Wochenmarkt in Corona-Zeiten: Kartoffeln werden am meisten gekauft

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Sie dienen der Grundversorgung, dürfen also weiterhin geöffnet bleiben: Die Wochenmärkte. Der Gang über den Markt am Dienstag in Unna zeigt, dass vor allem ein Produkt besonders gefragt ist.

Unna

, 17.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kartoffeln. Kiloweise. „Die Menschen kaufen vor allem Kartoffeln, das fällt wirklich auf.“ Für Laslo Heyden und seine Mitarbeiter am Gemüsestand ist dieser Markttag besonders. „Wir merken, dass die Leute anders einkaufen. Sie halten sich nicht mehr lange am Stand auf, sondern kaufen sehr gezielt ein.“ Und sie kaufen eben vor allem Lebensmittel, die sich lange halten und die man zu vielerlei Gerichten verarbeiten kann: Kartoffeln sind die Wochenmarkt-Variante der Nudel- und Reiskäufe in den Supermärkten.

Auf den ersten Blick allerdings wirkt der Wochenmarkt am Dienstagmittag nicht weniger gut besucht als an jedem anderen Dienstag zur Marktzeit. Der Dienstag ist ohnehin der schwächer besuchte Markttag in Unna; dass wegen Corona nun weniger Menschen kommen, lässt sich so pauschal daher nicht sagen. Doch es sind die Details, die den Unterschied machen.

Schilder wie dieses auf dem Wochenmarkt in Unna weisen auf die besonderen Regeln in Zeiten von Corona hin.

Schilder wie dieses auf dem Wochenmarkt in Unna weisen auf die besonderen Regeln in Zeiten von Corona hin.

Am Zugang zum Alten Markt an der Wasserstraße steht ein Schild: „Wir freuen uns über Ihren Besuch“ steht dort, aber eben auch: „Bitte halten Sie Abstand!“ Was das heißt, zeigt sich am Marktcafé von André Plauk am deutlichsten: Wo sonst Stehtische zum Verweilen bei einer Waffel und einer Tasse Kaffee einladen, herrscht gähnende Leere. Wer hier seine Waffel verzehren will, steht etwas verloren unter dem Markisendach des Waffelstands. Und die Tasse Kaffee gibt es heute aus Pappbechern statt aus den spülbaren Porzellantassen: In Zeiten von Corona geht Hygiene vor Umweltschutz.

Keine Stehtische am Marktcafé von André Plauk: Die Menschen sollen sich nicht lange aufhalten, deswegen darf der Waffelbäcker die Tische nicht aufstellen.

Keine Stehtische am Marktcafé von André Plauk: Die Menschen sollen sich nicht lange aufhalten, deswegen darf der Waffelbäcker die Tische nicht aufstellen. © Anna Gemünd

„Ich kann das alles nachvollziehen, es dient ja dem Schutz von uns allen“, sagt André Plauk. Was er aber nicht nachvollziehen kann: „Wieso dürfen die Cafés hier auf dem Marktplatz ganz normal ihre Tische draußen stehen haben? Da sitzen die Leute bei diesem schönen Wetter dicht an dicht und ich darf aber meine Stehtische nicht aufstellen.“ Tatsächlich sind die Tische in der Sonne, die vor den Cafés auf dem Alten Markt stehen, nahezu alle besetzt.

Ein bisschen verkehrte Welt: Auf dem Wochenmarkt sollen die Menschen möglichst nicht lange verweilen; in den Cafés direkt nebenan sitzen sie aber dicht an dicht in der Sonne.

Ein bisschen verkehrte Welt: Auf dem Wochenmarkt sollen die Menschen möglichst nicht lange verweilen; in den Cafés direkt nebenan sitzen sie aber dicht an dicht in der Sonne. © Anna Gemünd

Eine junge Mutter, die mit ihren beiden Kindern Waffeln bei André Plauk kauft, wirkt entspannt. „Wenn wir alle etwas mehr auf Abstand gehen, wird das schon gut gehen“, ist sie überzeugt. Ein paar Stände weiter herrscht derweil Unklarheit darüber, wie genau dieses „Abstand halten“ beim Schlange stehen eigentlich genau funktioniert. „Stehen Sie an?“ „Ich glaube ja. Ist das hier eine Schlange?“ Die Händler wirken ein bisschen wie ein Ruhepol: „Keine Sorge, wir bedienen Sie alle“, versichert die Obsthändlerin lächelnd.

Keine Obst zum Anfassen: Die Händler übernehmen jetzt das Einpacken der Waren für die Kunden auf dem Wochenmarkt.

Keine Obst zum Anfassen: Die Händler übernehmen jetzt das Einpacken der Waren für die Kunden auf dem Wochenmarkt. © Anna Gemünd

Einige Wochenmärkte im Kreis Unna

Öffnungszeiten und Termine

Unna: dienstags und freitags von 7 bis 14 Uhr Kamen: dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr Bergkamen: donnerstags von 7.30 bis 13 Uhr Fröndenberg: donnerstags von 8 bis 13 Uhr Holzwickede: freitags von 8 bis 12 Uhr Schwerte: mittwochs und samstags 8 bis 14 Uhr Selm: dienstags und freitags von 8 bis 12.15 Uhr Lünen: dienstags und freitag von 8 bis 13 Uhr Werne: dienstags und freitag von 8 bis 12.30 Uhr

Tatsächlich gibt es in diesen Tagen mehr Bedienung als sonst: Die Äpfel selbst aussuchen oder die Gurke anfassen? In Zeiten von Corona lieber nicht. Die Händler sind dazu übergegangen, ihren Kunden alles selbst einzupacken. „Das schützt letztlich alle. Wir wollen ja schließlich weiterhin für unsere Kunden da sein“, sagt Laslo Heyden.

Er wird auch am Freitag wieder auf dem Alten Markt stehen, wenn Unnas Wochenmarkt stattfindet. Auch am Gemüse- und Obststand Hufnagel ist man überzeugt, dass Wochenmärkte weiterhin stattfinden werden. „Wir dienen ja nicht nur der Grundversorgung; wir haben ja auch einfach einen großen Vorteil gegenüber den Supermärkten: Bei uns kaufen die Menschen an der frischen Luft ein und nicht dicht gedrängt in einem geschlossenen Raum“, findet eine Verkäuferin am Stand von Hufnagel.

Und Kartoffeln, die gibt es schließlich auf dem Wochenmarkt mehr als genug.

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