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Der Schock war groß, als die Unnaer Tafel kurz vor Weihnachten verkünden musste, dass vier der neun Ausgabestellen im Kreis Unna geschlossen werden müssen. Jetzt zeichnet sich ein wenig Hoffnung ab.

Kreis Unna

, 04.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Durch das Auslaufen des Beschäftigungsprogramms „Soziale Teilhabe“ verlor die Tafel zum Ende des vergangenen Jahres auf einen Schlag rund 30 Mitarbeiter. Aktuell sind es nur noch 18 Ein-Euro-Jobber, die sich als feste Kräfte um sämtliche Belange der Tafel kümmern. Jetzt hat das Jobcenter der Tafel zugesagt, ab kommender Woche sechs zusätzliche Ein-Euro-Jobber zuzuweisen. „Das ist auf jeden Fall ein guter Anfang“, sagt Ulrike Trümper – doch leider reiche auch diese erneute Zuweisung nicht, um die Schließung der Ausgabestellen in Holzwickede, Fröndenberg, Unna-Massen und Bönen rückgängig zu machen.

Gespräche mit Landrat und Kreisverwaltung

Es habe recht aussichtsreiche Gespräche mit Landrat Michael Makiolla und Sozialdezernent Torsten Göpfert gegeben, die der Tafel weitere Stellen durch einen sogenannten Rücklaufprozess in Aussicht stellten, erklärt Roland Lutz. Der stellvertretende Tafel-Vorsitzende fügt hinzu: „Das entscheidet sich erst im März, und das ist auch der Grund, warum wir die betroffenen Ausgabestellen unter Vorbehalt bis dahin geschlossen halten.“

Dass die Situation für die Menschen, die vor Ort auf die Lebensmittel angewiesen sind, bis dahin sehr kritisch ist, liegt auf der Hand. Im Vereinsvorstand habe es rege Diskussionen darum gegeben, ob und wie sich ein Betrieb vielleicht doch noch aufrecht halten ließe, letztlich sei man aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es zunächst wichtiger sei, den Gesamtbetrieb der Tafel im Kreis Unna am Laufen zu halten. Das gehe aber nicht ohne die festen Kräfte und leider eben nur durch die Schließung der Ausgabestellen.

Die fünf verbleibenden Ausgabestellen der Tafel und ihre Öffnungszeiten

  • Bergkamen, Evangelisches Gemeindehaus, Goekenheide 7, Dienstag 11.30 bis 13 Uhr
  • Königsborn, Dorotheenstraße 32, Dienstag (A-L) 11 bis 12.30 Uhr, Mittwoch (Kunden mit Schwerbehindertenausweis, A-Z) 9 bis 10 Uhr, Freitag 14 bis 15.30 Uhr
  • Lünen, Am Lindeneck 3, Donnerstag 11.30 bis 13 Uhr
  • Selm, Evangelisches Gemeindezentrum am Markt, Willy-Brandt-Platz, Freitag 15 bis 16.15 Uhr
  • Werne, Burgstraße 22, Mittwoch 10 bis 11.30 Uhr

Die Tafel lebt vom Ehrenamt

Freilich lebt die Tafel von den freiwilligen Helfern. Insgesamt 120 Ehrenamtliche engagieren sich für die Tafel. Auch der komplette Vereinsvorstand erledigt die Aufgaben unentgeltlich. Vorsitzende Ulrike Trümper hat einige bewegte Wochen hinter sich und man merkt ihr an, wie ihr die Situation an die Nieren geht. „Das hier ist alles noch unsortierte Ware“, sagt sie und lässt ihr Auge über die Reihen der grünen Körbe schweifen. Aufeinandergestapelt überragen die Warenkörbe auf einer Länge von mindestens zehn Metern die Vorsitzende der Unnaer Tafel um ein gutes Stück. „Das ist das, was von unseren Fahrern morgens an den Geschäften eingesammelt wird und was dann erst einmal zu uns hier nach Unna kommt.“ 58 Läden und Geschäfte fahren die Einsammler an und bringen die Körbe zunächst einmal in die Stelle nach Königsborn.

