Krankenhäuser im Kreis Unna haben das Ende des Besuchsverbots verschoben. Ob es am 30. Juni wirklich kommt, ist angesichts des hohen Aufwands für das Besucher-Screening fraglich. So läuft der Weg durch die Besucherschleuse ab.

Unna

, 06.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Allein und ohne Besuch im Krankenhaus: Patienten dürfen ihre Angehörigen derzeit nur in Ausnahmefällen empfangen. Die Krankenhäuser im Kreis Unna haben die Wiedereröffnung für Besucher, die ab 20. Mai erlaubt gewesen wäre, zunächst auf 2. Juni und dann auf 30. Juni verschoben.

Warum das so ist, zeigt sich beispielhaft am Katharinen-Hospitals in Unna. Dort stehen am Donnerstagmittag vor dem Haupteingang fünf Menschen in einer Schlange und warten auf Einlass. Zudem sitzen sechs Wartende unter einem Glasvordach auf Plastikstühlen. Dafür, dass ein eingeschränktes Besuchsrecht gilt, ist an der Pforte erstaunlich viel los. Ambulante Patienten, Lieferanten oder die wenigen Ausnahme-Besucher sorgen für Verkehr. Wie soll es hier erst aussehen, wenn die Öffnung kommt?

Der Coronaschutz für Patienten und Pflegende fordert von den Krankenhäusern ein sogenanntes Besucher-Screening. Eine Klinik ist kein Laden, in den man lediglich mit Mund-Nasen-Schutz hineinspazieren darf. Der Erste in der Schlange am Eingang wird an einer Theke von Nuran Uysal begrüßt. Die Krankenschwester lässt die Ankömmlinge die Hände desinfizieren und händigt denen eine Maske aus, die keine dabei haben.

Erste Station des Besucher-Screenings am Hauptportal des Katharinen-Hospital in Unna: Wer verdächtige Erkältungssymptome zeigt, muss als Besucher gleich wieder gehen – und gegebenfalls zur ärztlichen Sichtung durch einen Seiteneingang.

Erste Station des Besucher-Screenings am Hauptportal des Katharinen-Hospital in Unna: Wer verdächtige Erkältungssymptome zeigt, muss als Besucher gleich wieder gehen – und gegebenenfalls zur ärztlichen Sichtung durch einen Seiteneingang. © Carsten Fischer

Weiter geht es zu einem Schalter, wo Rebecca Helen Kochtokrax bei ankommenden Patienten eine Checkliste mit der Überschrift „Covid-19-Patientendetektion bei Aufnahme“ in Papierform zückt oder auf einem Computer aufruft. Zutreffendes bitte ankreuzen, um mögliche Symptome zu entdecken: Husten, Fieber über 37,5 Grad, Durchfall, Luftnot in Ruhe, Auswurf, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, kein Geruchssinn, Rhinitis (Schnupfen), Schüttelfrost, Schneller außer Atem, kein Geschmackssinn, Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Schmerzen beim Atem.

Fiebermessen beim Covid-19-Check

Die Körpertemperatur wird mit einem Thermometer gemessen. Die Ankömmlinge müssen zudem erklären, ob sie Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall oder einem Verdachtsfall hatten, schon einmal an Covid-19 erkrankt sind und ob sie unter häuslicher Quarantäne stehen. Auch Fragen zum Arbeitsplatz, Beruf und zur Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaftseinrichtung, zum Beispiel ein Pflegeheim, sind zu beantworten. Ganz unten auf der Checkliste kreuzt Rebecca Helen Kochtokrax dann „kein Verdacht auf Covid-19-Infektion!“ an.

Die Abläufe für Patienten und Besucher ähneln sich. Besucher müssen ihre Adresse und Telefonnummer in einem Register hinterlassen. Zudem wird die Ankunfts- und Abschiedszeit im Krankenhaus erfasst. Sofern sich nachträglich eine Infektion herausstellt, lässt sich eine Liste aller Personen aus einem bestimmten Zeitraum ausdrucken, die als Kontaktpersonen infrage kommen.

