Der warme Frühling und die andauernde Hitze im Sommer sorgen dafür, dass es mehr Wespen gibt. Das verängstigt einige Bürger – doch der Kampf gegen die Nester kann verheerende Folgen haben.

von Andrea Wellerdiek, Lisa Murach

Lünen

, 06.08.2018, 17:36 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob beim Frühstück auf dem Balkon oder beim Grillen im Garten – als Gäste sind jetzt oft Wespen dabei. Überall sind die gelb-schwarzen Tiere zu sehen. Und das sorgt bei einigen Menschen für große Besorgnis. Deshalb ist zum Beispiel die Schädlingsbekämpfungsfirma Angelkort aus Herbern derzeit im Dauereinsatz. „Allein an einem einzigen Tag kamen 200 Aufträge rein“, berichtet Geschäftsführerin Monika Angelkort.

Diese Zahl umfasst allerdings das gesamte Einzugsgebiet der Herberner Firma von Osnabrück bis Hagen. Wie viele Aufträge es aus Lünen gab, kann Angelkort nicht genau sagen. Sie schätzt aber, dass es in dieser Saison bis zu 400 waren. Bereits im Mai – früher als üblich – sind die ersten Anfragen gekommen. Nun befindet sich die Firma in der Hochsaison. Auch die Hitze dieser Tage sorgt für deutlich mehr Anfragen als noch im vergangenen Jahr.

Wespennest am Giebel des Hauses

„Wenn sich die Menschen bedroht fühlen, dann entfernen wir die Nester“, erklärt Cassandra Lakony, Mitarbeiterin der Firma Angelkort. Oft hätten die Wespen bereits Kinder gestochen. „90 Prozent der Anrufer sagen aber, sie seien allergisch. Ob das stimmt, weiß ich nicht“, so Cassandra Lakony. Vor Ort sehen die Mitarbeiter stets ähnliche Bilder: Die Insekten nisten sich auf dem Balkon, am Dachgiebel oder über Fenstern ein. „Die Wespen mögen es trocken und kühl und gehen zum Beispiel gern in Rollladenkästen“, sagt Lakony.

Einer der Männer, die für die Firma vor Ort im Einsatz sind, ist Michael Vorspohl. Mit Atemmaske und Imkeranzug ausgestattet sprüht er ein Insektizid an die betroffene Stelle. Das Kurzzeitmittel wirkt innerhalb von zwölf Stunden. „In 95 Prozent der Fälle hat sich die Sache danach erledigt“, sagt der Techniker. Die Tiere nehmen das aus Pflanzen entwickelte Insektizid über ihre Synapsen auf und trocknen aus. Nur zwei Wespenarten dürfen bekämpft werden, denn nur die Gemeine und die Deutsche Wespe stehen nicht unter Artenschutz. Die Gemeine Wespe hat auf der Stirnplatte eine Ankerform, während bei der Deutschen Wespe dort drei Punkte zu sehen sind. Nur diese beiden Wespenarten mögen auch Süßes und Fleisch.

47 Wespenstiche

Die Gemeine Wespe lebt in Völkern mit bis zu 10.000 Tieren. Die Nester können eine beachtliche Größe entwickeln: Einige hätten eine Breite von 1,50 Meter und eine Länge von einem Meter gehabt, sagt Michael Vorspohl.

Wer sich von den Insekten gestört fühlt, sollte sie laut der Expertenfirma nicht selbst bekämpfen. Cassandra Lakony erzählt von einem Mann aus Bockum-Hövel, der sich selbst an einem Nest versuchte. Er musste mit 47 Wespenstichen in die Notaufnahme gebracht werden. Und ein Ahlener wollte mit einer Lötlampe ein Nest auf dem Dachboden entfernen. Das ging schief, er setzte seinen Dachboden in Brand. Schaden: 100.000 Euro.

Wespen auf dem heimischen Balkon sorgen für Dauereinsatz der Schädlingsbekämpfer

Ein Wespenvolk hat sein Nest unter dem Holzbelag eines Balkons gebaut. © picture alliance / dpa-tmn

Auch wenn viele ungern ein Nest auf ihrem Balkon sehen möchten: Die Ängste der Bürger sind unbegründet. Denn die Wespen sind ungefährlich – solange man die Insekten in Ruhe lässt. Der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland rät, nicht nach den Insekten zu schlagen. Süße Lebensmittel sollten im Freien abgedeckt werden. Auch das Wegpusten der Insekten ist nicht ratsam. Wespen fliegen zudem auf Parfüm, Cremes und bunte Kleidung.

Backwaren vor Wespen retten

Nicht nur bei der Kaffeetafel im Garten sind die kleinen gelb-schwarzen Gäste ein Problem. Auch die Bäckereien haben darunter zu leiden, denn bei süßen Backwaren sind Wespen nicht weit weg. Sie setzen sich auf Zuckerguss und knabbern diesen an. „Das ist natürlich nicht appetitlich für die Kunden“, erklärt Monika Hötzel, Filialleiterin bei Kanne am Marktplatz. „Außer die Kuchen und Backwaren abzudecken, können wir nicht viel tun.“ So schwirren sie weiter um Berliner und Pflaumenkuchen. „Wespen gehören eben zum Sommer dazu“, so Hötzel.

Anders handhabt es das Café und Konditorei Kleinschmidt. „Wir haben extra Wespenfallen“, erzählt Ronny Berger, Inhaber des Geschäftes. Spezielle Lampen stehen in den Schaukästen an der Theke und locken die Wespen mit ihrem Licht an, die Tierchen fliegen hinein und landen auf einem Klebestreifen.

Auch die Bäckerei Grobe in der Fußgängerzone nutzt die Lampen. „Noch sieht es bei uns gut aus, und ein paar Wespen sind ja nicht schlimm“, so die Filialleiterin Christina Daniels.