Wohnungslosigkeit trifft auch Frauen und Kinder: Wie Betroffene Hilfe bekommen

dzFrauenforum im Kreis Unna

Wer an Obdachlose denkt, denkt meist an Männer, hat Bilder von Bettlern aus Fußgängerzonen im Kopf. Doch das Problem betrifft auch Frauen und Kinder, wenn auch eher im Verborgenen.

Kreis Unna

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Dass Wohnungsnot und drohende Wohnungslosigkeit auch ein Frauenthema sind, förderte bereits ein gemeinsames Streetwork-Projekt von Caritas, Diakonie und Frauenforum zutage, das Ende 2018 mangels weiterer Förderung zum Bedauern aller Beteiligten ausgelaufen ist. Die nackten Zahlen sprechen für sich: In drei Jahren erreichten die Sozialarbeiterinnen kreisweit 306 Frauen, darunter 84 Mütter mit 110 minderjährigen Kindern, 60 junge Frauen zwischen 18 und 21 Jahren, 36 Frauen mit einer Behinderung und 94 mit Zuwanderungsgeschichte. Menschen also, die buchstäblich am Rand der Gesellschaft stehen. Etliche waren bereits akut wohnungslos, andere von Wohnungslosigkeit bedroht.

Unterschlupf bei Freunden und Angehörigen

Die Betroffenen sind freilich – anders als manche Männer oder die Frau, die für einige Zeit in einem Verschlag am Unnaer Westfriedhof lebte – in der Regel nicht auf der Straße zu erreichen. Sie finden Unterschlupf bei Freundinnen, Angehörigen oder Männerbekanntschaften und geben sich viel Mühe, sich ihre Probleme nicht ansehen zu lassen. Gleichwohl gibt es Warnsignale, und genau dort setzt das neue Projekt „Mobile Wohnhilfen“ des Frauenforums an.

Zwei Sozialarbeiterinnen sind „wieder da“

Es ist gleichsam der Nachfolger des ausgelaufenen Streetwork-Projekts. Die beiden Sozialarbeiterinnen Zora Lachermund und Anke Brink haben den Vorteil, Teil beider Projekte gewesen zu sein und müssen dadurch nicht bei Null anfangen.

Seit dem 1. Juni sind sie quasi wieder da und versuchen, drohende Wohnungslosigkeit so früh wie möglich zu bekämpfen und dadurch zu vermeiden. „Wer heute seine Wohnung verliert, der kriegt so schnell auch keine mehr“, bringt Projektleiterin Anja Wolsza vom Frauenforum die angespannte Lage am Wohnungsmarkt auf den Punkt.

„Wer heute seine Wohnung verliert, der kriegt so schnell auch keine mehr.“
Anja Wolsza, Frauenforum im Kreis Unna

Frauen, die ihre Wohnung zu verlieren drohen, etwa weil ihnen das Geld für die Miete fehlt, können auf unterschiedlichen Wegen Hilfe bekommen. Entweder melden sie sich direkt beim Frauenforum oder werden von Behörden, ihrem Energieversorger, den Verbraucherzentralen, den Schuldnerberatungsstellen auf das Angebot aufmerksam gemacht.

Ein Flyer mit ersten Informationen und dem Kontakt zu den Sozialarbeiterinnen wird in den nächsten Wochen an den entsprechenden Stellen verteilt. Eine direkte Weitergabe des Kontakts an die Sozialarbeiterinnen ist aus Datenschutzgründen nicht möglich. Lachermund und Brink leisten deshalb in diesen Tagen viel Netzwerkarbeit. Auch Vermieter können sich bei ihnen melden.

Wohnungslosigkeit trifft auch Frauen und Kinder: Wie Betroffene Hilfe bekommen

Zora Lachermund, Anke Brink und Anja Wolsza (v.l.) vom Frauenforum im Kreis Unna stellten das Projekt „Mobile Wohnhilfen“ vor. © Kevin Kohues

Befristet bis 2022

Eigentlich, da sind sich alle Beteiligten einig, müsste so ein Angebot eine Regelfinanzierung erhalten, eine wissenschaftliche Begleitung des neuen Projekts dürfte den Bedarf nochmals untermauern. Aber: „Für eine solche Form von Sozialarbeit gibt es kein Finanzierungsmodell“, sagt Anja Wolsza – außer eben das regelmäßige Anzapfen von Fördertöpfen. Für das ausgelaufene Projekt gab es Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds, diesmal fördert das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales über einen Zeitraum von drei Jahren. Mitte 2022 ist wieder Schluss.

Spenden für den Eigenanteil

Zehn Prozent der Kosten muss das Frauenforum über einen Eigenanteil in Höhe von 38.000 Euro aufbringen und freut sich über Spenden. Ein Spendenkonto hat das Frauenforum im Kreis Unna bei der Sparkasse Unna-Kamen eingerichtet: IBAN DE21 4435 0060 0000 0397 92, Verwendungszweck „Spende“. Fragen werden gerne beantwortet unter Tel. (02303) 77891-0.

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