Coronavirus sorgt für Zwangspause im China-Werk von Honsel

dzWirtschaft

Honsel Umformtechnik ist weltweit aktiv – auch in China. Das chinesische Werk des Fröndenberger Unternehmens fährt nach einer Zwangspause den Betrieb wieder hoch. Der Geschäftsführer ist die Ruhe selbst.

Kreis Unna

, 14.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Fröndenberger Spezialisten für Umformtechnik Honsel hat die Virus-Epidemie direkt betroffen: Quarantäne und Reiseverbote legten den Betrieb im chinesischen Werk des Unternehmens in Wuxi nahe Shanghai über Wochen still.

»Der Laden läuft wieder.«
Tim Siepmann, Geschäftsführer von Honsel Umformtechnik

Die Hiobsbotschaft erreichte Geschäftsführer Tim Siepmann, als gerade die traditionellen Ferien anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes angebrochen waren: Nach deren Ende am 30. Januar durften die 80 Mitarbeiter nicht zurück an ihren Arbeitsplatz in die Millionenstadt im Osten des Landes.

„Wir konnten das Werk nach Chinese New Year nicht wieder in Betrieb nehmen“, berichtet Tim Siepmann. Die Mitarbeiter standen in ihren Heimatprovinzen bis zu drei Wochen vorsorglich unter Quarantäne.

Nachdem die ersten Beschäftigten wieder reisen durften, benötigte Honsel nochmals gut zwei Wochen, um den Betrieb wieder hochzufahren, erst mit einer Schicht, dann mit zwei Schichten.

Einen Monat lang stand die Produktion in Wuxi still, das rund 700 Kilometer vom Herd der Epidemie in Wuhan entfernt ist. Mittlerweile hat Honsel seit einigen Tagen wieder nahezu 100 Prozent der Kapazitäten erreicht. „Der Laden läuft wieder“, so Tim Siepmann.

In Wuxi, einer Stadt mit mehr als sechs Millionen Einwohnern, produziert Honsel im Bereich Blindnietentechnologie eine ähnliche Warenpalette wie in Fröndenberg.

Auf die Kunden von Honsel habe sich der Stillstand aber nur gering ausgewirkt, „weil genug Ware bereits auf den Weltmeeren unterwegs war“, erklärt Siepmann. Insofern sei man hinsichtlich der Betriebsstilllegung mit einem blauen Auge davon gekommen.

Honsels Werk im chinesischen Wuxi war einen Monat lang wegen der Corona-Virusepidemie stillgelegt.

Honsels Werk im chinesischen Wuxi war einen Monat lang wegen der Corona-Virusepidemie stillgelegt. © Marcus Land

Fraglich sei allerdings in den nächsten Wochen, „wie die Absatzmärkte angesichts der Konsumentenverunsicherung reagieren“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. Während es bei manchen Produkten zu Hamsterkäufen komme – Stichwort Toilettenpapier –, würden andere „Kaufentscheidungen nach hinten geschoben“.

Zur Hysterie und Panik sieht Tim Siepmann allerdings keinen Grund. Im Fröndenberger Werk habe man alle Mitarbeiter für das Thema sensibilisiert („kein Händeschütteln“), hat Kunden- und Lieferantentermine reduziert oder setzt auf Videokonferenzen.

Dass nun auch sein Flug nach Wuxi im April von der Fluglinie storniert worden ist, nimmt Tim Siepmann gelassen hin. „Momentan habe ich ohnehin kein großes Interesse, nach China zu fliegen“, bemerkt der Honsel-Chef süffisant.

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