Franz-Josef Dahlmann Junior (41) ist sich seines Privilegs bewusst, dass er zurzeit an Reitturnieren teilnehmen darf. © Neumann
Reitsport

Privileg für B-Lizenz-Reiter Dahlmann Junior – und die anderen haben die „Arschkarte“

Manch einer darf an Reitturnieren teilnehmen, andere wiederum nicht. Der Fröndenberger Berufsreiter Franz-Josef Dahlmann Junior zeigt Verständnis für Kritik, rechtfertigt die Situation aber.

Während in Schulen derzeit nur Distanzunterricht möglich ist und das gesellschaftliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Krise wohl bis über den 31. Januar hinaus stark eingeschränkt bleiben muss, durften bislang dennoch weiterhin Reitturniere – etwa in der Massener Heide und in Warstein – stattfinden. Jedoch sind für diese Turniere bei Weitem nicht alle Reiter zugelassen. Schon gar nicht für Zuschauer.

Ein Springreiter, der das Privileg genießt, derzeit solche Turniere zu gehen, ist der Berufsreiter Franz-Josef Dahlmann Junior vom RV Fritz Sümmermann Fröndenberg. „Für mich persönlich ist es ein großes Glück, dass ich zurzeit an Turnieren teilnehmen darf,“ sagt der 41-jährige Inhaber der B-Lizenz, die für die Teilnahme an Turnieren in der aktuellen Phase verpflichtend ist.

„Auf gewisse Weise habe ich auch Verständnis für die Kritik.“

Franz-Josef Dahlmann

Er kann verstehen, wenn das nicht jeder gut findet. „Die Gefahr ist natürlich groß, dass manche Leute einem das übel nehmen, dass wir aktuell an Reitturnieren teilnehmen. Auf gewisse Weise habe ich auch Verständnis für die Kritik, aber für die Ausbildung der Pferde ist es einfach wichtig, dass solche Turniere stattfinden“, so Dahlmann weiter.

Für die anderen Reiter, die nicht an Turnieren teilnehmen dürfen, tut es ihm leid. „Leider ist die Situation so. Die anderen Reiter haben – auf gut deutsch gesagt – leider die Arschkarte. Das soll nicht heißen, dass sie schlechter reiten. Für sie ist es einfach eine sehr blöde Situation“, sagt Dahlmann.

Wird auch der Reitsport komplett runtergefahren?

Wie lange er noch das Glück haben wird, solche Turniere zu gehen, weiß aber auch Dahlmann nicht: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass auch der Reitsport komplett runtergefahren wird. Ich will es nicht hoffen, aber ich befürchte es.“

Dahlmann glaubt, dass auch Reitturniere bald nicht mehr stattfinden dürfen. Das sei jedoch schlecht für die Entwicklung der Pferde. © Michael Neumann © Michael Neumann

Am Dienstag, 19. Januar, gibt es erneut ein Bund-Länder-Treffen zur aktuellen Corona-Lage. Dann könnte es auch neue Informationen zum Thema Reitsportveranstaltungen geben – und Klarheit, ob diese weiterhin stattfinden dürfen oder nicht.

Keine Lehrgänge, kein Unterricht – Einnahmen gehen verloren

Doch auch jetzt schon gibt es für Dahlmann starke Einschränkungen. „Ich kann keine Lehrgänge anbieten und keinen Unterricht geben. Da ist derzeit in NRW totaler Stillstand. In Hessen weiß ich, dass dort Einzel-Unterricht stattfinden darf“, sagt er.

Dadurch, dass das in NRW nicht möglich ist, gehen ihm Einnahmen verloren. „Dazu kommt, dass auch die Preisgelder auf den Turnieren bei Weitem nicht mehr so hoch sind, wie in normalen Zeiten“, so Dahlmann weiter, der als Berufsreiter auch von diesen Geldern lebt.

Ausbildung der Pferde würde unter einem Turnierverbot leiden

Sollten nun auch Turniere für Reiter mit B-Lizenz untersagt werden, würde das den Tieren nicht guttun, so Dahlmann: „Für ihre Entwicklung der Pferde wäre das schlecht – gerade für die jüngeren. Dadurch würden sie langsamer lernen. Aber auch die älteren Pferde rosten irgendwann ein.“

Und weiter: „Klar, brauchen die Pferde auch Pausen. Aber es ist schon ein großer Unterschied, ob die Tiere auf der heimischen Anlage reiten, wo es sich einfacher anfühlt, oder auf Turnieren in den Wettkampf treten. Das ist eine ganz andere Situation. Man will ja nicht den Anschluss verlieren.“

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann
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