Was Klopapier im Supermarkt, ist Paracetamol in der Apotheke

dzHamsterkäufe

Schmerzmittel bleiben in der Apotheke trotz Coronakrise keine Mangelware. Wer jedoch ein bestimmtes Medikament haben möchte, geht immer häufiger leer aus – und das hat einen kuriosen Grund.

Kreis Unna

, 19.03.2020, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

So gefragt wie Klopapier im Supermarkt ist das Schmerzmittel Paracetamol in Apotheken. Wegen der Coronakrise wird das fiebersenkende und schmerzlindernde Medikament derzeit häufig gekauft. Die Nachfrage ist so hoch, dass die ersten Apotheker schon leere Schubfächer melden.

Sarah Doll vom Apothekerverband Westfalen spricht sogar von einem „Versorgungsproblem“, wenn sie die den Run auf das Schmerzmittel beschreibt. „Es ist dramatisch, wie die Leute auf einmal Paracetamol kaufen“, sagt sie. Wenn die Bestände in ihrer Apotheke in Schwerte ausverkauft sind, weiß sie nicht sicher, ob sie Nachschub bekommt. Kindersäfte und Zäpfchen sind ebenfalls betroffen.

Rat der Weltgesundheitsorganisation

Die erhöhte Nachfrage wird auf Gerüchte in sozialen Netzwerken über einen angeblichen Zusammenhang zwischen dem Schmerzmittel Ibuprofen und der Lungenkrankheit Covid-19 zurückgeführt. Die Universität Wien, die in Whatsapp-Kettennachrichten als Quelle angeführt wurde, dementierte bei Twitter.

Auch der Rat der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion von der Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen ohne ärztlichen Rat abzusehen, dürfte die Nachfrage angekurbelt haben. Der Hintergrund: Experten schließen nicht aus, dass Entzündungshemmer die Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 verschlimmern können. Erwiesen ist das aber bislang nicht, die Experten prüfen einen Zusammenhang. „Die Datenlage ist mehr als dünn“, meint Apothekerin Doll, Sprecherin der Apotheken im Kreis Unna.

Hell erleuchtete Apotheke im Borsigcenter in Holzwickede, danebeben Takko, Tedi und Kik im Dunkeln: Nur noch Geschäfte, die der Grundversorgug dienen, dürfen derzeit geöffnet sein.

Hell erleuchtete Apotheke im Borsigcenter in Holzwickede, daneben die geschlossenen Läden Takko, Tedi und Kik im Dunkeln: Nur noch Geschäfte, die der Grundversorgung dienen, dürfen derzeit geöffnet sein. © Carsten Fischer

Nachfrage doppelt so hoch

Der Engpass beim Fiebersenker Paracetamol ist in der Avie-Apotheke in Holzwickede zu spüren. Dort kann Apothekerin Jutta Kühle nur noch auf die Alternativen verweisen. Die Nachfrage nach Medikamenten ist allgemein sprunghaft gestiegen. Es kämen doppelt so viele Kunden wie sonst, berichtet sie. Wegen der Coronavirus-Pandemie gelten in der Apotheke Vorsichtsmaßnahmen: werden Kunden gebeten, am Tresen Abstand zu halten.

Scheibe als Spuckschutz

Was es bei ihr noch nicht gibt: eine Acrylglas-Scheibe am Tresen, die Kunde und Verkaufspersonal trennt. Ware und Geld werden unten durchgereicht. Die Kamener Apothekerfamilie Blume hat ihre vier Apotheken in Kamen mit diesem Schutz ausgestattet. Mit dieser einfachen baulichen Maßnahme wollen sie das Ansteckungsrisiko minimieren.

„Die Idee stammt von unserem Vater, der so eine Konstruktion in der Corona-Berichterstattung gesehen hatte. Mein Bruder Lars-Fabian und ich haben diese Idee dann mit ein paar Mitarbeitern in Eigenarbeit umgesetzt“, erzählt Apothekerin Frederike Blume-Lüttmann (r.).

Auch in den Blume-Apotheken ist der Engpass beim Paracetamol schon zu spüren. Filialleiterin Paula Bernshausen sagt: „Säfte sind überhaupt nicht zu bekommen, Zäpfchen können wir nicht liefern, und wenn das so weiter geht, dann geht es auch bei den Tabletten so wie mit dem Klopapier im Supermarkt.“

Apothekerin Doll hat derweil als Hygienemaßnahme für ihre Rathaus-Apotheke in Schwerte Zugangsbeschränkungen eingeführt. Nur drei Personen dürfen gleichzeitig vor der Theke stehen. Laut Aushang gilt auch in der Rathaus-Apotheke von Christian van Bremen in Holzwickede ein Zugangslimit. An der Theke finden Kunden zudem eine Warnung, damit niemand auf die Idee kommt, zusammenklebende Rezepte unter Zuhilfenahme eine Fingers und etwa Spucke auseinanderzufalten.

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