Wenn Feuerwehr, Polizei, THW, Rettungsdienst und Bundeswehr gemeinsam im Katastrophenfall agieren, muss das koordiniert werden. Eine Übung für Extremlagen hat gezeigt, was nötig ist: mehr üben.

Kreis Unna

, 15.11.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Unwetter zieht über den Kreis Unna. Bäume werden entwurzelt, Dächer abgedeckt, Bäche treten über die Ufer, Straßen sind blockiert. In Fröndenberg kommt es zu einem Hangrutsch, der Teile des Friedhofs mit sich reißt. In der Kreisleitstelle der Feuerwehr, wo die Notrufe entgegengenommen werden, laufen die Telefondrähte heiß. Die Retter müssen in alle Himmelsrichtungen ausströmen. Zum Glück sind das alles nur Annahmen in einem Übungsszenario, mit dem sich der Krisenstab der neu aufgestellten Kreiseinsatzleitung in der vergangenen Woche im Rahmen einer groß angelegten Übung befasste. Doch Blicke auf Sturmtiefs wie Friederike in 2018 oder Kyrill in 2008 zeigen, dass diese Themen nicht mehr fern jeglicher Realität sind.

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Institut der Feuerwehr in Münster statt Einsatzleitstelle Unna

Normalerweise bezieht der Krisenstab in so einem Fall die Räumlichkeiten neben der Leitstelle in Unnas Feuerwehrhauptquartier an der Florianstraße. In der vergangenen Woche ging es für das 25-köpfige Team jedoch zu einer Katastrophenschutz-Übung nach Münster ins Institut der Feuerwehr, wo es den Ernstfall probte. „Die neue Örtlichkeit hatte Vorteile“, erklärt Kreisbrandmeister Thomas Heckmann. Der Krisenstab, in dem es in der jüngeren Vergangenheit etliche personelle Wechsel gab, hätte so im wahrsten Sinne des Wortes eingelaufene Wege verlassen und sich von Grund auf neu sortieren können.

Übung für extremen Ernstfall: mit Unwetter, Feuer im Seniorenheim und Brand im Chemiewerk

25 Mitglieder unterschiedlicher Organisationen nahmen an der großen Übung in Münster teil. © Feuerwehr

Verschiedene Organisationen üben gemeinsen

Akribisch gingen die Führungskräfte der Feuerwehren aus Bergkamen, Fröndenberg, Kamen, Lünen, Selm, Unna und Werne unter der Leitung des Kreisbrandmeisters ans Werk und erweiterten ihren eigenen Feuerwehrstab um Verbindungspersonen aus der Kreispolizeibehörde Unna, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr. Dieses besteht aus Reservisten, die im Katastrophenfall als Bindeglieder fungieren und benennen können, wo die Bundeswehr wie zur Hilfe eilen könnte.

Bevor die 25-köpfige Gruppe mit der Arbeit loslegte, galt es, alle nochmals in der Theorie auf Stand zu bringen und den Raum einzurichten. „Das haben wir dann erst analog zur Leitstelle in Unna gemacht, aber dann eine neue Tisch- und Sitzordnung erwählt und erprobt.“ In Münster entstand so schnell das Modell Unna.

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Das erste Unwetter betrifft nur den Nordkreis

Am zweiten Tag der Übung ging es dann ans Eingemachte, auch wenn das Unwetterszenario erst einmal auf den Nordkreis beschränkt war. „Das war ein moderater Einstieg zum Reinkommen“, beschreibt Heckmann lachend. Doch schnell zeigte sich, wo man vor allem in Sachen Kräfteeinsatz, Kommunikationsstruktur, Bildung einer Reserve und den einzelnen Abläufen besondere Sorgfalt anwenden musste. „Ich als Kreisbrandmeister habe festgestellt, wo ein erhöhter Koordinierungsbedarf besteht“, bilanzierte Heckmann für sich selbst. Denn natürlich muss der Kreisbrandmeister auch in Ausnahmesituationen darauf achten, dass nicht nur Störungen der Infrastruktur beseitigt werden, sondern auch der Grundschutz für die kleinen Unfälle im Leben bestehen bleibt.

Herausforderung am letzten Übungstag

Am letzten Tag wurde es für den Krisenstab daher in dieser Hinsicht nochmals kniffeliger. Nicht nur, dass das imaginäre Sturmtief in der Nacht auch noch den Südkreis erwischt hatte und nun in allen zehn Kommunen des Kreises Katastrophenalarm ausgelöst wurde, es wurden auch noch Hotspots ausgerufen: So wurde angenommen, dass auch noch in einem Seniorenheim eine Teeküche brannte und in einer Firma für Farben und Lacke ein Feuer ausgebrochen war.

Übung für extremen Ernstfall: mit Unwetter, Feuer im Seniorenheim und Brand im Chemiewerk

Bei einer großen Übung des Krisenstabs der neu strukturierten Kreiseinsatzleitung in Münster wurde eine neue Tisch- und Sitzordnung erprobt. © Feuerwehr

Heckmann will künftig verstärkt auf Übungen setzen

Unterm Strich war Thomas Heckmann mit dem Verlauf zufrieden. Aber: „Wir brauchen mehr Übung, wir müssen die Kommunikation verbessern und vor allem stärker externe Kompetenzen einbeziehen. Wir müssen die anderen mit ins Boot holen und auch mal deren Empfehlungen annehmen“, sagte Heckmann selbstkritisch. Und ganz bewusst sollen Jüngere in den Krisenstab mit aufgenommen werden, damit das erarbeitete Wissen auch weitergegeben werden kann.

Doch auch das Team selbst muss an sich arbeiten. „Wir müssen die gleiche Sprache sprechen, das gleiche Vokabular nutzen, und vor allem müssen Reibungsverluste vermieden werden“, erklärte Heckmann. Um all das zu verbessern, soll es künftig zweimal im Jahr eine entsprechende Zusammenkunft des Führungsstabs geben. Außerdem soll die Alarmschwelle tiefer gesetzt werden, so dass kleinere, echte Einsatzlagen genutzt werden können, um die Vorgehensweise im Krisenstab richtig einzuschleifen.

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