Vier Monate lang war Kevin Krüger auf dem Hof des Selmer Landwirts Stephan Peters als Melker beschäftigt. Trotz moderner Melktechniken ist der Einsatz von solchen Hilfskräften unverzichtbar.

Selm

, 01.10.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen Kevin Krüger und den 100 Kühen des Selmer Landwirts Stephan Peters stimmt die Chemie. Das mag komisch klingen, es ist aber wichtig für Krügers Job. Dazu später mehr. Der 29-Jährige ist Melker auf dem Hof von Stephan Peters. Noch, denn ab dem 1. Oktober hat Krüger einen Nachfolger. „Die Arbeit als Melker ist eine Nebentätigkeit“, erklärt Krüger im Gespräch mit dieser Redaktion. Auf 450-Euro-Basis hat der Selmer knapp vier Monate lang an drei bis vier Tagen pro Woche auf dem Hof gearbeitet.

Ungewöhnlicher Job: Melker Kevin Krüger (29) erzählt aus seinem Alltag

100 Kühe gibt es auf dem Hof des Selmer Landwirts Stephan Peters. © Karim Laouari

Wie für viele andere Landwirte mit einem Milchbetrieb ist der Melker eine wichtige Hilfskraft im Alltag. „Er hält mir den Rücken frei“, sagt Peters, denn das Melken der 100 Kühe muss jeden Tag erledigt werden. Und es dauert seine Zeit. Natürlich wird auf dem Hof von Stephan Peters an der Werner Straße nicht per Hand gemolken. Das übernehmen Melkanlagen, die die Milch über Melkgeschirre aus dem Euter saugen.

Melker achtet genau auf die Gesundheit der Kühe

Die Aufgabe des Melkers ist es zum Beispiel, vor dem eigentlichen Melken bei jeder Kuh drei bis vier Mal pro Strich – also pro Zitze – vorzumelken. Das passiert per Hand und ist wichtig, um die Milch und damit auch die Kuh auf Krankheiten zu kontrollieren, erklärt Krüger. Geprüft wird zum Beispiel, ob die Milch gelblich statt weiß ist und ob sie eine normale Kosistenz hat oder ob sie flockt.

Das Vormelken und die Kontrolle dauere etwa eine Minute pro Kuh, schätzt der 29-Jährige. Anschließend müsse das Euter gereinigt und das Melkgeschirr angelegt werden. Hochgerechnet auf alle 100 Kühe von Bauer Stephan Peters also eine zeitaufwendige Tätigkeit.

Nicht nur für den Selmer Milchlandwirt ist die Hilfskraft eine wichtige Unterstützung. Rita Stauten ist Pressesprecherin der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen (LV NRW) und betreibt selbst einen Milchbauernhof in Willich im Kreis Viersen. Der ist mit 350 Tieren aber ungleich größer. Auch auf ihrem Hof sei eine Kraft für das Melken eingestellt, allerdings aufgrund der größe des Hofs in Vollzeit. „Stellen wie diese sind zu Hauf noch zu haben“, weiß Rita Stauten. Viele Landwirte seien auf der Suche nach entsprechenden Kräften.

Kühe sind feinfühlig

Kevin Krüger ist durch Zufall auf die Stelle aufmerksam geworden, über die Internetseite Ebay-Kleinanzeigen. „Ich bin selbst auf dem Land groß geworden“, sagt er. Da sei die Stelle auf einem Bauernhof für ihn sofort attraktiv gewesen. Stephan Peters weiß, welche Fähigkeiten ein Melker auf seinem Hof mitbringen muss: Anpacken müsse er können, sagt der Landwirt. Und bloß keine Scheu vor Tieren haben. Eins fügt Kevin Krüger hinzu: Keine Scheu zu haben, bedeute nicht, keinen Respekt vor den Tieren zu haben. Denn auch wenn Kühe eher von grober Anmutung sind, sind sie trotzdem sehr feinfühlig. „Die merken sofort, wenn jemand Fremdes in den Stall kommt“, sagt Stephan Peters. Sie hören es an den Schritten, registrieren den fremden Geruch. Und wenn es der Kuh nicht passt, wie sie angefasst wird, „dann kann man auch schonmal einen abkriegen“, erklärt Kevin Krüger.

Ungewöhnlicher Job: Melker Kevin Krüger (29) erzählt aus seinem Alltag

100 Kühe gibt es auf dem Hof des Selmer Landwirts Stephan Peters. © Karim Laouari

Im Normalfall ist das Melken für die Tiere aber Alltagsgeschäft. Und wie eingangs erwähnt, sind Kevin Krüger und die 100 Kühe von Stephan Peters ein eingespieltes Team. Gerade die älteren Kühe würden dem Melkrythmus mit tiefer Gelassenheit folgen, sagt der Landwirt. Und auch die jüngeren Tiere würden letztendlich dem Ruf des Futters folgen, das beim Melken auf sie wartet.

Digitalisierung hält auch in der Landwirtschaft Einzug

Nach dem Melkvorgang ist der Job für Kevin Krüger noch nicht vorbei. Er hilft beim Reinigen der Melkgeschirre und des Melkstands. In größeren Betrieben würden schon heute viele der Arbeitsschritte Maschinen übernehmen, sagt Frank Maurer, Sprecher des LV NRW. „Es gibt einen Strukturwandel bei den Betrieben“, erklärt er. Das sei zum einen die steigende Anzahl der Tiere pro Hof und zum anderen die zunehmende Digitalisierung. „Der Robotereinsatz nimmt zu, aber langsam“, so Maurer. Das bedrohe die Tätigkeit des Melkers noch nicht, es zeigt aber, wie sich die Landwirtschaft entwickelt.

„Bei Melkrobotern gehen die Tiere selbstständig zum Melkstand“, erklärt Rita Stauten. Längeres Training sei dafür gar nicht nötig, „das lernen die Tiere sehr zügig“, fügt Stauten hinzu. Ganz ohne den Menschen kommt aber auch dieses Verfahren noch nicht aus. Zum einen müsse der Melkvorgang am Computer überwacht werden. Zum anderen müssten Tiere, die noch nicht von alleine zum Melkstand kommen, hingeführt werden, so die Sprecherin des LV NRW.

Landwirt Stephan Peters setzt weiter auf die Hilfe eines Melkers. Auch Kevin Krügers Nachfolger habe sich auf die Ausschreibung bei Ebay-Kleinanzeigen gemeldet. „Er hat auch schon zur Probe gemolken“, so der Landwirt. Krüger, der gelernte Kfz-Mechatroniker, wird als Dienstleister im Brandschutz arbeiten. Den Nebenjob als Melker würde er aber ohne zu Zögern noch einmal machen, sagt er.