Logistik als Mammutaufgabe

Dadurch sind mit jeweils zwei Personen, verteilt auf sechs Fahrzeuge, schon mal zwölf von 18 Mitarbeitern im Einsatz. „Wir haben zum Glück heute hier in Königsborn viele Ehrenamtliche, die sich um die Sortierung kümmern“, erklärt Trümper am Freitag und geht vom Warenlager an den Sortiertischen vorbei in Richtung Frischware. Sie legt den Hebel um und öffnet den überdimensionalen Kühlschrank. „Was wir im Moment natürlich in großer Menge haben, ist alles aus dem Weihnachtsgeschäft, also Lebkuchen und so, aber auch unsere Kühlung ist gut gefüllt“, erklärt die ehrenamtliche Vorsitzende und schließt die Tür wieder. Damit gerade die Kühlware ihren Weg ohne Unterbrechung der Kühlkette in die Ausgabestellen findet, ist die Tafel auf Transportfahrzeuge mit gut funktionierender Kühlung angewiesen. Die Spende über 27.200 Euro von den Lesern unserer Zeitung sei wie ein Segen gekommen, denn das alte Kühlfahrzeug muss dringend ausgetauscht werden.

Tafelbetrieb nachhaltig sichern

Es habe natürlich auch Überlegungen gegeben, ob es Sinn ergeben könnte, die Spende für 450-Euro-Kräfte aufzuwenden. „Das ist aber Quatsch“, sagt Trümper bestimmt. „Das Geld hätte dann vielleicht drei Monate gereicht und dann hätten wir ohne Kühlfahrzeug dagestanden.“ Für die Unnaer Tafel geht es dem Verein um langfristige Planung, um ein Bestehen der Einrichtung nachhaltig sicherstellen zu können.

Unnaer Tafel gibt die Hoffnung nicht auf: Jobcenter sagt sechs Stellen zu

Patricia Westermann, Roland Lutz, Ulrike Trümper und Helge Rosenstengel hoffen auf positive Entwicklungen bezüglich der Zuteilung weiterer 1-Euro-Jobber zum Ende März. © Christoph Schmidt

„Wir sind natürlich für kurzfristige Angebote, die den betroffenen Menschen vor Ort helfen können, mehr als offen“, sagt Trümper und verweist darauf, dass es zum Beispiel in Fröndenberg bereits Überlegungen gebe, ein größeres Fahrzeug des Treffs Windmühle für die Tafelzwecke einzusetzen. „Wir müssen uns aber auch bei improvisierten Brückenlösungen an die Hygienevorschriften halten und können keine Lebensmittellieferungen in Privat-Pkw organisieren.“

Für die beste Lösung hielte es der Vereinsvorstand, wenn Menschen, die in ihren Fahrzeugen mehrere Fahrgäste mitnehmen können, Fahrgemeinschaften zur Ausgabestelle in Königsborn organisieren könnten.

Weitere Ausgabetage in Königsborn wären möglich

„Wenn sich die Kunden dann vorher anmelden, ist das überhaupt kein Problem, wir können hier auch noch einen weiteren Ausgabetag in Unna einrichten, extra für die Menschen aus den von der Schließung betroffenen Kommunen“, betont Trümper und hofft, dass sich vielleicht Kirchengemeinden oder die Städte- und Gemeindeverwaltungen in dieser Hinsicht engagieren. Denn ansonsten heißt es leider zunächst bis mindestens März: „Was bleibt ist die Hoffnung.“ Selbst wenn der Tafel dann noch einmal sechs Kräfte zugewiesen würden, werde die Wiederaufnahme und Aufrechterhaltung des gewohnten Betriebes eine unglaubliche Herausforderung.

Die Umwandlung von Stellen zu Beschäftigungen nach dem neuen Teilhabechancengesetz („Sozialer Arbeitsmarkt) ist für die Tafel schwierig, zumal sie 20 Prozent der Beschäftigungskosten selbst bezahlen muss. Das klappt ab Februar aber für insgesamt drei Mitarbeiter, wobei eine Stelle auch durch die Dr.-Jürgen-Gesling-Stiftung getragen wird.

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