Die Sportanlagen sind geschlossen, es ist offen, wann es wieder weiter geht. © BERND PAULITSCHKE
Sportpolitik

Amateursport: Re-Start im Januar steht auf der Kippe

Der Meisterschaftsbetrieb wird in diesem Jahr nicht mehr aufgenommen. Deshalb wird sich auch im Januar daran nichts ändern.

Ganz Deutschland hat am Mittwoch gespannt auf die Erklärung der Bundeskanzlerin zur Coronakrise geblickt um zu erfahren, welche Maßnahmen beschlossen wurden, um die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen. Das gilt in besonderem Maße auch für die zahlreichen Amateursportler, die nun schon seit Wochen und Monaten zum Nichtstun verurteilt sind. Und das wird auch weiterhin so bleiben, denn auch im Dezember verbieten die zum Teil sogar verschärften Regeln die Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebs. Alle Verbände hatten sich darauf schon eingestellt und die Spielpause schon vorher bis in den Januar verlängert.

Der Sport wurde in dem von Bund und Ländern vorgestellten Beschluss aber überhaupt nicht erwähnt. Obwohl fast alle die Corona-Maßnahmen verstehen, hatten sich einige auch Lockerungen gewünscht. Der FLVW hatte etwa den Wunsch geäußert, den Trainingsbetrieb für Kinder und Jugendliche wieder zu ermöglichen. Doch die weiterhin angespannte Infektionslage ließ diese Lockerung einfach nicht zu. „Ich gehe davon aus, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist“, sagt Manfred Schnieders, Vize-Präsident des FLVW. Er habe allerdings noch keine Rückmeldung von Land erhalten. Gesundheitspolitik ist wie die Bildungspolitik Ländersache in Deutschland. Dass NRW aber von den nun gefassten Beschlüssen abweicht, sei nicht zu erwarten, meint Schnieders. Er glaube auch nicht, dass eine Nichterwähnung mit einer fehlenden Lobby des Amateursports zu tun habe. „Der Freizeitsport wird in gleicher Weise gesehen wie etwa Fitnessstudios, nur das dort noch ein Geschäfts-Interesse dranhängt“, sagt der FLVW-Vize. Was den Vereinssport ausmache, seine Begegnungen und gesellschaftlichen Verbindungen seien das, was gerade nun mal Probleme bereite. „Wir müssen uns einreihen“, resümiert Schnieders.

Zu erwarten, dass sich die Lage nach Freigabe des so sehnsüchtig erwarteten Impfstoffes schnell ändert, ist auch nicht zu erwarten. In NRW, so der am Donnerstag veröffentlichte Zeitplan, wird der „Normalbürger“ wohl erst Mitte des kommenden Jahres geimpft werden können. In der ersten Phase sind die Pflegebedürftigen an der Reihe, in der zweiten folgen ambulant tätige Pflegekräfte und Personal der kritischen Infrastruktur – etwa Feuerwehrleute und Polizisten. Die Massenimpfung der Bevölkerung erfolgt ab Mitte 2021 über die Hausärzte.

Dabei drängt die Zeit, wenn die Saison 20/21 halbwegs „normal“ über die Bühne gebracht werden soll. Der Spielplan im Fußballkreis Unna/Hamm sieht zum Beispiel vor, dass bereits am 17. Januar wieder um Punkte gespielt werden kann. Im Handballkreis Hellweg sind die ersten Partien sogar schon für den 9./10. Januar angesetzt. Bevor es aber losgehen kann, muss den Aktiven aller Sportarten zunächst die Möglichkeit gegeben werden, sich nach der langen Pause wieder in Form zu bringen.

Selbst wenn dies klappen sollte, kommt es aber in erster Linie darauf an, dass die Infektionszahlen deutlich sinken. Ob dies nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel realistisch ist, dürfte fraglich sein. Es sieht vielmehr danach aus, dass die Pause im Amateursport länger dauert und auch die aktuellen, schon jetzt der Coronakrise angepassten Spielpläne nicht umgesetzt werden können.

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Redaktion Lokalsport
Geburtsjahr 1956, früherer Handballer, erst Freier Mitarbeiter und nun seit „Urzeiten“ Sportredakteur im Verlagshaus Rubens. Sechsfacher Opa, zeitlich gut ausgelastet. Familienmensch, der gern mit Freunden unterwegs ist.
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Michael Friehs
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