Polizei, Notarzt und Feuerwehr rückten an, um in Schwerte eine bewaffnete Frau zu überwältigen. Mit einem Trick gelang das. Der Einsatz zeigt, wie viele Räder im Notfall ineinander greifen.

Schwerte

, 20.11.2018, 15:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Fleischgabel bewaffnet und wild herumbrüllend hat eine verwirrte Frau (33) am Dienstagmittag einen großen Polizeieinsatz in der Innenstadt ausgelöst. Die Eintrachtstraße wurde für eine Stunde gesperrt, verletzt letztlich niemand. Die Frau wurde in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen.

Ein Einsatz, der glücklicherweise glimpflich ausging. Er zeigt aber gut, wie die einzelnen Rädchen im Notfall ineinandergreifen, wie sich die Einschätzung eines Einsatzes innerhalb von Minuten ändern kann und wie viele verschiedene Akteure gut zusammenarbeiten müssen.

Zunächst wurde der Vorfall nämlich als „Hilfeersuchen“ bei der Polizei erfasst. In diese Kategorie fallen alle Situationen, in denen jemand einen Polizisten anspricht und um Hilfe bittet.

Passantin hielt Streifenwagen an: „Bedrohungslage“

In diesem Fall heißt das konkret: Eine Frau hatte gegen 11.45 Uhr eine Streifenwagen-Besatzung angesprochen, so Polizei-Pressesprecherin Ute Hellmann. Es handelte es sich um die Mutter der Frau. Sie gab an, ihre Tochter randaliere in der Wohnung.

Die Besatzung des Streifenwagens schaute sich die Situation an, meldete der Leitstelle dann eine „Bedrohungslage“, weil die Frau einen „hochaggressiven“ Eindruck machte und sie nicht auf die Ansprache durch die Polizisten reagierte, so Hellmann.

Gefahr der Selbstverletzung: Auch Notarzt und Feuerwehr vor Ort

Daher rückten auch zwei weitere Streifenwagen an – und zusätzlich Feuerwehr und Rettungsdienst. „Die Kollegen vor Ort haben es so eingeschätzt, dass sich die Frau sich selbst verletzen könnte“, so Hellmann. Außerdem machte sie einen psychisch völlig labilen Eindruck. Dementsprechend wurde ein Arzt vor Ort benötigt.

Verwirrte, bewaffnete Frau eingewiesen: So arbeiteten Polizei und Rettungskräfte zusammen

Polizei, Feuerwehr und der Rettungsdienst arbeiteten bei dem Einsatz an der Eintrachtstraße zusammen. © Bernd Paulitschke

Während die Polizisten den Bereich nahe an dem Haus sicherten und versuchten, die Frau zur Aufgabe zu bewegen, sperrte die Feuerwehr die Straße ab und hielt sich bereit, notfalls die Tür zur Wohnung aufzubrechen. „Es war lange nicht klar, ob noch weitere Personen in der Wohnung sind“, so Hellmann. In dem Fall wäre die Frau nicht nur für sich, sondern auch für andere eine Gefahr gewesen.

Überredungsversuche bleiben erfolglos: Polizei griff auf Trick zurück

Gemeinsam versuchten die Einsatzkräfte, die Frau zum Aufgeben zu überreden, so Michael Schwarz, Einsatzleiter der Feuerwehr. Da die Frau kein Deutsch sprach, organisierte ein Feuerwehrmann noch einen befreundeten Arzt, der persisch spricht. Die Versuche blieben letztlich ohne Erfolg. Und so griff die Polizei auf einen Trick zurück.

Ein Beamter lenkte die Frau ab, lenkte ihren Blick in die eine Richtung, während sich ein weiterer von der anderen Seite näherte und die Frau überwältigen konnte. Anschließend wurde die Frau in einem Rettungswagen fixiert und die Einweisung in die psychiatrische LWL-Klinik in Dortmund vorbereitet.

Einweisung unter Zwang: Arzt und Richter entscheiden

Eine solche Einweisung unter Zwang muss von zwei Personen abgesegnet werden, erklärt Michael Schwarz. „Das ist eine Einweisung nach psychologischem Krankengutachten. Das bedeutet: Der Arzt vor Ort macht sich ein Bild vom betroffenen Patienten und schreibt eine entsprechende Einweisung. Manche Patienten erklären sich auch damit einverstanden. Stellt derjenige für sich oder andere aber eine Gefahr dar, wie es in diesem Fall war, wird das unter Zwang gemacht.“ Alleine kann der Arzt dies allerdings nicht durchsetzen. Im Normalfall wird noch ein Richter hinzugerufen.

An dieser Stelle kommt neben Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst der vierte Akteur ins Spiel: das Ordnungsamt. „Bei einer Unterbringung nach psychologischem Krankengutachten wickelt die Ordnungsbehörde die Einweisung ab“, erklärt Marco Gosewinkel von der Stadt Schwerte. Gemeinsam mit dem Arzt und dem Richter klärte man den Fall, bevor ein Rettungswagen, eskortiert von einem Polizeiwagen, Frau nach Dortmund in die Klinik brachte.

Nach einer Stunde war die Eintrachstraße wieder frei, die Rettungskräfte rückten ab.

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