Corona-Krise: Unnaer Tafel versorgt Bedürftige mithilfe von „Foodsharing“

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Die Tafel in Schwerte öffnet am Freitag wieder, die Unnaer Tafel hält ihre Ausgabestellen in der Corona-Krise weiter geschlossen. Die Alternative für Bedürftige heißt „Foodsharing“.

Kreis Unna

, 02.04.2020, 12:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sorgen waren groß, als die Tafel im Kreis Unna Mitte März ihre neun Ausgabestellen im Kreis Unna wegen der Corona-Krise schließen musste: Wie sollten Bedürftige nun an Lebensmittel kommen? Zusammen mit der Initiative „Foodsharing Unna“ will die Tafel nun sicherstellen, dass die Lebensmittel trotzdem dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

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„Foodsharing wird am Donnerstag 30 Kisten mit länger haltbaren Lebensmitteln abholen“, sagt Ulrike Trümper, Leiterin der Tafel im Kreis Unna, unserer Redaktion, „das sind beispielsweise Nudeln, Konserven und Säfte. Sie werden sich um die Verteilung kümmern.“

Wie genau diese Verteilung aussehen wird, daran arbeiten Jennifer Paruzel und Jennyfer Beyersdorf von „Foodsharing Unna“ derzeit noch. Fest steht: Sie wollen die Lebensmitteln all denjenigen zugänglich machen, die sie dringend benötigen – und das ohne lange Schlangen vor Ausgabestellen zu produzieren, die wegen der bestehenden Kontaktsperre nicht erlaubt sind.

Die Ausgabestellen der Tafel im Kreis Unna - hier die in Königsborn - sind seit Mitte März geschlossen. Eine Verteilung wurde die Ausgabestelle zu einem Hot-Spot potenzieller Ansteckung machen.

Die Ausgabestellen der Tafel im Kreis Unna – hier die in Königsborn – sind seit Mitte März geschlossen. Eine Verteilung wurde die Ausgabestelle zu einem Hot-Spot potenzieller Ansteckung machen. © Anna Gemünd

„Wir denken da beispielsweise an einen Gabenzaun“, sagt Beyersdorf unserer Redaktion. In wieweit das rechtlich möglich ist, wollen sie und ihr Team jetzt prüfen. „Das wird kurzfristig passieren, denn wir wollen die Lebensmittel der Tafel ja schnell an die Menschen bringen, die sie brauchen.“

Neu ist die Initiative nicht: Bereits seit anderthalb Jahren engagieren sich die Mitglieder in der Region. Der Grundgedanke: Lebensmittel, die noch genießbar sind, sollen im Sinne der Nachhaltigkeit nicht im Abfall landen.

„Fair-Teiler“ werden in der Corona-Krise wichtiger

Das geschieht über so genannte „Fair-Teiler“ – Boxen, in denen Lebensmittel an einem öffentlich zugänglichen Ort sicher aufbewahrt und abgeholt werden können.

Seit Beginn der Corona-Krise haben die „Foodsharing“-Mitglieder deutlich mehr zu tun als vorher. Da die Tafeln vorübergehend nicht geöffnet sind, machen sie die „Fair-Teil-Stellen“ öffentlich.

An fünf Stellen im Kreis gibt es bereits solche „Fair-Teiler“, die auch während der Corona-Krise rund um die Uhr zugänglich sind.

Überblick

Hier stehen die „Fair-Teiler“

Die „Fair-Teiler“, die von der Initiative „Foodsharing Unna“ betreut werden, sind im Kreis Unna an folgenden Adressen zu finden:
  • Biene Maja: Auflagenbox Friedrich-Ebert-Str. 64 (Bft-Tankstelle), 59425 Unna
  • Buffy: Auflagenbox Hauptstr. 158, 59439 Holzwickede
  • Lunchbox: Fahrradanhänger Winkelweg 24, 59427 Unna
  • Der Kumpel: Auflagenbox Lünener Str. 23, 59192 Bergkamen
  • Karlchen: Box Ludwig-Schröder-Str. 18, 59174 Kamen

120 Mitglieder hat die Initiative im Raum Unna und Kamen derzeit. „Wir arbeiten natürlich nach Hygienevorschriften und Regeln, deswegen kann nicht einfach jeder so eine Box aufstellen. Dazu braucht es normalerweise eine Einarbeitung durch zwei Teammitglieder von Foodsharing“, erklärt Jennyfer Beyersdorf.

Da diese aufgrund des geltenden Kontaktverbotes derzeit nicht möglich ist, würden eventuell neu dazukommende Boxen von den bereits vorhandenen Team-Mitgliedern betreut.

Die „Foodsharing“-Boxen stehen an öffentlich zugänglichen Orten - wie hier an einer Tankstelle an der Friedrich-Ebert-Straße in Unna-Königsborn.

Die „Foodsharing“-Boxen stehen an öffentlich zugänglichen Orten – wie hier an einer Tankstelle an der Friedrich-Ebert-Straße in Unna-Königsborn. © Anna Gemünd

Weg der Tafel Schwerte ist keine Option

Für Ulrike Trümper ist die Möglichkeit, die noch vorhandenen Lebensmittel der Tafel an „Foodsharing“ zu geben, momentan die einzige Möglichkeit, die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Eine Wiederöffnung einzelner Ausgabestellen unter verschärften Bedingungen, wie sie die Tafel Schwerte ab dem 3. April plant, sei für die Tafel im Kreis Unna keine Option. „Die Tafel Schwerte ist unabhängig und ist nur eine Tafel. Wir aber haben neun Ausgabestellen. Wir machen alle oder keine wieder auf. Wenn wir jetzt die Ausgabestellen in Königsborn wieder öffnen, was sage ich dann den Kunden in Fröndenberg oder Werne? Das entspricht nicht meinem Verständnis von Gerechtigkeit“, erklärt Trümper, wieso die Ausgabestellen weiterhin geschlossen bleiben.

Zumal die Tafel aktuell „mehrere Tage“ bräuchte, bis sie überhaupt wieder genügend Lebensmittel für alle Ausgabestellen hätte. „Wir prüfen gerade, ob wir einen Lieferservice für die älteren und kranken Kunden hinbekommen.“ Zusammen mit der Abgabe der länger haltbaren Lebensmittel an „Foodsharing Unna“ sei dies derzeit die einzige Möglichkeit, die Kunden zu versorgen.

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