In allen Kommunen im Kreis Unna außer in Holzwickede und Schwerte wohnen Tönnies-Mitarbeiter und sind unter Quarantäne. Das Problem: Die Mitarbeiterlisten sind unvollständig. Zwei Mitarbeiter aus Lünen und Bergkamen sind infiziert.

Kreis Unna

, 22.06.2020, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies beschäftigt die Behörden in fast allen Städten und Gemeinden im Kreis Unna. Insgesamt 26 Tönnies-Mitarbeiter seien bislang ausfindig gemacht worden, die im Kreis Unna wohnen und auf alle Kommunen außer Holzwickede und Schwerte verstreut sind, sagte Kreisgesundheitsdezernent Uwe Hasche am Montagnachmittag.

In Lünen, Bergkamen, Kamen und Unna sind die Ordnungsämter tätig geworden und haben Tönnies-Mitarbeiter in Quarantäne geschickt. Angaben aus allen Städten und Gemeinden im Kreis Unna lagen bis Montagnachmittag nicht vor. Auch der Gesundheitsdezernent konnte zunächst nicht sagen, wie viele von den 26 Tönnies-Mitarbeiter in welchem Ort zu Hause sind.

Das Kreisgesundheitsamt bestätigte am Montag erstmals, dass laut einer übermittelten Liste der Bezirksregierung insgesamt 31 Tönnies-Mitarbeiter im Kreis Unna wohnen sollen. Diese Zahl hatte am Samstag zuerst der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer (SPD) genannt. Dezernent Hasche schilderte am Montagnachmittag, dass bislang insgesamt 26 Tönnies-Beschäftigte auf Basis mehrerer Listen, die zwischenzeitlich eingegangen seien, ausfindig gemacht und unter Quarantäne gestellt werden konnten. Hasche kritisierte die Unzuverlässigkeit und Unvollständigkeit der Listen. „Es war teilweise Kraut und Rüben, was wir aus Rheda-Wiedenbrück bekommen haben“, sagte er. Hasche appellierte an Tönnies-Mitarbeiter aus dem Kreis Unna, sich zu melden und dabei das Ergebnis ihres Corona-Tests parat zu haben. Das Problem: Es habe sich gezeigt, dass es auch Mitarbeiter gebe, die auf keiner der bisher übermittelten Liste auftauchen.

Zwei Tönnies-Mitarbeiter wohnen in Unna

Zwei mutmaßliche Tönnies-Mitarbeiter wurden in Unna ausfindig gemacht. Davon wurde nach Angaben von Stadtsprecher Christoph Ueberfeld lediglich einer unter Quarantäne gestellt. Bei dem anderen habe die Voraussetzung nicht vorgelegen, weil kein Zusammenhang mit dem Standort des Corona-Ausbruchs vorgelegen habe, sagte Ueberfeld am Montag. Auf Unnaer Kitas und Schulen in Unna wirken sich die Fälle laut dem Sprecher nicht aus.

Drei Tönnies-Mitarbeiter wohnen in Kamen

Drei Tönnies-Mitarbeiter wohnen in Kamen „Zwei von ihnen wurden als bislang nicht positiv getestete Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt, bei einer Person ist dies nach Auskunft des Kreis-Gesundheitsamtes nicht notwendig“, erklärte Stadtsprecher Peter Büttner. Alle Personen würden in Privatwohnungen leben und seien von der Stadt Kamen am Freitag über die Situation informiert worden. Gemeinschaftseinrichtungen seien nicht betroffen. Darüber hinaus habe die Stadt Kamen überprüft, ob in den Haushalten Kinder leben, die zurzeit eine Schule oder Kindertagesstätte besuchen. Auch dies sei nicht der Fall.

Acht Tönnies-Mitarbeiter wohnen in Bergkamen

Der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer (SPD) hatte am Freitagnachmittag sofort die Mitarbeiter des Ordnungsamtes ins Rathaus zurückgerufen, als durch das Kreisgesundheitsamt die Nachricht über acht Bergkamener Tönnies-Beschäftigte eintraf. Er erließ sofort eine Ordnungsverfügung, ordnete Quarantäne für die Tönnies-Mitarbeiter und ihre Familien an und ließ sie an die Betroffenen zustellen. Insgesamt stehen 14 Personen in Bergkamen unter Quarantäne.

Offenbar hat nur einer der Tönnies-Mitarbeiter, der in Bergkamen-Rünthe lebt, auch Kinder. Er ist der einzige Tönnies-Mitarbeiter außer einem Kollegen aus Lünen, bei dem bisher eine Infektion feststeht. Die Ergebnisse von Corona-Tests für fünf Familienangehörige werden am Dienstag erwartet. Die Stadt ordnete sofort die Schließung einer Kindergarten-Gruppe in der Awo-Kindergarten „Sonnenblume“ an. Zwei Kinder des infizierten Familienvaters haben die Übergangsgruppe mit insgesamt 13 Kindern in der vergangenen Woche besucht. Betroffen könnten dadurch auch zwei Klassen der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule in Rünthe sein. Die Schüler und die Lehrerinnen müssen vorerst zu Hause bleiben.

Alle anderen Tönnies-Mitarbeiter aus Bergkamen würden allein leben oder hätten zumindest keine Kinder, sagte Schäfer. Er trat dem Gerücht entgegen, dass es sich um Beschäftigte aus dem Ausland handelt. „Das sind alles Einheimische. Keiner lebt in Sammelunterkünften“, sagte Schäfer. Er geht davon aus, dass die Testergebnisse für alle entweder noch an diesem Montag oder am Dienstag vorliegen.

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Ein Tönnies-Mitarbeiter wohnt in Lünen

Aus Lünen ist bereits seit Freitag der Fall eines infizierten Tönnies-Mitarbeiters bekannt, der in der Lippestadt wohnt. Zudem ist eine Frau aus seinem privaten Umfeld infiziert, die im Marien-Hospital arbeitet, was dazu führte, dass Neuaufnahmen auf der Geburtsstation zunächst gestoppt wurden. Dazu kommen nun laut Kreisgesundheitsdezernent noch zwei weitere Infektionen in seinem Familienkreis.

Kontaktliste kam am Freitag

Infolge des Corona-Ausbruchs mit über 1300 Infizierten bei dem Fleischproduzenten im Kreis Gütersloh hat das dortige Gesundheitsamt für alle Tönnies-Mitarbeiter Quarantäne angeordnet. Deren Kontaktpersonen sollen sich freiwillig in die Isolierung begeben. Das Gesundheitsamt des Kreises Unna erhielt die Liste der mutmaßlich im Kreis Unna wohnenden Mitarbeiter am Freitag, um diese in Kooperation mit den zuständigen Ordnungsbehörden der Kommunen in Quarantäne zu schicken.

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