Alles im Griff: Max Hohl hält beim aktuellen Spitzenreiter Kamener SC den Kasten sauber. Beim Fußball steht er im Tor. © Michael Neumann
Fußball

Multi-Sportler Max Hohl: „Ich komme oft noch in Fußball-Klamotten zum Handballspiel“

Die Kreisliga-Kicker kennen ihn - die Handballer aber auch. Max Hohl steht beim KSC im Tor und verteilt im Rückraum des HC Hereen die Bälle. „Schon verrückt“, wie der 22-Jährige sagt.

Mit dem Kamener SC führt Torwart Max Hohl aktuell die Kreisliga A an. Beim HC Heeren spielt er zudem Handball, ist auf Rückraummitte eine feste Größe. Unsere Sportredaktion sprach mit dem Multi-Sportler aus Kamen, der das Grundschullehramt studiert, über die zwei beliebten Hobbys, die Mitspieler des KSC, den „HC Hoefti“ und die Zukunft – nach Corona.

Corona bestraft Sie gerade doppelt, denn Sie dürfen weder Fußball noch Handball spielen. Welche Sportart liegt ihnen mehr?

Das ist für mich als absoluten Mannschaftssportler sehr hart, dennoch geht meiner Ansicht nach die Gesundheit aller vor und hat für mich Priorität. Dennoch gehe ich gerne Joggen und kann mich so ganz gut fit halten. Ich kann diese Frage schwierig beantworten, müsste man mal beide Trainer fragen. Ich würde jetzt erstmal mit Fußball antworten, weil ich damit auch zuerst angefangen habe und nun seit knapp 18 Jahren den Sport betreibe, Handball erst 16 Jahre.

Bis zur A-Jugend haben Sie auch im Handball im Tor gestanden, nun sind Sie Feldspieler, warum?

Ich habe die komplette Zeit im Handball über im Tor gestanden, es hat mir als Kind damals am meisten Spaß gemacht und hatte auch irgendwie nie diesen Sinneswandel, der mir in der A-Jugend kam. Ausschlaggebend, das weiß ich noch ziemlich genau, war ein Training mit den zweiten Senioren beim VfL Kamen. Man konnte ja mit 17 Jahren schon das Doppelspielrecht beantragen und da mein drei Jahre älterer Bruder Tim Hohl, bei dem ich eigentlich auch die komplette Jugendzeit aushalf, damals schon bei den Senioren spielte, holte er mich dann dazu. Ungefähr ein Jahr später bekam ich in einem Training mehrere Bälle ins Gesicht und in den Bauch, überdurchschnittlich viele, und dann habe ich entschieden ins Feld zu gehen. Wenn dieses Training nicht gewesen wäre, wäre ich vielleicht heute noch Handball Torwart. Ein weiterer Grund könnte auch das damalige Trainergespann aus Michael Martinovic und Dirk Steffens gewesen sein, die mir bei diesem Weg keine Steine in den Weg legten.

Warum kommt der Wechsel ins Feld nicht auch beim Kamener SC?

Die Jugendzeit war ich hier ziemlich unentschlossen und wechselte gefühlt von Jahr zu Jahr meine Position. Das lag aber auch an einem Trainer in der C-Jugend, der damals mit meiner Größe nicht zufrieden war und mich deshalb nicht mehr ins Tor stellen wollte. Ab dem zweiten C-Jugend-Jahr war ich dann bis jetzt im Tor und dort fühle ich mich auch immer noch am Wohlsten, deshalb kommt hier der Wechsel für mich nicht in Frage.

In der Kreisliga A (2) sind Sie erfolgreich unterwegs und Spitzenreiter. Reicht es am Ende für den KSC zur Meisterschaft?

Da haben sie Recht. Wir haben, abgesehen von den ersten beiden Spielen, starke Leistungen abgerufen und uns diesen Platz verdient. Wenn man einmal da oben ist, will man natürlich auch dort bleiben und dafür arbeiten. Ich hoffe, dass es am Ende reicht, aber mit dem SuS Oberaden und Rot-Weiß Unna ist die Konkurrenz natürlich sehr groß.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken Ihrer KSC-Kollegen, die im Feld spielen?

Wir haben natürlich – trotz unserer beiden vergangenen Spielzeiten – im offensiven Bereich speziell noch mal Verstärkung bekommen mit Pascal Kupfer, Mücahit Kücükyagci und Kimi Denninghoff, die ihren Job da vorne richtig gut machen. Aber auch ein Hasan Bastürk und ein Furkan Kücükyagci haben uns nochmal stabilisiert. Dieses Jahr fühle ich aber auch noch mehr mannschaftliche Geschlossenheit. Insgesamt haben wir einen guten Mix aus jungen Wilden und erfahrenen Hasen.

