Eindämmung der Pandemie: Viele Bürger würden dafür sensible Daten spenden

dzCoronavirus-Umfrage

Weltweit sind Mediziner dem Virus auf der Spur. Immer mehr Menschen sind bereit, die Forscher mit sensiblen Daten über sich selbst zu unterstützen. Das ergab eine repräsentative Umfrage.

Kamen

, 20.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Coronavirus auf der Spur: Während am Dortmunder Klinikum ein Atemluft-Forschungsprojekt betrieben wird, über das das Coronavirus ähnlich wie bei einem Alko-Test nachgewiesen wird, werden von anderen Gesundheitseinrichtungen Daten gesammelt, um den Krankheitserreger zu entschlüsseln.

Eine repräsentative Umfrage zum Thema Datenspende für die medizinische Forschung ergab nun, dass unter Bundesbürgern die Bereitschaft gestiegen ist, Gesundheits- und Bewegungsdaten zur Verfügung zu stellen, um zur Eindämmung der Pandemie beizutragen. Demnach sind fast zwei Drittel (65 Prozent) aller Befragten bereit, Daten zu Puls, Fieber und Vorerkrankungen sowie Bewegungsdaten wie Standort und Abstandsmessung der Covid-19-Forschung zur Verfügung zu stellen.

Mit Unterstützung des Robert-Koch-Instituts

Das ermittelte jetzt die „data4life gGmbH“ (D4L), eine gemeinnützige Organisation, die aus einem Forschungsprojekt des Hasso-Plattner-Instituts hervorgegangen ist und vom Robert-Koch-Institut unterstützt wird.

Mitte März hatte die D4L bereits mit der Berliner Charité die sogenannte CovApp veröffentlicht: Mit dem öffentlich zugänglichen Fragenkatalog konnten Nutzer Rückschlüsse erhalten, ob sie sich auf eine Corona-Infizierung untersuchen lassen sollten oder nicht.

Anfang April wurde sie als freie Software (Open-Source) zur Verfügung gestellt. „Um möglichst vielen Menschen beim Umgang mit Covid-19 zu helfen und Gesundheitsversorger weltweit dabei zu unterstützen, ihre Abläufe effizienter zu gestalten und die Arbeit für das medizinische Personal zu erleichtern“, wie Sprecherin Belinda Voigt in Potsdam mittteilte.

Motivation der Befragten: Früherkennung von Pandemien

Fast zwei Drittel der Befragten, 5002 Teilnehmer aus Deutschland, würden laut D4L-Befragung inzwischen ihre Gesundheits- und Bewegungsdaten spenden, heißt es.

Von diesen wollten 77 Prozent zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Knapp zwei Drittel (65 Prozent) erhofften sich eine beschleunigte Impfstoff-Entwicklung. Die geringste Spendenmotivation hätten die Befragten für die Lockerung des Lockdowns. Hierfür würden lediglich 26 Prozent aller Befragten ihre Daten zur Verfügung stellen.

Die wichtigsten Gründe, so Belinda Voigt, um den digitalen Datenaustausch zwischen Ärzten und Forschungseinrichtungen zu unterstützen, seien schnellere Erkenntnisse, Vorbeugung von Krankheiten, Therapie- und Diagnoseverbesserung und die Früherkennung von Pandemien.

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Erhöhte Bereitschaft, sensible Daten herauszugeben

Covid beschleunigt damit offenbar unter Bürgern die Bereitschaft, sensible Daten freiwillig herauszugeben. Zum Vergleich gibt D4L Hinweise auf folgende Untersuchungen: Eine Repräsentativbefragung des Deutschen Bundestages, die im September 2019 ergab, dass nur 38 Prozent der Befragten ihre mittels Gesundheits-Apps erhobenen Daten unabhängigen Forschungseinrichtungen zur Verfügung stellen würden.

Und eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF), die im August vergangenen Jahres ergab, dass 46 Prozent „voll und ganz“ und 33 Prozent „eher“ ihr Einverständnis zur Datenspende für die medizinische Forschung geben würden.

Eine aktuelle Umfrage ist weiterhin unter www.data4life.care/de/corona/umfrage/ geschaltet.

Persönlicher Fragebogen im Internet

Profitieren von derlei Datenmaterial würden vermutlich Projekte wie am Klinikum Dortmund, wo zurzeit ein Virus-Test entwickelt wird, für den lediglich Atemluft nötig ist – ein Test, der so einfach und schnell wäre, wie der Atemtest bei der Alkoholkontrolle der Polizei.

Für Menschen, die befürchten, sich mit dem Coronavirus (Sars-CoV-2) angesteckt zu haben, bietet nach wie vor die Berliner Charité unter https://covapp.charite.de/ einen persönlichen Fragebogen im Internet an, dessen automatische Auswertung anzeigt, ob man sich auf eine Infektion testen lassen sollte oder nicht.

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