Die Jagd auf talentierte Spieler aus den überkreislichen U19-Teams hat längst begonnen. Allerdings ist dieses Jahr vieles anders wegen der Corona-Pandemie. © Nils Foltynowicz
Fußball

Sprung ins Ungewisse: Der Wechsel von den Junioren zu den Senioren in Corona-Zeiten

Die ältesten A-Jugend-Fußballer müssen in diesem Frühjahr entscheiden: Bleiben oder Vereinswechsel oder gar ganz Aufhören? Aus den Jugend wachsen sie raus. Wegen Corona ist vieles anders.

Lockdown, Sport-Verbot, fußballfreie Zeit – für die Altjahrgänge der A-Jugend ist es eigentlich ein richtungsweisendes Jahr. Eins, in dem sie sich noch einmal den Seniorenmannschaften präsentieren können, bevor sie dann den Sprung zu den Erwachsenenteams wagen. Wegen der Corona-Pandemie ist dieses Jahr jedoch alles anders. Doch darin steckt auch eine Chance.

Hanno Deisenroth ist erst seit einigen Monaten wieder beim SuS Kaiserau für die Sportliche Leitung der U12 bis hoch zur U19 zuständig. Er weiß, dass das zweite U19-Jahr für die fußballerische Entwicklung der Nachwuchskicker noch einmal wichtig wird. „Die Frage ist doch“, findet Deisenroth, „ob die Jungs langfristig weiter Fußball spielen oder nicht.“

Der Übergang zu den Senioren ist der größte Sprung, den Fußballer in ihrer Karriere machen. Plötzlich spielen die 19-Jährigen nicht mehr gegen Gleichaltrige, sondern treffen auch mal auf einen Mitt-30er-Abwehrhünen, der die jungen Kicker mit seiner Erfahrung plötzlich abkocht. „Das ist eine enorme Stufe und doch eine ganz andere Gangart. Das verträgt nicht jeder“, weiß Deisenroth.

Die Zeit der Verhandlungen hat begonnen

Normalerweise wäre gerade jetzt die Zeit, wo verhandelt wird, wo junge Spieler abwägen müssen, ob sie es mal in einer höheren Liga versuchen oder in die Kreisliga gehen. Wo ihnen auch manchmal das Blaue vom Himmel versprochen wird, wenn windige Klubs die Talente locken wollen. Kurz: Für die Entwicklung – egal in welche Richtung – kann das Jahr wichtig sein. Vorspielen können die Kicker dabei derzeit nicht.

Doch der SuS Kaiserau, der gleich zwei U19-Teams stellt und etwa 40 aktive Mitglieder in der Altersklasse hat, sieht sich dennoch gut gerüstet – trotz Corona. „Idealerweise sollten die A-Jugendlichen schon vorher rangeführt werden“, sagt Sascha Jugendleiter Tiefenbach.

Kaiserau setzt auf persönliche Kontakte beim Binden der U19-Spieler

Der normale Weg sei, dass die Spieler regelmäßig gesichtet werden und von Simon Erling, Sportlicher Leiter des SuS, angesprochen werden. Für den Landesliga-Kader etwa würden talentierte Jugendliche schon zum Training eingeladen. „Wir wollen so die Hemmschwelle absenken“, erklärt Tiefenbach.

Vermeiden möchte der Verein durch eine vorausschauende Planung auch, dass erst im Frühjahr urplötzlich auffällt, dass Kaderplätze frei sind. Und: „Wir haben klar gesagt, dass wir gerne alle für die Senioren halten würden, wenn sie zum Verein passen“, sagt Tiefenbach.

„Wer zum Saisonbeginn zu uns gewechselt ist, konnte sich nur im September und Oktober zeigen.“

Sascha Tiefenbach, Jugendleiter SuS Kaiserau

Dabei setzen die Kaiserauer auf das Zusammengehörigkeitsgefühl, auf Freundschaften außerhalb des Rasens und persönliche Kontakte – mannschaftsübergreifend. Deswegen, sagt Tiefenbach, müsse sich beim SuS Kaiserau auch in Corona-Zeiten kein Spieler neu präsentieren. „Wer natürlich zum Saisonbeginn zu uns gewechselt ist, konnte sich nur im September und Oktober zeigen“, merkt Tiefenbach an. Das Versprechen, auch diesen Spielern Kaderplätze bei den Senioren anzubieten, bleibt jedoch.

Zaungäste und Sportchefs stehen nicht mehr Schlange

Doch der SuS Kaiserau könnte sogar von der spielfreien Zeit und dem Trainingsverbot profitieren. Denn die Kiebitze, die bei Bezirksliga-U19-Spielen oft am Zaun stehen und Spieler für ihre Kreis- und Bezirksligateams rekrutieren wollen, bekommen in dieser Saison bislang kaum etwas zu sehen. Tiefenbach: „Das stimmt, obwohl der Ansatz theoretisch ist. Trainer, die länger dabei sind, haben aus jedem Jahrgang Namen, die auf dem Zettel stehen.“

Dass den SuS Kaiserau in diesem Jahr also eine ganze Reihe Altjahrgänge in andere Senioren-Teams verlassen könnten, hält Tiefenbach wegen der beschriebenen Strukturen für unwahrscheinlich. „Die meisten, die uns verlassen, gehen, weil es aus schulischen, arbeitstechnischen oder zeitlichen Gründen woanders besser klappt“, so Tiefenbach.

SuS Kaiserau will Zwei-Klassen-Unterschied schließen

„Es gibt natürlich noch die, die sich in der Landesliga sehen, die wir aber nicht in der Landesliga sehen“, sagt der Jugendleiter. Eine Lücke im Kaiserau-System würde Tiefenbach dennoch gerne schließen. „Wir haben eine unbesetzte Klasse“, sagt er und meint damit die Bezirksliga. Aktuell verfügt der Klub unter der Landesliga über eine A-Liga- und eine B-Liga-Mannschaft – zwei Klassen Unterschied. Zusätzlich Bezirksliga-Fußball würde die Attraktivität des SuS für die eigene Jugend noch erhöhen – mit oder ohne Corona.

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Redakteur
Sportler durch und durch, der auch für alle Sportarten außerhalb des Fußballs viel übrig hat. Von Hause aus Leichtathlet, mit einer Faszination für Extremsportarten, die er nie ausprobieren würde. Gebürtig aus Schwerte, hat volontiert in Werne, Selm, Münster und Dortmund.
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