HC Heeren Max Hohl
Max Hohl (Mitte) beim Handball in Aktion. Mit dem HC Heeren geht der 22-Jährige in der Bezirksliga auf Torejagd – wenn die Saison wieder beginnt. © neumann © neumann

Im Handball läuft indes gar nichts. Es gab einen Sieg gegen den TV Werne, dann war es das corona-bedingt schon wieder. Wie geht´s hier Ihrer Meinung nach weiter?

Wenn ich das so genau wüsste. Der Handballkreis Hellweg ist anscheinend nun den Weg gegangen die eine Bezirksliga in zwei Ligen aufzuteilen, um doch Hin- und Rückspiele zu absolvieren. Die ersten Spiele sollen ab dem 9. Januar wieder stattfinden, warten wir es ab.

Einige nennen Ihren Club auch „HC Hoefti“, weil Dominik Hoeft der Schlüsselspieler ihrer Mannschaft ist. Ohne Ihn würden Sie nicht in dieser Liga spielen?!

Es ist nicht abzustreiten, dass „Hoefti“ der Schlüsselspieler ist. Allerdings, ich bin ja auch jetzt erst die zweite Saison in Heeren, haben wir als Team beispielsweise ein Unentschieden gegen den letztjährigen Meister SGH Unna Massen ohne „Hoefti“ geholt. Das soll seinen Stellenwert nicht schmälern, aber es soll zeigen, dass auch die Mitspieler ihre Qualitäten haben. Speziell bin ich gespannt auf das, was wir noch entwickeln können. Wir sind eine junge Truppe mit ein paar Spielern, die sogar noch eine Saison A-Jugend vor sich haben. Das erste Spiel diese Saison gegen Werne war schon eine starke Leistung, ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können, wenn es wieder los geht.

Sie haben im Handball und im Fußball im Tor gestanden. Welche Unterschiede gibt es, welche Parallelen?

Also die größte Parallele ist, das Tor sauber zu halten. Ich habe mir aber schon häufiger diese Frage gestellt. Im Handball-Torhüter hast du aber einen besonderen Fokus auf das Spiel, nicht umsonst bezeichnet man die als „verrückt“. Man konzentriert sich mehr auf sein Spiel, klar bekommt man mit, was die anderen machen. Man hat auch Situationen in denen man mit einem Gegenstoß-Pass ein Tor einleitet, aber es ist im Fußball anders. Im Fußball hat es sich aber auch ein wenig gewandelt. Durch die Generation Neuer ist es noch wichtiger, ein Torwart muss auch fußballerisch fit sein und mitspielen können. Man hat mehr Einflüsse und die Kommunikation hat einen deutlich höheren Stellenwert.

Gibt es schon einmal Überschneidungen? Haben Sie an einem Tag auch schon zwei Mal gespielt – Fußball und Handball?

Tatsächlich sind sogar echt viele Überschneidungen, aber zum Glück nur vom Tag her. Die Fußballspiele sind festgesetzt und wenn wir nicht gerade auswärts bei einer Reserve antreten immer um 15 Uhr. Unsere Handballspiele sind meistens sonntags um 18 Uhr, da passt das sehr gut und eigentlich komme ich dann immer zum Handballspiel in Fußball-Klamotten. Das kommt seit dem Wechsel nach Heeren oft vor. Beim VfL Kamen – meinem Heimatverein im Handball – haben wir ja meist samstags gespielt.

Wenn Sie sich entscheiden müssten, welche Sportart würden Sie nehmen und warum?

Die schwerste Frage natürlich zum Schluss, war klar. Ich denke jeder der mich kennt, der weiß, dass ich darauf keine Antwort geben kann. Ich bin Mannschaftssportler durch und durch und hoffe, dass ich mich noch lange Zeit nicht entscheiden muss und so weitermachen kann. Vielleicht kommt irgendwann der Tag an dem ich mich entscheiden muss, Fakt ist, zum jetzigen Zeitpunkt und die letzten 16 Jahre konnte ich es nicht.

Glauben Sie, dass in einem Jahr rein sportlich alles wieder seinen gewohnten Lauf nimmt?

Sagen wir mal, ich hoffe es. Ich vermisse den Sport und die Jungs schon, es muss aber gewährleistet sein, dass die Gefahr nicht mehr groß ist, dass es erneut zu einem rapiden Anstieg der Infektionszahlen kommt. Es kann ja keiner so genau sagen, wann es endet, aber ich hoffe, dass wir die nächste Saison wieder normal angehen können.

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Redaktion Lokalsport
67er Jahrgang aus dem Herzen Westfalens. Lokaljournalist durch und durch, seit über 25 Jahren mit dem geschärften Blick auf das Sportgeschehen zwischen Lippe und Ruhr.
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