Aufwändiges „Doorkeeping“ an der Pforte

Dr. Katja Frye-Breitfeld, Leiterin Qualitäts- und Risikomanagement, hat das sogenannte Doorkeeping in einem knapp zehnseitigen Hygiene- und Sicherheitskonzept beschrieben. Mit dem Papier liegt theoretisch eine Voraussetzung dafür vor, dass das Krankenhaus sich für Besucher über die bestehende Ausnahmeregelung hinaus öffnen darf. Dennoch zögert das Katharinen-Hospital – in Absprache mit allen anderen Krankenhäusern und dem Kreisgesundheitsamt – die Öffnung hinaus. „Wir wollen sicherer werden“, sagt Dr. Frye-Breitfeld. Das heißt: Erst mehr Routine bei den Abläufen gewinnen und dann gewappnet sein für einen größeren Ansturm.

Derzeit bilden sich nur kleine Schlangen am Eingang, die binnen weniger Minuten aufgelöst sind. Bei anschwellenden Besucherzahlen droht ein größerer Stau vor der Besucherschleuse. Und weil niemand eine „Schlange bis zum Marktplatz“, so Frye-Breitfeld, will, können zumindest Patienten bereits zu Hause einen Beitrag gegen die Schlangenbildung leisten. Die Fachärztin empfiehlt allen Patienten, die zu Untersuchungen oder geplanten Operationen kommen, den Covid-19-Fragebogen vorab online unter qr.hospitalverbund.de auszufüllen. Das spart Zeit für alle. Vor Ort kann man dann einen online erzeugten QR-Code per Smartphone vorzeigen.

Besuche in Krankenhäusern sind im Kreis Unna – hier das Katharinen-Hospital –frühestens ab 30. Mai  auf der Basis eines einrichtungsbezogenen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts zulässig.

Besuche in Krankenhäusern sind im Kreis Unna – hier das Katharinen-Hospital –frühestens ab 30. Mai auf der Basis eines einrichtungsbezogenen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts zulässig. © Carsten Fischer

Frühestens ab 30. Juni werden Besuche in Krankenhäusern im Kreis Unna wieder erlaubt. „Die Entscheidung, die ursprünglich für den 2. Juni geplante Öffnung nach hinten zu verlegen, hat mit den vom Land geforderten Hygiene- und Infektionsschutzkonzepten zu tun, deren Umsetzung größte Sorgfalt und damit Zeit erfordert“, erklärt Constanze Rauert, Sprecherin des Kreisgesundheitsamts. Auch dann sollen Einschränkungen gelten. Annette Gutzeit von der Pflegedirektion im Katharinen-Hospital verweist auf Absprachen im Kreis Unna. Diese besagen: Maximal ein Besuch pro Tag und Patient von maximal zwei Personen, Besuchszeit zwischen 15 und 18 Uhr. Und nur wer länger als vier Tage stationär aufgenommen wird, darf Besuch empfangen.

Patient darf nicht nach draußen

Ob die Lockerung tatsächlich kommt, weiß noch niemand. Solange dürfen weiterhin nur Besuche stattfinden, die aus medizinischen oder ethisch-sozialen Gründen geboten sind. „Ich durfte bei der Geburt dabei sein“, erzählt ein Mann, der seine Frau und die neugeborene Tochter gerade abholt. Eine andere Frau steht telefonierend vor dem Portal, am anderen Ende ist offenbar eine Patientin. „Du musst fragen, ob du rauskommen kannst. Ich darf ja nicht rein“, sagt die Frau. Doch Patienten dürfen das Gebäude während ihres Aufenthalts nicht verlassen. Ein junger Mann mit verbundenem Bein will gerade mit dem Rollstuhl nach draußen fahren. „Wo möchten Sie hin?“, fragt eine Krankenhaus-Mitarbeiterin. „Nur eine rauchen“, sagt er. „Das ist leider nicht möglich.“

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