Gerade im Nachwuchsbereich befürchtet der Verband einen Mitgliederschwund. © Archiv
Handball

Mit der Salamitaktik zurück in den Spielbetrieb

Der Amateursport lief in dem nun fast abgeschlossenen Jahr 2020 nur auf Sparflamme. Das gilt indes nicht für alle Bereiche - einige hatten auch mehr zu tun, als es ihnen lieb war.

Die Kreis- und Verbandsvorstände mussten immer wieder neue Pläne aus der Schublade zaubern, um einen Weg für die Fortführung des Spielbetriebs präsentieren zu können. Betroffen davon war und ist auch Wilhelm Barnhusen, Präsident des Westfälischen Handballverbands. Der nahm sich die Zeit und stand der Sportredaktion für ein Gespräch zur Verfügung.

Wenn Sie es rückblickend beurteilen müssen: Gibt es etwas, was Sie in der Diskussion um coronabedingte Maßnahmen, die der Verband treffen musste, besonders geärgert hat?

Im Großen und Ganzen war der Zusammenhalt der Vereine bisher gut, wir haben eine Menge Solidarität erfahren. Meine Vorstandskollegen haben aber auch sehr gute Vorarbeit geleistet. Sicher gab es auch Einzelne, die mit unseren Entscheidungen nicht immer einverstanden waren. Aber das war die deutliche Minderheit.

Was wurde denn bemängelt?

Wir haben zuletzt zum Beispiel für alle Jugendligen Online-Sitzungen abgehalten. Da gab es durchaus Meinungen, wir sollten einen klaren Schnitt machen und die Saison für den Nachwuchs für beendet erklären. Unsere Salamitaktik wurde eben kritisiert. Doch gerade die ist richtig. Wir dürfen vor allem den Kindern und Jugendlichen nicht die Hoffnung nehmen, dass diese Saison noch einmal gespielt wird.

Wilhelm Barnhusen
Wilhelm Barnhusen ist noch bis 2022 als WHV-Präsident gewählt. © Friehs © Friehs

Wie ist dafür der Plan?

Wann es wieder los geht, kann natürlich niemand sagen. Aber: Wir haben bis zum 30. Juni Zeit. Es kann sein, dass wir nur einfache Runden oder sogar nur Turniere spielen lassen. Hauptsache ist, dass die Kinder wieder aktiv werden.

Und wie sieht es bei den Männern und Frauen aus?

Zunächst hoffe ich mal, dass der zweite Lockdown etwas bringt. Vielleicht können wir ja im Januar wieder in die Halle und die Meisterschaft wird im Februar oder März fortgesetzt. Eine doppelte Runde ist sicher nicht mehr drin, vielleicht müssen wir die Staffeln noch einmal aufteilen. Wir müssen einfach abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt.

„Ganz erlassen können wir die Beiträge den Vereinen allerdings nicht, sonst wären wir ja insolvent.“

Wilhelm Barnhusen

Wie sieht der konkrete Zeitplan aus?

Am 9. Januar findet eine Online-Sitzung des erweiterten HVW-Präsidiums statt. Beteiligt sind daran auch die Kreisvorsitzenden. Im Januar gibt es zudem Online-Staffeltage für die Männer- und Frauenligen. Der Termin steht noch nicht fest.

Müssen die Vereine eigentlich Spielbeiträge an den Verband zahlen, obwohl die Saison ruht?

Wir sehen schon, dass die Vereine entlastet werden. So ziehen wir zum Beispiel die DOSB-Beiträge nicht ein. Ganz erlassen können wir die Beiträge den Vereinen allerdings nicht, sonst wären wir ja insolvent.

Haben Sie schon Kenntnis darüber, ob die Mitgliedszahlen im HVW sinken?

Die Mannschaftzahlen werden zwei Mal im Jahr ermittelt. Am 1. Juli waren die Zahlen stabil, der nächste Termin ist der 1. Januar. Die genauen Zahlen kenne sich so natürlich noch nicht, ich habe aber gehört, dass es im Bereich des jüngsten Nachwuchs Abmeldungen gibt.

Wie sieht ihre persönliche Zukunft beim WHV aus?

Gewählt bin ich noch bis 2022. Ob ich dann zum dritten Mal antrete, muss ich sehen. Ich bin dieses Jahr 70 geworden. Bleibe ich gesund und wird es gewünscht, kann es durchaus sein.

Über den Autor
Redaktion Lokalsport
Geburtsjahr 1956, früherer Handballer, erst Freier Mitarbeiter und nun seit „Urzeiten“ Sportredakteur im Verlagshaus Rubens. Sechsfacher Opa, zeitlich gut ausgelastet. Familienmensch, der gern mit Freunden unterwegs ist.
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Michael Friehs
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