Wirtschaft im Ruhrgebiet: „Wir brauchen Einwanderung und Integration“

dzFachkräftemangel

Der Wirtschaft im Ruhrgebiet gehe es blendend, sagen die Industrie- und Handelskammern von Dortmund bis Duisburg. Aber: Es fehlen Fachkräfte. Deshalb brauche es Einwanderung - und Willkommenskultur.

Kreis Unna

, 17.10.2018, 14:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schlagzeilen der vergangenen Tage haben den Industrie- und Handelskammern nicht gefallen. Das Ruhrgebiet hinke hinterher, habe den Strukturwandel immer noch nicht geschafft, so die Quintessenz einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Besser als der Ruf

„Wir sind im Ruhrgebiet viel besser als unser Ruf“, hielten die IHK-Spitzen von Duisburg bis Dortmund am Mittwoch dagegen - gestützt auf die aktuellen Ergebnisse einer Befragung von mehr als 900 Unternehmen mit 124.000 Beschäftigten. Nur noch rund sechs Prozent der Befragten hätten von unbefriedigenden Ergebnissen berichtet, so der Dortmunder IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann.

43 Prozent beklagen Fachkräftemangel

Grundsätzlich sei die Konjunkturlage hervorragend, auch wenn der Blick in die Zukunft nicht mehr so euphorisch ausfalle wie bei den letzten Umfragen. Das hat zum Beispiel mit sinkenden Exporterwartungen zu tun, aber auch mit dem Fachkräftemangel. 43 Prozent der Befragten seien davon betroffen, „die Politik muss hier endlich handeln“, so Dustmann.

Willkommenskultur verbessern

Aus Sicht der Wirtschaft brauche es qualifizierte Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Ländern. Das geplante Zuwanderungsgesetz der Bundesregierung gehe in die richtige Richtung, sagte Dr. Stefan Dietzfelbinger von der IHK Duisburg. Einwanderung und Integration müssten Hand in Hand gehen, ergänzte Eric Weik von der IHK Mittleres Ruhrgebiet, angefangen vom Spracherwerb über die Ausbildung zum festen Arbeitsplatz.

Statistik

Die Wirtschaft im Ruhrgebiet in Zahlen

  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (zum 31.12.2017): 1.746.900 (Vorjahr: 1.706.327)
  • Arbeitslose (September 2018): 233.442 (Vorjahr: 249.475)
  • Arbeitslosenquote (September 2018): 9,7 Prozent (Vorjahr 10,5 Prozent)
  • Umsatz im Produzierenden Gewerbe (Januar-Juli 2018 in 1000 Euro): 39.315.482 (Vorjahr: 38.218.679)
  • davon Auslandsumsatz (Januar-Juli 2018 in 1000 Euro): 16.906.448 (Vorjahr: 16.738.349)
  • Exportquote (Januar-Juli 2018): 43,0 Prozent (Vorjahr: 43,8 Prozent)
  • Einwohnerzahl (30.06.2017): 5.114.381 (Vorjahr: 5.116.899)

Weik gab freilich auch zu bedenken, dass die Fachkräfte aus dem Ausland sehr genau hinschauen würden, wie es um die Aufnahmebereitschaft des Landes bestellt sei. „Die Willkommenskultur ist hierzulande nicht mehr so ausgeprägt, wie sie es einmal war, und wir sollten uns anstrengen, sie wieder zu verbessern“, sagte Weik. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, ergänzte Dietzfelbinger, seien nicht nur grundsätzlich zu verurteilen, sondern auch schädlich für die Wirtschaft.

Immer wieder spielten die IHK-Spitzen den sprichwörtlichen Ball in Richtung der Politik, sei es in Bezug auf Dieselfahrverbote („Nur punktuell Messstellen zu betrachten, ist nicht zielführend“), den Dortmunder Flughafen („Start-/Landebahn und Öffnungszeiten verlängern“) oder Innovationen.

Raum für Innovationen

In einer Zeit des rasanten technologischen Fortschritts brauche das Ruhrgebiet Raum für Innovationen, so Eric Weik und nannte als Beispiele Teststrecken für autonomes Fahren oder für autonome Binnenschafffahrt, wie es sie anderswo in Deutschland gebe. Weik: „Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie sich hierfür auch einsetzt.“ Die Einberufung der Ruhrkonferenz durch das Land sei richtig, so die IHK‘s weiter. Sie wünschen sich freilich, dass dabei die Ziele ihrer eigenen Agenda Ruhr Berücksichtigung finden.

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