Pfiff unter Tinnitus zu leiden – und bekam vor einem Gericht tatsächlich recht. Wegen einer „Übersprunghandlung“ verurteilte das Gericht Hackler zu 80 Sozialstunden. Das geschah bereits im Sommer 2020.

Nun trafen sich der Fußballer und Hackler vor dem Zivilgericht wieder. Bereits seit Anfang des Jahres war bekannt, dass der Spieler 5000 Euro Schmerzensgeld von dem Schiedsrichter fordert. „So einen lauten Pfiff hatte ich noch nie gehört. Ich habe den Schiedsrichter angeschrien und mehrmals gefragt, was das soll“, hatte der Fußballer kurz nach der Partie 2018 dem „Wiesbadener Kurier“ gesagt.

Auch die Zivilklage vor dem Landgericht Wiesbaden hatte auch Sicht des Fußballers Erfolg. Hacklers Anwalt hatte dem Unparteiischen empfohlen, sich mit dem klagenden Fußballer auf eine Summe zu einigen. Genau die Hälfte der geforderten 5000 Euro zahlt Hackler nun.

2500 Euro Strafe für den Schiedsrichter

Die 2500 Euro muss der Schiedsrichter nun innerhalb der nächsten zwei Jahre in monatlichen Raten abbezahlen. „Direkt einig waren wir uns nicht, ich wollte auf die Unschuld hingehen, aber wir haben dann hochgerechnet, was in den nächsten Prozesstagen passieren und das Ding langjährig werden könnte. Da hatte ich keinen Bock drauf – lieber kurz und schmerzlos“, sagte Hackler gegenüber „RTL“.

Die Pfeife, die Ausgangspunkt seines Übels war, könnte Hackler nun an den Nagel hängen. Das hatte er zumindest angekündigt, sollte der Prozess gegen ihn entscheiden werden. „Irgendwie würde ich ja gerne weiterpfeifen, irgendwas sagt in mir aber auch: Wofür, wenn sowas passieren kann? Ich muss noch einmal darüber nachdenken“, sagte er zu „RTL“.

Angebot von Urs Meier

Sogar der ehemalige Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier hat von dem Fall mitbekommen. In seinem Podcast äußerte er sein Unverständnis für die Entscheidungen der Justiz.

„Ein richtig lauter Pfiff gehört zum Schiedsrichter dazu. Ich möchte als Schiedsrichter so eine Rudelbildung ja auflösen und die Spieler damit schützen. Dass ich da laut pfeife und der Spieler in der Hektik des Gefechts mit seinem Ohr zu nahe an die Pfeife kommt, das kann passieren“, sagt Meier in seinem Podcast.

Er bietet Hackler sogar seine Unterstützung an. „Ich würde gerne mal mit ihm telefonieren, er soll sich bei mir melden“, so Meier.

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