Kapitän Nils Hoppe ist beim Holzwickeder SC nicht nur ein Leistungsträger, sondern auch ein Publikumsliebling. © Neumann
Fußball

Gehen Sie oder bleiben Sie jetzt beim Holzwickeder SC, Nils Hoppe?

Er ist ein Holzwickeder Junge und der Mannschaftskapitän - dennoch könnte Nils Hoppe den Fußball-Oberligisten Holzwickeder SC verlassen. Im Interview spricht er über seine sportliche Zukunft.

Er ist Leistungsträger, Mannschaftskapitän und eine absolute Identifikationsfigur beim Fußball-Oberligisten Holzwickeder SC. Und dennoch könnte es sein, dass Nils Hoppe (25) und der HSC ab diesem Sommer getrennte Wege gehen. In Teil 1 des großen Interviews erklärt Hoppe, wie der Stand der Dinge ist, wie viele HSC-Fans bislang sein Trikot gekauft haben – und spricht über die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews, in dem Nils Hoppe den Umbruch beim Holzwickeder SC und die Unterschiede zwischen den Trainern Axel Schmeing und Marc Woller spricht.

Herr Hoppe, alle, die es mit dem Holzwickeder SC halten, stellen sich diese eine Frage. Also: Gehen Sie, oder bleiben Sie?

Es gibt nach wie vor sehr viele Fragezeichen. Es ist keine Frage des Wechsels zu einem anderen Verein. Das ist aktuell kein Thema und ich habe auch keine konkreten Angebote vorliegen. Es ist eine Frage der beruflichen Zukunft und der Verfügbarkeit.

Sie studieren Wirtschaftsingenieurswesen, schreiben gerade an Ihrer Masterarbeit. Was folgt dann?

Das ist noch völlig offen. Bis Mitte August bin ich wegen der Abschlussarbeit extrem eingespannt. Und danach geht es um den Berufseinstieg. Da weiß ich noch gar nicht, was kommt. Tendenziell suche ich eher nicht im Raum Dortmund. Das wäre die Chance, nochmal rauszukommen. Deshalb habe ich dem Verein von vorne herein gesagt, dass ich nicht konkret eingeplant werden will. Ob und wie lange der Verein mir trotzdem einen Platz freihält, muss der HSC entscheiden.

Das klingt nach einer komplizierten Situation…

Ich weiß momentan nicht, inwieweit ich die Vorbereitung auf die Spielzeit mitmachen könnte. Rein von der Leistung könnte ich die Saison wohl trotzdem spielen. Das sollte passen. Aber als Kapitän ist es natürlich auch mein Anspruch, eine hohe Trainingsbeteiligung zu zeigen und dabei zu helfen, die jungen Spieler zu entwickeln.

Haben Sie sich selbst eine Deadline gesetzt, bis wann eine Entscheidung gefallen sein muss?

Nein, eine richtige Deadline gibt es nicht. Aber irgendwann wird der Punkt kommen, an dem klar kommuniziert sein muss, wie es weitergeht. Der Verein hat mir signalisiert, dass ich in der Vorbereitung so oft kommen kann, wie es eben geht. Aber ich weiß nicht, ob ich das von mir aus kann.

Wie meinen Sie das?

Ich habe so eine Vorbereitung und den Fußball noch nie auf Halbgas gemacht. Ich gebe immer Vollgas. Vielleicht würde ich mir damit ein Eigentor schießen. Gleichzeitig bin ich auch nicht mehr ganz so fußballverrückt wie früher. Ich ordne dem Fußball nicht mehr alles komplett unter.

Im Sommer 2017 kehrte Nils Hoppe (hintere Reihe, 2.v.r.) nach zwei Jahren beim SSV Mühlhausen-Uelzen zurück zu seinem Stammverein nach Holzwickede. © Archiv © Archiv

Tim Harbott (Sportlicher Leiter des HSC, Anm. d. Red.) sagte neulich, dass sich jeder in Holzwickede Ihren Verbleib wünsche. Sie genießen eine besondere Wertschätzung…

Ich weiß um diese Wertschätzung und die Freiheiten, die ich bekomme. Das kommt aber auch nicht von ungefähr. Ich habe mich in den letzten Jahren viel neben dem Platz engagiert, etwa im Bereich der Videoanalyse, was jetzt nicht primär in meinen Aufgabenbereich fällt. Und es kommt mir zugute, dass ich ein Holzwickeder Junge bin. Ich glaube, mittlerweile haben sich schon 16 Fans mein Trikot gekauft. Das ist sensationell. Und es gibt nichts Schöneres, als nach dem Spiel noch zu den Anhängern zu gehen und mit ihnen zu quatschen.

Vor einigen Monaten haben Sie sich mit dem Corona-Virus infiziert. Wie verlief die Krankheit bei Ihnen?

Ich hatte einen recht milden Krankheitsverlauf – allerdings acht bis zehn Wochen mit starker Erschöpfung und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Ich habe es auch voll unterschätzt. Plötzlich fiel nicht nur der Sport weg, sondern auch die Bewegungen im Alltag. Man war ja nicht mehr unterwegs, sondern nur zuhause. Diese doppelte Bewegungshemmnis war schon schwierig.

Nils Hoppe trat mit dem Holzwickeder SC auch gegen die U23 von Borussia Dortmund an. © Neumann © Neumann

Spüren sie heute noch Nachwirkungen?

Ich habe zum Teil noch ein wenig Hals- und Rachenbeschwerden und bin noch nicht so fit wie vorher. Aber ich habe zum Glück keine Luftnot oder so. Die Langzeitwirkung ist aber schon beängstigend. Ein Kollege kann nach wie vor nicht richtig riechen und schmecken – dabei ist die Erkrankung rund acht Monate her.

Sollten Sie die Vorbereitung doch bestreiten können: Käme es Ihnen entgegen, dass alle Fußballer so lange nicht trainieren konnten?

Natürlich macht es das einfacher, weil die Einheiten dann für alle auf einem eher geringen Fitness-Level starten. Denn ich merke schon, dass mir die Muskulatur in den Beinen nach so langer Zeit ein wenig fehlt.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel

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