Seit sechs Jahren hält er die Knochen für den HSC hin, doch im Sommer geht Mirco Gohr (r.) zum Kreisligisten VfL Kamen. © Art
Fußball

Mirco Gohr über Kritik am Kamen-Wechsel: „Was denken die Leute, was man in der Liga verdient?“

Nach sechs Jahren macht Mirco Gohr Schluss mit dem Holzwickeder SC. Von der Oberliga geht es in die Kreisliga. Nun setzt er sich dem Vorwurf zur Wehr, es sei ihm nicht um das Sportliche gegangen.

Mirco Gohr wird den Fußball-Oberligisten Holzwickeder SC im Sommer wie einige seiner Mitspieler verlassen. Derweil steht fest: Den 29-Jährigen zieht es gleich vier Ligen tiefer – in die Kreisliga A zum VfL Kamen.

Bei Gohr kam der Gedanke, den Verein zu verlassen, schon vor einigen Monaten auf – weit bevor feststand, dass Axel Schmeing seinen Trainerposten beim HSC zum Saisonende räumen wird. Der Hauptgrund: seine körperliche Verfassung.

Mirco Gohr: „Konnte mich dienstags kaum noch bewegen“

„Ich konnte mich dienstags immer häufiger kaum noch bewegen. Die Spiele in der Oberliga waren immer ziemlich geil – aber auch unfassbar intensiv“, erklärt er. Seine Entscheidung habe auf keinen Fall etwas mit dem scheidenden oder kommenden Trainer beim HSC zu tun. „Ich habe mir schon früh überlegt, dass ich kürzertreten werde. Da stand noch gar nicht zur Debatte, dass Aki (Axel Schmeing, Anm. d. Red.) überhaupt aufhört“, so Gohr weiter.

An die Zeit beim HSC hat Gohr fast ausschließlich positive Erinnerungen. In seinem ersten Jahr stieg der damalige Neuzugang vom SV Langschede mit der zweiten Holzwickeder Mannschaft gleich in die Bezirksliga auf. Schon zuvor war ihm mit dem SVL der Aufstieg in die Kreisliga A gelungen.

Gohr als Innenverteidiger? „Ich war selbst erschrocken“

Schnell wurde er von Axel Schmeing in die erste Mannschaft berufen, wo er in seinem dritten HSC-Jahr den nächsten Aufstieg feierte – in die Oberliga. „Der Abschied fällt mir nicht leicht. Ich habe hier einen großen Teil meiner Laufbahn verbracht und dem Verein unglaublich viel zu verdanken – besonders Karl Lösbrock“, mit dem Gohr ein besonderes Verhältnis hat. „Er ist in vielen Dingen mein erster Ansprechpartner“, so Gohr.

Mirco Gohr (r.) kann Tore schießen. Aber auch in der Innenverteidigung half er immer wieder mal aus – auch wenn ein Experiment vor einiger Zeit mal scheiterte. © Art © Art

In dieser Saison wurde der vielseitig einsetzbare Gohr von Coach Axel Schmeing auch wieder als Innenverteidiger aufgeboten. Eine Position, die er schon länger nicht mehr gespielt hat. Gohr: „Ich war selbst erschrocken, als er mich wieder hinten aufgestellt hat.“

Das hatte Schmeing vor ein paar Jahren in der Westfalenliga auch schon mal ausprobiert. „Aber das ging in die Hose. Nachdem wir einmal 0:6 gegen Hordel auf die Schlappen bekommen haben, wurde ich schnell wieder nach vorne degradiert“, erinnert sich Gohr mit einem Lachen. Er sieht sich selbst eher auf den Außenbahnen oder im Mittelfeld.

Finanziell attraktivere Angebote abgelehnt

Wo ihn sein künftiger Trainer Emre Aktas aufstellen wird, ist noch unklar. Mirco Gohr freut sich auf jeden Fall auf die neue Herausforderung beim VfL: „Kamen hat schon länger um mich gebuhlt. Ich habe Bock, jetzt was anderes auszuprobieren. Beim VfL sehe ich großes Potenzial.“

Gohr stellt klar, dass es ihm bei seinem Wechsel nicht ausschließlich um das Finanzielle gegangen ist, wie von außen mitunter gemutmaßt wird. „Was denken die Leute denn? Dass wir in der Kreisliga Tausende von Euros verdienen?“, fragt er. „Dann hätte ich auch zu anderen Vereinen gehen können, von denen ich Angebote hatte. Klar bekomme ich beim VfL etwas. Aber in erster Linie habe ich einen Verein in der näheren Umgebung mit viel Potenzial gesucht.“

Den hat er jetzt gefunden. „Wir wollen aufsteigen. Ich müsste lügen, wenn das nicht das Ziel wäre. Bei den getätigten Transfers muss das auch das Ziel sein“, hat Gohr noch einiges vor.

Über den Autor
Volontär
Jahrgang 1992. Geboren und aufgewachsen in Unna. Kennt den Kreis Unna wie seine Westentasche, hat in seinem Leben aber noch nie eine Weste getragen. Wollte schon als Kind Sportreporter werden und schreibt seit 2019 für Lensing Media über lokale Themen - auch über die Kreisgrenzen hinaus.
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Marcel Schürmann
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