„Werkstatt“ warnt: Langzeitarbeitslosigkeit droht zu explodieren

dzSozialer Arbeitsmarkt

Rund 700 Langzeitarbeitslose haben durch ein Förderprogramm wieder Arbeit – und erlangen damit auch ihr Selbstwertgefühl zurück. Ausgerechnet das Folgeprogramm könnte nun fatale Folgen haben.

Kreis Unna

, 22.08.2018 / Lesedauer: 3 min

„Soziale Teilhabe“ heißt das Programm, das allein bei der Werkstatt im Kreis Unna 330 Teilnehmer zählt. Es sind Menschen, die langzeitarbeitslos waren und nun wieder in Lohn und Brot stehen, einen Arbeitsvertrag haben und Jobs verrichten, die dem Gemeinwohl dienlich sind. Es handelt sich um Tätigkeiten im öffentlichen Interesse, für die der öffentlichen Hand aber das Geld fehlt, etwa Unterstützung beim Mittagessen in Kitas, für den Hausmeister in der Schule oder bei der Säuberung von Parks, Grünstreifen und Straßen in den Städten. 700 von bundesweit 15.000 Stellen hatte das hiesige Jobcenter in den Kreis Unna geholt, fast alle sind besetzt. Das Problem: Das Programm läuft zum Jahresende aus.

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450 Menschen droht Rückfall in Langzeitarbeitslosigkeit

Ersetzt werden soll es durch den Sozialen Arbeitsmarkt – aber von den bundesweit 150.000 Plätzen bekommt der Kreis Unna nur 240. Werkstatt-Geschäftsführer Herbert Dörmann hält das für „fatal“. Die bisherigen Teilhabe-Teilnehmer dürften zwar in das neue Programm wechseln, aber es gebe viel zu wenige Plätze. Dörmann befürchtet deshalb zum Jahreswechsel eine „Explosion“ der Langzeitarbeitslosigkeit, wenn plötzlich rund 450 Menschen wieder in das Hartz-IV-System zurückfallen.

Werkstatt-Chef befürchtet fatales Signal

450 Plätze weniger würden einen Mehraufwand von rund einer Million Euro im Jahr für den Kreishaushalt bedeuten, hat Dörmann ausgerechnet.

Neben den finanziellen Auswirkungen kritisiert er jedoch vor allem das Signal an die betroffenen Menschen. Es sei ein riesiger Kraftaufwand gewesen, die 700 Teilhabe-Stellen zu schaffen und dann auch zu besetzen. „Und jetzt, wo es wunderbar läuft, sagen wir den Menschen: Tut uns leid, aber es geht nicht weiter.“ Der Werkstatt-Chef nennt das konkrete Beispiel eines Mannes, der drogensüchtig war und nun Methadon bekommt. Er hat über das Programm Arbeit im Garten- und Landschaftsbau gefunden. Und noch wichtiger: Er hat seinem Leben wieder einen Sinn gegeben, hat wieder einen strukturierten Tagesablauf, hat neue Hoffnung geschöpft. Menschen wie diesem drohe nun ein schwerer Rückschlag.

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„Vorweg-Abzug“ als Lösung

Den Appellen des Landrates und anderer Kreispolitiker an den Gesetzgeber in Berlin schließt Dörmann sich deshalb an. Denn noch ist das Gesetz nicht beschlossen. Die einfachste Lösung aus Werkstatt-Sicht wäre ein „Vorweg-Abzug“ – also die 15.000 Stellen der Sozialen Teilhabe von den 150.000 für den Sozialen Arbeitsmarkt abzuziehen, um das erfolgreiche Programm fortsetzen zu können.

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